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[Dokumentation: Klassenaufstieg] D'nilok del Lloth - Die Ettin-Seuche

Tath'raen

Der Gestank der Höhle hing schwer in der Luft, als Tath’raen sich tiefer in das natürliche Gefängnis der Berge bewegte. Feuchtigkeit kroch an den Wänden herab, sammelte sich in kleinen Rinnsalen und tropfte unaufhörlich auf den unebenen Boden. Vor ihnen lag der Rivvil, zusammengekauert, sein Körper gezeichnet von der Krankheit, die bereits in ihm arbeitete. Die Ettin-Seuche hatte ihn verändert. Seine Haut spannte sich unnatürlich, seine Atmung war schwer, unregelmäßig, als würde jeder Atemzug gegen Widerstand kämpfen. Tath’raen blieb einen Moment stehen und betrachtete ihn. Ein Werkzeug, dachte er ruhig. Neben ihm bewegte sich Zynrae mit kühler Präzision, ihre Augen musterten den Gefangenen wie ein Experiment, das seinen Zweck erfüllen sollte. Lyr’sa hielt sich im Hintergrund, wachsam, während die Schatten der Höhle sich um sie legten. Ohne viele Worte machten sie sich an die Arbeit. Die Fesseln wurden angelegt, nicht sanft, sondern unangenehm fest. Der Rivvil reagierte kaum, sein Geist bereits halb verschlungen von dem, was in ihm wuchs. Tath’raen packte ihn, zog ihn auf die Beine, spürte das schwache Zittern seines Körpers. Er wird nicht lange durchhalten, stellte er fest, doch das spielte keine Rolle. Er musste nur lange genug leben, um die Seuche zu verbreiten. Gemeinsam führten sie ihn aus der Höhle hinaus in die kalte Bergluft.

Der Weg nach Cove war lang, doch sie bewegten sich schnell und zielgerichtet. Die Nacht lag über den Bergen, und nur das leise Knirschen ihrer Schritte auf losem Gestein begleitete sie. Tath’raen hielt den Rivvil fest, zwang ihn weiterzugehen, während seine Gedanken ruhig blieben. Eine Krankheit für ein Dorf, dachte er. Das wird der Göttin gefallen. Zynrae ging voraus, ihre Sinne wachsam, während Lyr’sa den Rücken sicherte. Es war ein sauberer Ablauf, beinahe routiniert — bis sie die Soldaten entdeckten. Die Gruppe lagerte unweit des Pfades, ein kleines Feuer flackerte zwischen ihnen, ihre Stimmen gedämpft, doch unachtsam. Rivvil - Bewaffnet, aber entspannt. Tath’raen blieb stehen und hob leicht die Hand. Die anderen hielten inne. Ein kurzer Blickwechsel genügte. Es gab keine Diskussion. Zeugen sind Schwäche, dachte er. Sie bewegten sich gleichzeitig. Lautlos lösten sie sich aus den Schatten. Zynrae war die Erste, deren zuschlug. Seine Klinge glitt durch die Kehle des nächsten Soldaten, noch bevor dieser den Kopf vollständig heben konnte. Ein dumpfes Geräusch, ein erstickter Laut — dann Stille. Zynrae ließ Magie aufflammte, kalt und präzise, die einem Rivvil das Leben nahm, bevor dieser verstand, was geschah. Lyr’sa bewegte sich schnell, effizient, ihre Bolzen tödlich. Der Kampf dauerte nur Augenblicke. Als es vorbei war, lagen die Körper reglos im schwachen Licht des Feuers. Tath’raen wischte seine Klinge sauber und blickte sich kurz um. Keine Bewegung und keine Zeugen - Gut. Ohne ein weiteres Wort nahmen sie ihren Weg wieder auf. Der Rivvil wurde weitergezerrt, sein Zustand verschlechterte sich mit jedem Schritt, doch er lebte noch.

Cove lag ruhig vor ihnen, umgeben von seiner schlichten Mauer. Ein unbedeutender Ort und genau deshalb geeignet. Tath’raen betrachtete die Mauern einen Moment, dann griff er nach dem Enterhaken. Mit geübter Bewegung ließ er ihn über die Mauerkante schnellen. Das Seil spannte sich. Zynrae war bereits neben ihm. Ohne Zögern begann er zu klettern, spürte das raue Seil in seinen Händen, die vertraute Anstrengung in den Muskeln. Oben angekommen zog er sich lautlos über die Kante und ließ sich auf der anderen Seite hinab. Zynrae folgte ihm, ebenso lautlos. Gemeinsam zogen sie den Rivvil nach. Sein Körper war schwer geworden, unkooperativ, doch schließlich lag er hinter der Mauer, verborgen im Schatten der Taverne. Der Ort war still. Nur gedämpfte Geräusche drangen aus dem Inneren des Gebäudes, nichts, was Aufmerksamkeit erregen würde. Tath’raen kniete sich neben den Rivvil und löste die letzten Fesseln. Für einen Moment betrachtete er ihn. Der Atem ging stoßweise, unregelmäßig. Die Krankheit arbeitete nun offen, ohne Widerstand. Jetzt beginnt es, dachte er. Er richtete sich auf und trat einen Schritt zurück. Es brauchte keine weiteren Worte. Der Rivvil war frei. Frei, das zu tun, wofür sie ihn hierhergebracht hatten. Zynrae beobachtete die Szene mit ruhiger Aufmerksamkeit, als würde sie bereits die Folgen berechnen. Tath’raen hingegen wandte sich ab. Die Tat war vollbracht.

Die Rückkehr erfolgte so schnell wie der Angriff. Magie griff nach ihnen, verzerrte Raum und Wahrnehmung, und im nächsten Augenblick standen sie wieder in Elashinn. Die vertrauten Schatten der Stadt legten sich um sie, als wäre nichts geschehen. Tath’raen atmete ruhig aus und ließ den Blick kurz durch die Dunkelheit wandern. Ein Dorf wird fallen und niemand wird wissen, warum.

Ein herzliches Dank an Zynrae und Lyr'sa, die mit mir diese Ingameszene als "Drow-Ninjas" ausgespielt haben. Ebenso ein herzliches Dank an unser Seer-Team, die von der Sache Wind bekommen haben und spontan die Wachen koordinierten, damit es nicht ganz so einfach war.

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