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Die Suche in Cove [Streiter für das Reich]

Chad Jipitie

Der Abend kroch langsam über die steinernen Bastionen von Cove, als ich durch das schwere Torhaus trat. Die Garnisonsstadt schmiegte sich wie eine Klammer an den Fels des Gebirges, ihre Straßen in enge Terrassen geschnitten, die sich den Hang hinaufwanden. Einfache Gebäude aus grob bearbeitem Holz die sich dicht an dicht und an den Berg schmiegen, als hätte man die Stadt aus dem Fels herausgeschält statt sie gebaut. Überall das Klirren von Rüstungen, das Bellen von Befehlen, der rhythmische Schritt patrouillierender Soldaten.

Keine gemütliche Stadt. Aber genau der richtige Ort für jemanden, der sich unter Kämpfern unsichtbar machen wollte.

Ich zog meinen Umhang enger und ließ meinen Blick über die belebte Hauptstraße schweifen, die sich in einem langen Bogen den Hang hinaufschlängelte. Den Mann, den ich suchte, hatte ich beim Kommandanten nur kurz gesehen – groß, eine Narbe quer über das Kinn, gut versteckt unter einem auffälligen Bart, dunkle Augen die nichts verrieten. Nicht viel, womit man in einer Garnisonsstadt voller hartgesottener Soldaten jemanden suchen konnte.

Der erste Halt war Der Graue Fels, eine Taverne auf halber Höhe des Berges, direkt an der breiten Treppenstraße die zur oberen Festungsebene führte. Das Lokal war vollgestopft mit Soldaten die ihren Dienst beendet hatten, laut, verqualmt, der Lärm hallte von den nackten Steinwänden wider. Ich bestellte einen Krug und lehnte mich unauffällig an die Theke.

„Habt ihr in letzter Zeit einen fremden Kämpfer hier gesehen?", fragte ich den Wirt, als er in meine Nähe kam. „Groß, Narbe am Kinn, versteckt unter einem Bart. Kein Soldat, aber vom Typ her einer von uns."

Der Wirt wischte den Tresen ab ohne aufzublicken. „Hier kommen jeden Tag Fremde durch. Söldner, Boten, Reisende."

Ich legte eine Münze auf den Tresen. Seine Hand blieb kurz auf dem Tuch liegen.

„Vielleicht war da gestern einer. Hat in der Ecke gesessen, allein. Ist den Aufstieg weitergegangen, Richtung Hammerschlag – das ist die Taverne oben auf der zweiten Ebene, gleich neben der Wachkaserne."

Den Hammerschlag fand ich nach einem beschwerlichen Aufstieg über ausgetretene Steinstufen. Von hier oben konnte man über die gesamte Stadt hinabblicken, die sich in Terrassen den Hang hinunterzog wie die Stufen eines riesigen Amphitheaters. Im schwächer werdenden Licht wirkten die Dächer und Festungswerke fast malerisch.

Drinnen war die Stimmung rauer als unten. Ältere Soldaten, erfahrene Kämpfer, weniger Gerede. Eine Frau hinter dem Tresen musterte mich mit dem Blick jemanden, der gelernt hatte Fremde schnell einzuschätzen.

„Den Mann mit dem auffälligen Bart?" Sie stellte einen Krug vor mir ab ohne dass ich etwas bestellt hatte. „War heute Morgen hier. Hat nach dem Kommandanten gefragt und nach dem Zugang zur oberen Festung." Sie nickte in Richtung der massiven Steintreppe am Ende der Gasse. „Da oben sitzt das Hauptquartier. Wenn ihr ihn sucht, würde ich dort anfangen."

Ich ließ Bezahlung auf dem Tresen und trat wieder in die kühle Bergluft hinaus. Der Wind pfiff zwischen den Zinnen und trug den Geruch von Rauch und Kiefer mit sich. Irgendwo über mir, hinter den schweren Mauern der oberen Festungsebene, war der Mann den ich suchte einem ähnlichen Ziel nachgegangen wie ich.

Ich begann den letzten Aufstieg.

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