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Teil II

Sziedeyna

Aber diese war leer. Sylvius war nirgends zu erblicken. Sziedeyna hatte einerseits damit gerechnet, war aber nun doch sichtlich enttäuscht. Mit hängenden Schultern ging sie wieder zurück nach Hause und zog die Tür hinter sich ins Schloss. Liebeskummer tut weh. Das hatte Sziedeyna nun zum ersten Mal schmerzlich spüren müssen.

Es vergingen wieder ein paar Nächte, da klopfte es plötzlich an Sziedeynas Haustür. Sie schreckte auf. War es Sylvius? Noch etwas überwältigt fragte sie knapp: "Ja?" Da meldete sich eine ihr vertraute Stimme: "Ich bin's, Sylvius." Sziedeynas Augen weiteten sich und ihr Mund stand offen. Nach dem kurzen Schock richtete sie sich auf, setzte sich auf ihr Bett und entgegnete: "Komm rein, ist offen!" Sie richtete noch schnell ihre Haare und atmete durch. Ein Reflex, der noch immer eine beruhigende Wirkung auf sie hatte, auch wenn die Luft in ihren Lungen keinem Zweck mehr diente.

Da ging die Tür langsam auf, Sylvius stieg durch einen schmal geöffneten Spalt in das Haus ein und schloss die Tür sofort wieder behutsam. So hatte er das noch nie gemacht, fiel es Sziedeyna auf, aber ihre Aufmerksamkeit galt nun voll und ganz Sylvius. Sie sagte freudig: "Du bist ja doch noch gekommen!" Sylvius nickte ihr etwas abgehastet zu und antwortete: "Ja, ich brauchte etwas Zeit für alles." Sziedeyna nickte und kommentierte: "Na, jetzt bist du ja da. Komm zu mir." Und deutete zu sich aufs Bett. Sylvius näherte sich ihr langsam und setzte sich etwas zögerlich neben sie. Sziedeyna fragte ihn direkt: "Was ist?" "Nichts", sagte Sylvius knapp.

