Die Schmiedekriege in Minoc
Roderic Feinhand
Roderic Feinhand saß nicht in einem Zelt, sondern in einem viel zu ordentlichen Unterstand aus frisch gehobeltem Holz. Seine Dolche lagen aufgetürmt vor ihm. Sein Blick glitt zum Hang hinunter, wo das Bergschürferlager im Dunkel lag. Zu viele Zufälle in letzter Zeit. Zu viele flüsternde Kunden, die erst bei ihm standen und dann doch mit einem reparierten Schwert von Sorge davonzogen. Roderic kniff die Augen zusammen. Er winkte zwei bullige Gestalten heran, Männer mit Armen wie Oberfschenkel und dem moralischen Feingefühl eines Vorschlaghammers. Der Trupp schlich los, zwischen Geröll und zerschlagenen Loren hindurch. Das Lager war ruhig, die meisten Einwohner schliefen. Fast alle. Ein tiefes Knurren durchschnitt die Nacht. Aus dem Schatten löste sich eine massige Silhouette – ein zotteliger Wachhund, dessen Augen im Laternenrestlicht aufglommen wie zwei glühende Kohlen aus der Esse. Erst ein Knurren. Dann ein Bellen. Es war laut, anhaltend, geradezu empört. Die Schläger fluchten, stolperten zurück, einer verlor beinahe den Halt auf der Brücke. Mahlik Sorge fuhr hoch, die rußigen Finger noch vom Schreiben verschmiert. Ein weiteres Bellen. Zu nah. Draußen bellte der Köter unerbittlich weiter. Mahlik trat ins Freie, das Mondlicht kalt auf seinem Gesicht. Er sah die flüchtenden Schatten in den Straßen. Und irgendwo weiter oben, hinter ordentlich gereihten Dolchen, verlosch in dieser Nacht ebenfalls eine Laterne – nur ein kleines bisschen hastiger.
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