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Re: Nachbarinnen

Annara Taugrund

Annara hatte in der vergangenen Nacht lange wach gelegen. Ihre Gedanken kreisten wie ein aufgescheuchter Spatzenschwarm in ihrem Kopf. Seit sie vom Hof freigestellt worden war, hatte sie plötzlich viel zu viel Zeit – und viel zu wenig Gewissheit. Früher war jeder Tag von Aufgaben erfüllt gewesen: Kleider ordnen, Nachrichten überbringen, Gespräche belauschen, ohne es merken zu lassen. Jetzt blieb ihr nur noch das Beobachten.

Und Britain war eine Stadt voller Dinge, die sich beobachten ließen.

Das Haus neben der Villa Auenstein beschäftigte sie besonders. Es war nicht nur still – viele Häuser waren still. Es war seltsam. Die Fensterläden blieben stets geschlossen, selbst an den schönsten Tagen. Kein Rauch stieg aus dem Kamin. Kein Lieferant klopfte an. Und doch… manchmal, tief in der Nacht, hatte Annara eine Gestalt gesehen, die die Tür öffnete und lautlos in die Straßen glitt.

Annara wusste natürlich, dass sie sich vermutlich nur etwas einbildete. Britain war groß, voller Fremder und merkwürdiger Gewohnheiten. Aber manchmal fragte sie sich doch, ob in diesem Haus etwas verborgen lag, das nicht ans Tageslicht gehörte.

Vielleicht eine Hexe. Vielleicht eine Spionin. Oder – und bei diesem Gedanken zog sie die Decke ein Stück höher – etwas noch Unheimlicheres... wie aufregend!

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