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Die Fremde vor dem Tor

Thorian D'Ulferan

Während ich vor der Villa Auenstein damit beschäftigt war, die neu gesetzten Laternen zu befestigen und den Boden darum herzurichten, wurde ich von einer Dame angesprochen, die sich später als Sziedeyna vorstellte. Zunächst hielt sie mich wohl lediglich für einen Handwerker, doch unser Gespräch entwickelte sich rasch darüber hinaus.

Sie schien Lady Loretta gut zu kennen und erklärte, dass die beiden erst vor Kurzem Freundinnen geworden seien. Da Loretta und ich uns ebenfalls seit längerer Zeit kennen, ergab sich rasch ein gemeinsames Gesprächsthema. Sziedeyna wohnt sogar in unmittelbarer Nachbarschaft zur Villa, was mir bisher gar nicht aufgefallen war.

Die Dame erwies sich als ausgesprochen neugierig. Sie wollte wissen, wer ich bin, was ich tue und weshalb ich nach langer Zeit wieder begonnen habe, mich mit Waffen und Kampfkunst zu beschäftigen. Nachdem sie mir freundlicherweise etwas Bier gebracht hatte, kamen wir näher ins Gespräch.

Zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass auch sie eine geübte Kämpferin ist. Sie zeigte mir ihr Schwert, welches von guter Qualität war, wenn auch etwas unausgewogen. Ihren Erzählungen zufolge verdient sie ihren Lebensunterhalt damit, schwer zugängliche oder verlorene Gegenstände zu beschaffen. Nicht selten führen ihre Aufträge sie auf alte Friedhöfe oder an Orte, an denen Untote ihr Unwesen treiben. Eine ungewöhnliche Tätigkeit, doch sie scheint ihr Handwerk zu verstehen.

Im Verlauf unseres Gesprächs erzählte ich ihr von meinen Beweggründen, erneut zur Waffe zu greifen. Seit meiner Rückkehr nach Britain fällt mir auf, wie wenige Recken und Abenteurer noch bereit sind, Verantwortung für das Land zu übernehmen. Die Menschen scheinen gleichgültiger geworden zu sein. Nachrichten über Gefahren verbreiten sich kaum noch, und selbst der kürzlich zurückliegende Überfall auf Minoc wurde vielerorts kaum beachtet. Diese Entwicklung bereitet mir große Sorgen.

Auch die Erinnerung an vergangene Zeiten wurde wach, als wir über die Lords of War sprachen. Ich berichtete ihr von den alten Konflikten und davon, dass es einst Helden gab, die Britain von deren Herrschaft befreiten. Gerade deshalb halte ich es für notwendig, vorbereitet zu sein, falls erneut dunkle Zeiten anbrechen sollten. Denn wer sonst...

Sziedeyna hörte aufmerksam zu und bot schließlich an, gemeinsam mit mir zu trainieren. Da auch sie schon länger keinen ernsthaften Übungspartner mehr hatte, schien uns beiden dieser Vorschlag willkommen. Wir vereinbarten, uns künftig regelmäßig zu gemeinsamen Übungen zu treffen.

Im Anschluss führte ich sie zu meinem Haus im Ostviertel der Stadt an der Küste. Dort zeigte ich ihr meine Werkstätten, die Küche, den Wohnbereich sowie den Keller. Nebst der Neugierde an meiner Häuslichkeit, zeigte sie auch ehrliches Interesse an meinen handwerklichen Tätigkeiten und äußerte sogar den Wunsch, möglicherweise selbst eines Tages ein Handwerk zu erlernen. Insgesamt schmeichelte es mir sehr.

Obwohl an ihr manches ungewöhnlich wirkt – ihre Vorliebe für das Barfußgehen, ihre manchmal eigentümliche Art, mit wenig Worten viel sagen zu wollen, und ihre oft schwer zu deutenden Reaktionen –, machte sie auf mich keinen verschlossenen Eindruck. Im Gegenteil. Sie erschien mir höflich, zielstrebig und durchaus fähig.

So endete ein Abend, der mit einem Freundschaftsdienst begann und mit der Aussicht auf eine neue Bekanntschaft sowie einen zukünftigen Trainingspartner schloss. Ich bin gespannt, was die kommenden Begegnungen mit dieser Dame noch hervorbringen werden.

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