Re: Als die Wege sich trennten
Maranos van Ascheberg
Die Nacht nach dem Durchschreiten des Portals war stiller als jede, die Maranos je erlebt hatte. Nicht die Stille einer ruhenden Welt. Iomien erkannte ihn. Der Sand unter seinen Stiefeln war glasig geschmolzen, ohne dass eine Flamme sichtbar geworden wäre. Dort, wo Maranos stand, verzog sich die Wirklichkeit unmerklich, als hielte sie den Atem an. Die arkanen Ströme dieser verbannten Welt wanden sich um ihn wie Raubtiere, vorsichtig, lauernd – wissend, dass ein falscher Impuls genügt hätte, um sie zu verbrennen. Er war kein Magier, der zauberte. Unter der schweren Robe trug er Zeichen, die nicht gelehrt wurden – Runen der Vernichtung, gebrannt in Metall und Geist, Relikte aus Zeiten, in denen ganze Städte ausgelöscht worden waren, um Wahrheiten zu bewahren. Seine Macht war nicht laut. Sie musste es nicht sein. Sie war die Art von Gewalt, die man spürte, bevor sie geschah, wie das Dröhnen vor dem Einschlag eines Meteoriten. Als Thoryl sprach, flackerte etwas in Maranos’ Innerem auf – kein Feuer, sondern ein gleißendes Weiß, heiß genug, um Stein zu Staub zu mahlen. Visionen zogen durch seinen Geist: Festungen, die in sich zusammenfielen, Armeen, die verdampften, Schlachtfelder, auf denen nichts zurückblieb als geschwärzter Boden und verglaste Knochen. Nicht als Drohung. Er trat an den Rand des Lagers. Wo andere Dunkelheit sahen, erkannte er Struktur. Bruchlinien der Welt. Schwachstellen, an denen ein einziger korrekt gesetzter Zauber genügt hätte, um Iomien selbst aufzureißen. Langsam kniete er nieder und legte die Hand in den Sand. Das Zeichen, das er zog, war kein Gebet. Die Luft begann zu knistern. Kettenpanzer summten leise, als würden sie von fernem Donner widerhallen. Einige der Ordensmitglieder wichen instinktiv zurück, ohne zu wissen warum. Selbst Daedron warf ihm einen kurzen, prüfenden Blick zu – den Blick eines Hohepriesters auf eine Waffe, die selbst Götter fürchteten. „Noch nicht“, sprach Maranos leise. Das Feuer in ihm gehorchte. Widerwillig. Er erhob sich. Dort, wo seine Hand den Boden berührt hatte, blieb eine kreisförmige Narbe zurück, tiefschwarz, als sei der Sand verbrannt worden – nicht von Hitze, sondern von reiner arkane Auslöschung. Ein Blick zurück zum Ort des Portals. Er wusste: Wäre er zu spät gekommen, hätte er es zerschlagen können. Die Verbindung vernichten. Die Schattenwelt für immer abschneiden. Eine Entscheidung, die selbst Malion bemerkt hätte. Doch das war nicht sein Auftrag. Maranos van Ascheberg trat zurück in die Reihen des Ordens – sondern als Marenier Ma'Adrak, Schweigend. Es gab für Ihn nur eine Aufgabe, die Öffnung eines neen Portal, m alle verbliebenen Brüder und Schwester zu holen. Nur fast. Beiträge in diesem Thread
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