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Sylvius-Trilogie (Non-Kanon-Charakterstudie)

Sziedeyna

Sziedeyna war nicht mehr allein. Sie hatte jemanden kennengelernt. Sylvius hieß der charismatische junge Mann mit den pechschwarzen Haaren und der Augenklappe. Sie fühlte sich wohl mit ihm. Eines Nachts lagen sie bei Sziedeyna gemeinsam im Bett. Sziedeyna hatte ihm den Rücken vertrauensvoll zugedreht und sich an ihn gekuschelt, um seine Wärme zu spüren. Da sprach sie leise, ohne sich ihm zuzuwenden.

Sziedeyna: Magst du mich?
Sylvius: Ja, schon.
Sziedeyna: Schon?
Sylvius: Ja, ich mag dich.
Sziedeyna: Schön. Ich mag dich auch. Du bist so schön warm.
Sylvius: Und du immer so verdammt kalt. Das ist doch nicht normal, oder? Solltest dich vielleicht mal untersuchen lassen.
Sziedeyna: ...
Sylvius: Was?
Sziedeyna: Ach, Sylvius. Meinst du es wirklich ernst mit mir? Also wirklich ernst?
Sylvius: Du meinst, ob wir... sowas wie ein Paar sein könnten?
Sziedeyna: Ja, das meine ich.
Sylvius: Hm, hab ich so noch nicht drüber nachgedacht.
Sziedeyna: Ich schon.
Sylvius: ...
Sziedeyna: Also?
Sylvius: Ich meine, wir kennen uns nun schon eine Weile und es ist schön mit dir. Dass ich bisher nicht darüber nachgedacht habe, liegt wohl gar nicht an dir. Eher an mir.
Sziedeyna: So?
Sylvius: Ja, ich war bisher nie so der Typ für feste Bindungen.
Sziedeyna: Wie kommt's?
Sylvius: Vielleicht... nie die Richtige getroffen.
Sziedeyna: Hmm, und jetzt? Könnte ich die Richtige sein?
Sylvius: Huh, vielleicht, ja.
Sziedeyna: Hm. Schön.
Sylvius: Wieso fragst du das auf einmal so aus heiterem Himmel?
Sziedeyna: Nun... es gibt da etwas, das du wissen solltest. Aber nur, wenn es dir mit uns wirklich ernst ist.
Sylvius: Was ich wissen sollte? Jetzt machst du es spannend. Hat es etwas mit deiner Kälte zu tun? Bist du krank?
Sziedeyna: Ja und nein.
Sylvius: Du machst es wirklich spannend. Na los, was ist es denn?
Sziedeyna: Erst muss ich wissen, dass ich dir vertrauen kann. Vertraust du mir?
Sylvius: Vertrauen...
Sziedeyna: Ja, Vertrauen. Mit dem Leben vertrauen.
Sylvius: Puh, das sagt sich nicht so leicht.
Sziedeyna: Gut, das heißt, dass du es ernst nimmst.
Sylvius: So könnte man es wohl sagen.
Sziedeyna: Also? Vertraust du mir und kann ich dir vertrauen?
Sylvius: Was wäre denn, wenn ich es nicht täte?
Sziedeyna: Dann... fände ich das schade.
Sylvius: Schade? Wie kann ich das verstehen?
Sziedeyna: Na ja, dann würde es die Dinge über kurz oder lang schwierig machen.
Sylvius: Schwierig, aha. Wieso das?
Sziedeyna: Tja. Vertraust du mir und kann ich dir vertrauen?
Sylvius: Du bist schon was Besonderes. Da ist irgendwas, das mich anzieht, das ich aber auch nicht ganz greifen kann.
Sziedeyna: Oh, Sylvius, du musst dich entscheiden und auch etwas auf dein Herz hören. Kein erfülltes Leben ohne Risiko, oder?
Sylvius: Risiko? Sollte ich mir Sorgen machen?
Sziedeyna: Ich frage dich ein letztes Mal: Vertraust du mir? Kann ich dir vertrauen? Möchtest du mit mir zusammen sein? Frage dein Herz.
Sylvius: Gut, mein Herz... Mein Herz sagt Verlockung. Verdammt, ja. Ich will dich und dein verdammtes Geheimnis!
Sziedeyna: Puh, war das denn so schwer? Wir sind also jetzt ein Paar und vertrauen uns voll und ganz?
Sylvius: Sagte ich doch.
Sziedeyna: Na gut. ...
Sylvius: Aber nun raus damit. Was ist es?
Sziedeyna: ...
Sylvius: Sziedeyna?
Sziedeyna: Ich... brauche einen Moment. *atmet tief durch*
Sylvius: Gut, ich laufe nicht weg.
Sziedeyna: *leise* Könntest du eh nicht.
Sylvius: Was?
Sziedeyna: Gut, also... Wie du bemerkt hast, "friere" ich immer total, wenn wir uns sehen und brauche erstmal deine Wärme unter der Bettdecke.
