Online: 10

Ruhe vor dem Sturm

Shenia Damotil

Ruhig stand sie an der Reling und beobachtete das Treiben an Bord. Es war eine ruhige Eile, die an Bord herrschte. Und dann war da diese Frau. Sie lag dort ruhig im Wasser. Mit einem Lächeln auf den Lippen dachte sie zurück an ihren letzten Tauchgang. Eine innere Ruhe breitete sich in ihr aus. Immer weniger der sie umgebenden Geschäftigkeit erreichte sie. Den Blick einzig auf das Wasser gerichtet, folgte sie dem Treiben dort draußen. Sie konnte es spüren, wie die Stränge sich zusammenzogen. Die Macht an der gezogen wurde. Den Strudel aus Magie der das Wasser einem Willen unterwarf. Und dann zog es Ancanagar in die Tiefe.

Sie folgte den Strängen noch etwas, doch mit jedem Meter den die Frau hinabtauchte, würde dieser dünner und schwächer. Und ihr Blick reichte nicht tief genug hinab um dem Treiben unter Wasser zu folgen. Es war Wahnsinn, dass Ancanagar diesen Weg gewählt hatte. Der Druck der dort unten auf ihr lastete musste unmenschlich sein. Sollte sie die Kontrolle über ihr Konstrukt verlieren. Nun dann würde man jemand anderen hinab senden müssen. Sie schüttelte leicht den Kopf über diese Leichtsinnigkeit. Nein sie würde nicht diesen Fehler begehen und gegen die Elemente aufbegehren. Vielleicht war dies ja auch der Grund, dass sie nur einen Armstumpf hatte. Ein Närrin die sich unbedarft mit Kräften misst, die sie weder versteht noch beherrscht. Was Arveleh wohl in ihr sah, dass er sie mit auf die Reise nahm und sie zuerst auf den Boden schickte? War sie entbehrlich? Nun in gewisserweise war dies wohl jeder in seinem Umfeld.

Nein. Es musste etwas anderes sein. Wie lange stand sie nun schon hier? An Bord ist eine seltsame Ruhe eingekehrt. Sie blickte sich kurz um, die Mannschaft hatte seine Arbeiten erledigt und wartete nun auf neue Befehle. Einige schauten auch auf das Wasser hinaus. Dort wo vor einiger Zeit Ancanagar untergetaucht war. Sie schüttelten den Kopf, als wäre es vergebens noch zu warten. Einer rieb seinen goldenen Ohrring und sie taxierte ihn genauer. Er war kräftig, doch der Blick dort hinaus verriet seine Angst die er vor dem Meer hatte. Ja der Ring sollte die Bezahlung für ein Begräbnis sein, sollte er jemals den Tod hier auf dem Meer finden und ans Land gespült werden. So war es Brauch.

Ihr Gedanke wurde unterbrochen, als sie deutlich das Ziehen der Macht spüren konnte, wie sich der Raum bog und dann um die Rune am Mast herum verdichtete. Shenia atmete scharf ein. Diese Magierin hatte es geschafft und überlebt. Doch als sie Ancanagar betrachtete, diese zusammengekauerte Gestalt, noch durchnässt von ihrem Ausflug und auf ihre Hand starrte, da musste die Magierin kurz auflachen.

Dies war alles was sie mitbrachte? Was für eine Verschwendung von Zeit und Macht für eine handvoll Schlick.

Beiträge in diesem Thread