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Zwischen Blitz und Flamme

Zynrae Ky'Alur

Eine gleichmütige Miene hatte sich über Zynraes Gesicht gelegt. Reglos verharrte sie in sicherem Abstand zur Rivvil. Sie würde keinesfalls näher an sie heranrücken, als unbedingt notwendig. Ein Rümpfen ihrer Nase verriet ihren Unmut, als der beißende Geruch trotz des weiten Abstandes an ihre Nase drang. Diese Rivvil schien Bäder zu meiden, als wären sie ihr Tod. Dabei hatte diese hier eines bitter nötig. Allein dieser Umstand bestärkte Zynrae in ihrem Entschluss, die Angelegenheit möglichst schnell zu beenden. Nicht aus Grausamkeit, sondern aus schlichter Notwendigkeit. Und wenn sie ehrlich war, auch um ihrer eigenen Nase willen.

„Blitz oder Feuer?“, fragte sie schließlich mit ruhiger, beinah beiläufiger Stimme. Ein Hauch von Interesse schwang darin mit. Zynrae schätzte diese kleine Geste, den Sterbenden zumindest die Wahl ihres Endes zu lassen. Es war eine Form von Respekt, so gering er auch sein mochte. Beide Optionen versprachen ein rasches Ende. Ein kräftiger elektrischer Schlag würde die ohnehin schwache Rivvil vermutlich augenblicklich töten: schnell, sauber und ohne unnötiges Leid.
Und doch überraschte es sie immer wieder, dass manche das Feuer wählten. Als würden sie sich selbst die Gnade eines schnellen Todes verwehren wollen. Als wäre Schmerz eine Art Buße, ein letzter Akt der Reue für begangene Taten.

Zynrae war es egal, Hauptsache, es ging schnell. Sie bot zwei Wege, die beide zum gleichen Ergebnis führten. Ein letzter Tribut an das Leben, den eigenen Tod wählen zu können.

Da die Rivvil jedoch nicht auf ihre Frage antwortete, sondern wirres Zeug von sich gab, wiederholte Zynrae ihre Frage. War diese Rivvil vielleicht dem Wahnsinn verfallen? In diesem Fall würde sie wohl selbst die Entscheidung fällen müssen. Schade eigentlich, sie war doch gespannt auf die Antwort gewesen.

Doch vorerst wartete sie ab. Lyrsa schien ihre Worte zu glauben. Aber Zynrae zweifelte sehr stark daran, denn weder ihre Ausdrucksweise noch ihr Verhalten ließen ihre Geschichte wahr erscheinen. Dies wurde ihr besonders deutlich, als sie mit ihrer Ilharess zu einem späteren Zeitpunkt den Kerker betrat. Daher schwieg Zynrae. Jedes ihrer Worte wäre verschwendet gewesen. Und letztendlich spielte es auch keine Rolle, was sie dachte. Über Wahrheit oder Lüge entschied allein die Ilharess.

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