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Wilderer vor den Toren Elashinns

Lyr'sa Ky'Alur

Die Oberfläche lag still unter einem fahlen Himmel, dessen Licht durch die schroffen Felsen und knorrigen Baumkronen nur gedämpft bis zum Waldboden drang. Nahe dem Eingang nach Elashinn arbeiteten mehrere Sklaven unter Aufsicht der Jaluken. Äxte schlugen rhythmisch gegen Holz, Splitter flogen, während scharfe Befehle und das gelegentliche Knallen einer Peitsche die Luft zerschnitten. Das Holz wurde gebraucht – für Stützen, Feuerstellen und die vielen Werkstätten der Stadt.

Lyr'sa stand etwas abseits und beobachtete die Arbeit. Ihre Aufmerksamkeit galt weniger den Sklaven als der Umgebung. Die Oberfläche war nie wirklich sicher, selbst nicht hier, so nahe am Eingang zur unterirdischen Stadt.

Dann hörte sie Stimmen. Zunächst nur Leise. Gedämpft durch den Wald. Vertraut aber dennoch fremd.

Lyr'sa erstarrte. Für einen Moment dachte sie, einer der Sklaven hätte gesprochen, doch die Stimmen kamen aus einer anderen Richtung – tiefer aus dem Gehölz. Ohne ein Wort zu verlieren griff sie nach ihrer Armbrust, lud sie routiniert und schlich zwischen den Bäumen hindurch, den Körper tief gehalten, jeden Schritt bedacht gesetzt - oder so glaubte sie.

Die Stimmen wurden deutlicher. Eindeutig Menschen. Aber hier? Im Tal vor dem Zugang zu Elashinn? Hier verirrten sich sonst nur die Verzweifelstens oder Ahnungslosesten her.

Bald darauf sah sie eine kleine Gruppe, vielleicht fünf oder sechs Menschn. Sie bewegten sich durch das Unterholz und sammelten Holz und 2 von Ihnen trugen ein geschossenes Reh – eindeutig Wilderer. Fremde auf diesem Land, das ihnen nicht gehörte. Lyr'sa blieb verborgen zwischen Farn und Wurzeln und beobachtete sie.

Doch etwas stimmte nicht. Diese Männer waren zu entspannt, zu laut für eine kleine Jagdgruppe. Also folgte sie ihnen weiter. Geduckt, Schritt für Schritt durch das Gestrüpp.

Sie stiegen den Hang im Wald herab und bald überblickte Sie von einer Anhöhe das Lager der Menschen im Tal unter sicht. Es war nicht gut verborgen. Sie hatten ein Feuer gemacht, und eine Rauchsäule stand über dem Lager.

Dann Sah sie es... Zelte, Feuerstellen, Vorräte – und Menschen. Viele Menschen. Zwanzig mindestens. Viele bewaffnet. Natürlich mit Bögen oder Armbrüsten, einige Speer, Spieße, Schwerter...
Einige reparierten diese Waffen, andere saßen am Feuer oder schärften Messer. Es war keine kleine Jagdgruppe. Es war eine Bande.

Lyr'sa verzog das Gesicht.

Mit den paar Jaluken bei den Sklaven würde sie diese Männer nicht besiegen können. Und eigentlich sollten sie hier nur Holz schlagen – nicht Kriege führen.

Also tat sie das Vernünftigste, was ihr einfiel. Sie drehte sich um und rannte. Zurück durch den Wald, zwischen Wurzeln und Steinen hindurch, bis sie wieder das rhythmische Hacken der Äxte hörte. Sie rief den Jaluken einige knappe Befehle zu, ließ die Sklaven weiterarbeiten und machte sich ohne weiteres Zögern auf den Weg zum Eingang nach Elashinn.

Dort würde sie Bericht erstatten.
Sollten sich Tath'raen und Rhylszarr darum kümmern. Vielleicht sogar Tylg'ryrr.

Schließlich hatte sie ihnen allen mehr als genug Waffen geschmiedet.

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