[Dokumentation: Klassenaufstieg] D'nilok del Lloth - Mord im Badehaus
Tath'raen
Der Plan hatte sich in Tath’raens Gedanken viele Male wiederholt, bevor er ihn schließlich ausführte. Jeder Schritt war bedacht, jeder Handgriff vorbereitet. Als er das Badehaus von Elashinn betrat, war er nicht länger er selbst. Der Trank hatte seine Gestalt verändert, hatte ihn in einen schmächtigen Diener verwandelt, dessen Rücken sich automatisch krümmte und dessen Blick den Boden suchte. Ein schwacher Körper für eine starke Tat, dachte er, während er seine Sachen in einen Spind legte und sich umsah. Die Priesterin Vhaelyra war leicht zu erkennen. Sie ließ ihre Stimme wie eine Peitsche durch den Raum fahren und beschimpfte eine Bedienstete, weil ihr Wein fehlte. Ungeduldig, herrisch, voller jener Selbstverständlichkeit, die nur jene besaßen, die glaubten, unantastbar zu sein. Tath’raen griff nach einem Tablett mit Trauben und einer Flasche Wein, während seine Gedanken ruhig blieben. Bwael. Die Zeit ist gekommen. Mit gesenktem Kopf näherte er sich der Priesterin, verbeugte sich tief und reichte ihr die Flasche. Sie griff danach, ohne ihn eines zweiten Blickes zu würdigen, und nahm sofort einen langen Schluck. Er kroch beinahe vor ihr her, so wie es ein Diener tun musste. Seine Stimme klang gedämpft, unterwürfig, als er ihr Trauben anbot und die üblichen Schmeicheleien murmelte. Vhaelyra reagierte mit derselben Mischung aus Arroganz und Gleichgültigkeit, die Tath’raen erwartet hatte. Sie wies ihn zurecht, ließ ihn verstummen und befahl ihm schließlich, sie zu massieren. Gehorsam eilte er zu den Ölen, doch während seine Hände über Flaschen glitten, mischte er unauffällig ein anderes „Öl“ in eine weitere Weinflasche. Ein unscheinbarer Tropfen in einem Meer aus süßem Duft. Latrodectus, dachte er ruhig. Als er zurückkehrte, legte er seine Hände auf die Schultern der Priesterin und begann sie zu massieren. Vorsichtig, absichtlich schwach, als wäre er wirklich der kümmerliche Diener, den seine Illusion darstellte. Vhaelyra beklagte sich prompt über die mangelnde Kraft in seinen Händen. Tath’raen entschuldigte sich gehorsam, während er weiterarbeitete. In Wahrheit beobachtete er nur ihren Atem, ihre Bewegungen, das stetige Leeren der Flasche. Langsam lockerte sich ihre Haltung. Sie griff nach Trauben, seufzte zufrieden und ließ sich tiefer ins Wasser sinken, während seine Hände von den Schultern zu ihren Beinen wanderten. Tath’raen bemerkte das erste leichte Schwanken ihrer Stimme. Mit ruhiger Stimme schlug er schließlich vor, die Sauna zu besuchen, um die Kälte des Wassers auszugleichen. Vhaelyra stimmte sofort zu. Der Wein hatte sie warm und träge gemacht, und der Gedanke an noch mehr davon gefiel ihr offensichtlich. Als sie verlangte, dass er eine neue Flasche bringe, griff Tath’raen nach der präparierten und führte sie durch die dampfgeschwängerten Gänge bis zur Sauna. Die Tür schloss sich hinter ihnen mit einem dumpfen Laut, und sofort legte sich die schwere Hitze um ihre Körper. Vhaelyra nahm die Flasche entgegen und trank, ohne zu zögern. Tath’raen goss Wasser auf die heißen Steine, und ein zischendes Geräusch erfüllte den Raum. Dampf wallte auf und verschluckte viele andere Geräusche. „Ein sehr guter Jahrgang“, murmelte die Priesterin benommen. „Latrodectus“, antwortete Tath’raen ruhig. „So nennt man dieses Aroma.“ Sie lallte nur noch undeutlich und stellte keine Fragen mehr. Der Wein floss weiter in ihren Körper, während die Hitze der Sauna das Gift beschleunigte. Ihre Augen wurden schwer, ihre Bewegungen träge.„Schwarze Witwen sondern es ab“, erklärte Tath'raen beinahe beiläufig, während er noch einmal Wasser auf die Steine goss. Die Priesterin blinzelte verwirrt. „Müüüde bin ich…“ „Es wirkt schnell“, sagte er leise. „Vor allem in erhitzten Körpern.“ Vhaelyra wollte etwas erwidern, doch ihre Lippen bewegten sich nur noch lautlos. Ihr Körper kippte langsam von der Bank und rutschte auf den Boden der Sauna. Ihr Brustkorb hob und senkte sich schwer, als würde jede Bewegung mehr Kraft kosten als die letzte. Tath’raen seufzte leise. „Gebt euch dem hin“, murmelte er. „Dann geht es schnell.“ Die Augen der Priesterin schlossen sich. Für einen Moment stand er einfach nur da und sah auf sie herab. Du wurdest auserwählt, dachte er. Nicht ich habe dich gewählt. Die Spinnenkönigin tat es. Dann griff er in eine Wandnische und zog die große Axt hervor, die dort für das Holz der Sauna lag. Anschließend streifte er Lederhandschuhe und eine Schürze über, während sein Blick ruhig blieb. „Nun zu dem nicht mehr so entspannten Teil des Wellnessprogramms“, sagte er trocken. Die Priesterin zuckte noch einmal schwach, als seine Klinge ihre Haut öffnete. Doch ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr. Das Gift hatte bereits gewonnen. Tath’raen arbeitete ohne Hast. Die Hitze der Sauna ließ Schweiß über seine Stirn laufen, während er das tat, was notwendig war. Schließlich hielt er das Herz der Priesterin in den Händen. Für einen Moment betrachtete er es schweigend. Dann lächelte er kalt. „Ach, malla Yathrin“, murmelte er leise „du bist die erste in einer langen Reihe.“
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