Sylvius: Ja, du bist wirklich immer eiskalt.
Sziedeyna: Nun, das hat einen Grund.
Sylvius: Und welchen?
Sziedeyna: Dass ich... keine Wärme produziere.
Sylvius: Was meinst du?
Sziedeyna: Ich lebe nicht mal im herkömmlichen Sinne. Offenbar bin ich nicht tot, aber auch nicht wirklich lebendig.
Sylvius: Was? Du redest wirr.
Sziedeyna: Nein, leider nicht. Ist dir noch nie aufgefallen, dass wir uns immer nur nachts treffen?
Sylvius: Jetzt wo du es sagst...
Sziedeyna: Ich bin ein Wesen der Nacht. Und ich bin nicht zu jedem so nett wie zu dir.
Sylvius: Was heißt denn "nicht so nett"? Wesen der Nacht? Du sprichst in Rätseln.
Sziedeyna: Was ich genau bin, darüber bin ich mir selbst nicht im Klaren. Aber manche nennen es "Vampir".
Sylvius: Vampir? Noch nicht gehört.
Sziedeyna: Ja. Das ist auch gut so.
Sylvius: Und was heißt "nicht nett"?
Sziedeyna: Ist dir auch noch nicht aufgefallen, dass ich nie etwas esse oder trinke, wenn wir zusammen sind?
Sylvius: Nein, aber du hast Recht. Huh.
Sziedeyna: Das liegt daran, dass ich keine normale Nahrung zu mir nehme. Ich... ernähre mich von Blut. Menschenblut.
Sylvius: *lacht* Jetzt hattest du mich fast. Du machst Scherze!
Sziedeyna: *dreht sich zu ihm um und schaut ihm fest in die Augen*
Sylvius: Du machst keine Scherze. *sein Blick wird unsicher*
Sziedeyna: Schau. *öffnet den Mund und fährt ihre Vampirzähne aus*
Sylvius: *weicht erschrocken zurück*
Sziedeyna: Keine Angst. Ich tue dir nichts. Du weißt doch, wir mögen und vertrauen uns. Wir sind doch jetzt ein Paar.
Sylvius: ...
Sziedeyna: Und wir können nicht zusammen sein, wenn wir uns nicht vertrauen. Deswegen musste ich es dir verraten. Weil ich dich wirklich mag.
Sylvius: Hmm, das ist schon eine Menge, was du mir da anvertraust. Du trinkst Blut anderer Menschen und hast diese... Zähne. Du bist kalt wie eine Tote.
Sziedeyna: Hat dich mein Geheimnis verstört?
Sylvius: Ja, schon... sehr sogar.
Sziedeyna: Aber du liegst immer noch hier bei mir im Bett.
Sylvius: Ja...
Sziedeyna: *dreht ihm wieder den Rücken zu und drückt sich an ihn*
Sylvius: Und was wäre, wenn ich jetzt ginge und irgendwem von dir verraten würde?
Sziedeyna: Das... wäre nicht so gut. Dann hättest du gelogen.
Sylvius: Habe ich eine Wahl?
Sziedeyna: Klar, aber jede Wahl hat Konsequenzen.
Sylvius: Welche wären das?
Sziedeyna: Keine Guten.
Sylvius: Du würdest mich nicht gehen lassen, oder?
Sziedeyna: ...
Sylvius: Oder?
Sziedeyna: *leise* Doch. Weil ich dir vertraue.
Sylvius: Oh. Hm.
Sziedeyna: Sonst wäre es wohl keine Liebe. Und Liebe ist auch Risiko. Ein Risiko gegen ein anderes.
Sylvius: Liebe. Eben sprachst du davon, dass du mich magst.
Sziedeyna: Ich bin vorsichtig mit solchen Worten. Und bis eben habe ich mich gescheut, ein so starkes Wort in den Mund zu nehmen. Aber dann hast du mich vor die Wahl gestellt, wie ich dich. Und da fiel mir auf, dass die Wahl für dich nur eine echte Wahl ist, wenn ich dir wirklich die Wahl lasse. Doch dafür muss ich ein Risiko eingehen. Und dass ich dazu bereit bin, das... ist wohl Liebe, oder?
Sylvius: *atmet tief durch*
Sziedeyna: Ja, ich weiß, das ist wohl ziemlich schwere Kost. Aber wie können wir beide sonst "echt" sein? Ich hoffe, du kommst damit zurecht und wir... bleiben ein Paar?
Sylvius: In der Tat, das ist schwere Kost. Ich glaube, ich muss eine Nacht darüber schlafen, allein.
Sziedeyna: Ja, dann will ich dich nicht aufhalten. Hinein ins Risiko. Ich hoffe, du kommst zurück... und bewahrst mein Geheimnis.
Sylvius: Gehab dich wohl, Sziedeyna.
Sziedeyna: Du dich auch, Sylvius.