Sziedeyna: Hm.
Sylvius: Es ist nur alles etwas anders als vorher.
Sziedeyna: *nickt knapp*
Sziedeyna: Ja, das stimmt wohl. Ich hätte mir gewünscht, es hätte alles nichts geändert. Aber ich wollte dich nicht länger im Dunkeln lassen. Das war doch richtig, oder?
Sylvius: Schon.
Sziedeyna: Du bist anders. Ist es die lange Pause?
Sylvius: Ja, wahrscheinlich.
Sziedeyna: Möchtest du mich wärmen?
Sylvius: *nickt ihr lediglich etwas geistig abwesend zu*
Sziedeyna: Gut!
Sziedeyna: *kriecht unter die Bettdecke*
Sylvius: *zieht seine Stiefel aus und legt sich dazu*
Sziedeyna: *schmiegt sich mit dem Rücken an ihn*
Sziedeyna: Wie habe ich das vermisst! So warm.
Sziedeyna: *entspannt sich merklich*
Sylvius: Können wir etwas versuchen?
Sziedeyna: Was denn?
Sylvius: Nun... ich muss zugeben, dass mir dein letzter Auftritt doch etwas unheimlich war. Vielleicht kann ich mich besser entspannen und wieder an dich gewöhnen... wenn ich wüsste, dass du es dir mit mir nicht doch plötzlich anders überlegst.
Sziedeyna: Oh, du vertraust mir nicht.
Sylvius: Doch... Es ist nur... für den Anfang würde ich mich wohler damit fühlen...
Sziedeyna: Womit?
Sylvius: *räuspert sich*
Sylvius: Ich... habe hier diese Fesseln mitgebracht.
Sylvius: *zieht Fesseln aus seiner Tasche*
Sziedeyna: Du willst mich fesseln?
Sylvius: Ähm, ja, einfach, weil...
Sziedeyna: Ist gut. Kannst mich fesseln.
Sylvius: *schaut überrascht*
Sziedeyna: Wie möchtest du es?
Sylvius: Äh, Hände auf den Rücken?
Sziedeyna: *bewegt ihre Arme im Liegen nach hinten und hält ihm die Hände passend hin*
Sylvius: *zögert etwas*
Sziedeyna: Nun? Fesselst du mich?
Sylvius: Ja, Moment.
Sylvius: *legt die Fesseln an ihren Handgelenken an und schließt sie*
Sylvius: So.
Sziedeyna: Fühlst du dich jetzt sicherer?
Sylvius: ...
Sziedeyna: Sylvius?
Sylvius: Äh, ja...
Sziedeyna: Was ist denn? Hilft es dir nicht?
Sylvius: Doch, ja...
Sziedeyna: Aber?
Sylvius: Verdammt, wieso bist du so?
Sziedeyna: Wieso bin ich wie?
Sylvius: So...
Sziedeyna: So?
Sylvius: *atmet tief durch*
Sylvius: Die Fesseln... sie... sollten helfen, dich gefangen zu nehmen. Draußen wartet ein Wachmann der Garde. Aber... verdammt!
Sziedeyna: Oh, und jetzt zögerst du, ob du mich an die Wache übergibst?
Sylvius: Wie kannst du immer so ruhig bleiben und alles so blumig kommentieren?
Sziedeyna: So bin ich eben. Was passiert, passiert.
Sylvius: Ist es dir denn egal, was passiert? Mit dir, mit deinen Opfern?
Sziedeyna: Nein.
Sylvius: Sondern?
Sziedeyna: Es ist mir nicht egal, meist jedenfalls. Das betrifft beide, mich und meine... Opfer, wie du sie nennst.
Sylvius: Aber du machst den Eindruck, als nämst du alles mit Leichtigkeit.
Sziedeyna: Nun, was soll ich tun? Soll ich dich aufhalten? Soll ich dich töten? Soll ich um meine Existenz betteln? Soll ich den Wachmann anflehen? Soll ich dich bitten, mir doch noch zu helfen?
Sylvius: Ja, vielleicht irgendwas davon.
Sziedeyna: Nein.
Sylvius: *stutzt*
Sziedeyna: Also was beliebst du zu tun?
Sylvius: *nimmt ihr die Fesseln ab*
Sziedeyna: Oh.
Sylvius: Ich werde dem Wachmann suggerieren, dass ich dich gefangen hätte, wie es der Plan war. Und wenn er dich in Gewahrsam nehmen will, weil er glaubt, du seist gefesselt... mach mit ihm, was du willst.
Sziedeyna: Hm.
Sylvius: Ja?
Sziedeyna: Gut.
Sylvius: Du bist wirklich eine...
Sziedeyna: Eine?
Sylvius: Das klären wir hinterher.

Sylvius stand aus dem Bett auf und wies Sziedeyna an, sich vor ihn zu stellen, mit den Armen auf dem Rücken verschränkt. Dann liefen sie beide zur Tür und Sylvius signalisierte dem Wachmann mit den Worten "Ich habe sie!", dass alles nach Plan lief. Daraufhin öffnete er langsam die Tür und schob Sziedeyna, die sich hilflos stellte, aus dem Haus dem Wachmann zu. Dieser grinste genüsslich und kommentierte: "Na, wen haben wir denn da?" Sziedeyna schaute traurig zu Boden und wirkte resigniert. Der Wachmann sagte daraufhin: "Ich übernehme diese Mörderin! Danke für den Hinweis und die Zusammenarbeit, Bürger!" Aber kaum wollte er Sziedeyna packen, schlang sie sich um seinen Körper und ließ ihre blitzschnell ausgefahrenen Vampirzähne in seinen Hals gleiten. Mit einer Hand zog sie dem Wachmann seinen Dolch aus der Scheide und rammte ihn ihm in die Seite. "Du wirst gar nichts mehr tun", flüsterte sie ihm noch leise ins Ohr. Sie verging sich noch eine Weile an ihm, während ihr Sylvius entsetzt zuschaute. Danach glitt der leblose Leib schlaff zu Boden. Sziedeyna wendete den Blick befriedigt mit blutbeschmierten Lippen zu Sylvius: "Jetzt müssen wir ihn nur noch begraben, aber dafür haben wir ja genug Platz hier." Sie grinste frech. Ihre Zähne waren rot vor Blut und ihre Vampirzähne noch immer ausgefahren. Sylvius nickte nur sprachlos und half ihr dann bei der Entsorgung der Leiche.

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