Der Keller unter Lyr'sas Haus war erfüllt vom vertrauten Klang von Metall auf Metall. Zwischen Amboss, Werkzeugen und halbfertigen Konstruktionen saß sie auf einem niedrigen Hocker und arbeitete konzentriert an einer groben Ork-Maske aus Eisenblech und Pappmaché. Die Esse glühte warm, der Geruch von Ruß und erhitztem Metall lag in der Luft. Für Lyr'sa war das ein beruhigender Ort. Hier ergab die Welt Sinn. Dinge zerbrachen, wurden geschmolzen, gehämmert und wieder zusammengesetzt. Am Ende entstand etwas Nützliches. Tath'raen stand auf der letzten Stufe. Er war vollständig gerüstet, wie so oft. Doch was Lyr'sa wirklich innehalten ließ, war das Blut. Seine weißen Haare klebten in dunklen Strähnen an seinem Gesicht, rote Schlieren zogen sich über Wangen und Kinn, als hätte er versucht, es hastig abzuwischen. Die Platten seiner Rüstung glänzten ölig im Licht der Esse, und von den Kanten tropfte es langsam zu Boden, wo sich bereits eine kleine Pfütze bildete. Es war nicht sein Blut. Mit einer Stimme, die beinahe gleichgültig klang, sagte er nur: Dann löste er die Axt von seiner Schulter und warf sie vor ihre Füße. Das schwere Blatt schlug dumpf auf dem Steinboden auf. „Sie muss wieder geschärft werden.“ Ohne eine weitere Erklärung, ohne abzuwarten, drehte er sich bereits wieder um und ging die Treppe hinauf. Die schweren Schritte entfernten sich langsam, bis schließlich nur noch das leise Knistern der Esse übrig blieb. Lyr'sa blieb einen Moment reglos sitzen. Dann blickte sie auf die Axt zu ihren Füßen. Sie war ihm dankbar. Sehr sogar. Immerhin hatte er sich um das Problem gekümmert, das sie selbst entdeckt hatte. Und offenbar gründlich. Trotzdem blieb ein merkwürdiges Gefühl zurück. Ein leichtes Unbehagen darüber, dass er sich so lautlos bis zu ihr hatte schleichen können, während sie hier unten gearbeitet hatte. Normalerweise bemerkte sie alles. Und dann war da noch etwas anderes. In den letzten Tagen hatte sie Tath'raen häufiger im Tempel gesehen. Nicht allein. Diese neue Gefährtin – eine Priesterin oder zumindest eine sehr eifrige Dienerin Lloths – sprach lange mit ihm. Sehr lange - viel zu lange. Lyr'sa verzog leicht den Mund. Vielleicht bildete sie sich das nur ein. Vielleicht auch nicht.
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