Die nächste Nacht wartete Sziedeyna auf Sylvius' Rückkehr. Aber er tauchte nicht auf. Noch eine Nacht verging. Und noch eine. Sziedeyna war traurig. Würde er wirklich nicht mehr wiederkommen, nachdem sie sich ihm anvertraut hatte? Würde er sie wenigstens nicht verraten? Wo war er nur? Sziedeynas Gedanken kreisten unentwegt um diese Fragen. Sie vermisste ihn und auch seine Wärme, die er ihr zuletzt regelmäßig gespendet hatte. Was würde sie tun, wenn sie ihm eines Tages begegnen würde, nachdem er sein Bekenntnis zu ihr so offenkundig widerrufen hatte? Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass etwas in ihr weh tat. War es jene Liebe, die sie ihm als erstem Menschen gestanden hatte? War sie ein Monster für ihn?

In ihr wuchs der Plan, nach ihm zu suchen. Sie wollte Gewissheit. Sie wollte wissen, was er wirklich über sie dachte und ob ihre Offenbarung alles zunichte gemacht hatte, was sie glaubte, das sie hatten. Aber da dachte sie, wenn er dann käme, wenn sie gerade nicht da war, dann würden sie sich verpassen.

Nächte vergingen, da erinnerte Sziedeyna sich auf einmal, wo sie sich einst kennengelernt hatten. Es war im Park gewesen. Da hatte er gesessen als sie aus dem Torbogen ihres Viertels kommend fast automatisch in seine Richtung geschaut hatte. Dieser gedankenverlorene Blick. Dieses Gesicht. Das pechschwarze Haar und... die Augenklappe. Sie hatte sich gefragt, ob er wohl ein Pirat war. Aber vor allem hatte sie diesen unbändigen Wunsch verspürt, sich ihm zu nähern und ihn kennenzulernen. Und da war sie zu ihm gegangen und hatte ihn gefragt, ob der Platz neben ihm noch frei war. Aus seinen Gedanken gerissen hatte er sich kurz gesammelt und ihr dann den Platz angeboten. Und so waren sie ins Gespräch gekommen. Sie hatten sich für ein nächstes Mal verabredet und so ist eins zum anderen gekommen.

Vielleicht würde er ja dort auf sie warten, dachte Sziedeyna, und verließ das Haus. Hoffnung stieg in ihr empor. Ihre Schritte beschleunigten sich. Bald hatte sie jenen Torbogen hinter sich gelassen und ihr Blick fiel auf jene Bank...

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