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Der Aufstieg [Streiter für das Reiche]

Chad Jipitie

Die letzten Stufen zur oberen Festung brannten in den Oberschenkeln, nicht weil sie ihn wirklich erschöpften, sondern weil er sie im Laufschritt genommen hatte. Die Nacht war kurz gewesen. Ein paar Stunden auf einer harten Pritsche im Grauen Fels unten am Hang, dann hatte ihn ein Gerücht aufgeweckt, das er von einem betrunkenen Patrouillenreiter aufgeschnappt hatte. Worte, die er nicht einfach hatte liegen lassen können.

Er verlangsamte seinen Schritt als er die oberste Ebene erreichte und ließ den Atem ruhig werden, ehe er sichtbar wurde. Alte Gewohnheit.

Was ihn als erstes traf, war das Licht. Die Morgensonne stand bereits klar über dem Gebirgskamm und warf ihr Licht direkt auf die Brüstung neben der Treppe, wo ein Mann lehnte und in die Ferne blickte. Polierte Plattenbeine fingen das Licht auf wie Spiegel, goldener Schmuck blitzte an den richtigen Stellen. Eine Erscheinung, die man in einer schlichten Garnisonsstadt eigentlich nicht erwartete.

Dann fiel sein Blick auf den Bart.

Er kannte diesen Bart. Markant, gepflegt, unverwechselbar in einer Welt voller nachlässig rasierter Soldaten. Er hatte ihn damals beim Kommandanten nur kurz gesehen, aber dieser Bart war das Erste gewesen, was ihm aufgefallen war. Zusammen mit den ruhigen Augen eines Mannes, der zuhörte bevor er sprach.

Er blieb kurz stehen, musterte die Situation. Der Mann an der Brüstung hatte ihn bereits bemerkt, ihr Blick traf sich für einen Moment, und in diesem Moment wusste er, dass auch Paranax in seinem Gesicht irgendetwas erkannte.
Er trat die letzten Schritte heran, blieb in einem respektvollen Abstand stehen und nickte knapp. Kein ausgestreckter Arm, keine große Geste. Soldaten und Kämpfer seines Schlages brauchten das nicht.

„Wir müssen reden." Der Blick war direkt, ohne Dringlichkeit in der Stimme, aber mit dem Gewicht von jemandem, der wusste was er sagte. Er wandte den Kopf leicht in Richtung der breiten Steintreppe, die zurück nach unten führte.
„Der Hammerschlag ist um diese Stunde noch ruhig. Ich gebe einen aus."

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