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Unter dem Schleier des Offensichtlichen

Yllaria

Erleichterung durchflutete die Waldelfe, als sie den Wolf aus dem Wald auf die Gruppe zulaufen sah. Für einen Moment rückte die angespannte Stimmung zwischen Are’vin und Nathan in den Hintergrund und machte purer Freude Platz. Mit schnellen Schritten überwand sie die Distanz zu ihm und kniete sich hin, bis ihre Köpfe auf einer Höhe waren. Sanft strich sie über seine Ohren und kraulte das dichte Fell an seinem Hals.

„Wo warst du nur? Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht. Hast du nach deinesgleichen gesucht?“

Ihre melodische Stimme trug in jeder Silbe ihre Zuneigung. Garou war ebenso wie Be'ryll so eng mit ihrem Gefühl von Zuhause verbunden, dass seine längere Abwesenheit etwas in ihr aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Erst jetzt, da er wieder vor ihr stand, wurde ihr bewusst, wie sehr sie seine Nähe vermisst hatte. Lächelnd fuhr sie ihm ein letztes Mal über die Ohren und richtete sich wieder auf. Als ihr Blick über die Runde glitt, blieb das Lächeln auf ihren Lippen. Are’vin, Nathan, Be'ryll und Garou gemeinsam auf der Lichtung vor ihrem Haus boten ein durchaus bemerkenswertes Bild. Wenn als Nächstes eine Dryade aus dem Wald trat, würde sie das kaum noch überraschen. Leicht schmunzelte die Waldelfe.

Als sie einen Schritt auf Nathan zuging und sich neben ihn stellte, legte sich die Anspannung jedoch erneut über sie wie eine unsichtbare Glocke. Ihre Iphaldi reagierte unmittelbar auf die Veränderung ihrer Gefühle. Der fließende Stoff an ihrem Körper geriet in Bewegung, feine Tropfen lösten sich aus dem Gewebe und schwebten wie silbriger Nebel über der Oberfläche. Yllaria nutzte die Veränderung und ließ etwas mehr Mana durch die Iphaldi fließen. Unter ihren Füßen breitete sich ein sanftes grünes Leuchten aus. Gleichzeitig spürte sie das La unter sich, das in eine leichte Resonanz mit ihrer Magie trat. Das Rauschen der Bäume um sie herum wurde stärker und die Äste schienen sich ein wenig in ihre Richtung zu neigen.

Yllaria senkte die Stimme, versöhnlich weiterhin aber auch mit einer deutlichen Spur Warnung.

„Ich denke, wir sind uns einig, dass die hier Anwesenden weder Wölfe noch Schafe sind. Are’vin geht seiner Aufgabe nach den Wald zu schützen und respektiert selbstverständlich die Regeln der Gastfreundschaft.“ Bei diesem Worten hob sie herausfordernd die Augenbrauen und fixierte den Lichtelfen.

„Und ich wiederum sorge dafür, dass diese Regeln auch auf der Seite des Gastes eingehalten werden.“ Mit den letzten Worten verstärkte sie den Manafluss. Das grüne Leuchten unter ihren Füßen pulsierte nun im Rhythmus ihres Herzschlags. Dann streckte sie die Hand aus und strich Nathan mit einer leichten Bewegung über den Rücken, ein stilles Zeichen der Unterstützung und Zuneingung. Sie ließ ihr Gesicht wieder weich werden und schenkte Are’vin ein gewinnendes Lächeln.

Are’vin und Nathan wirkten auf den ersten Blick wie zwei Seiten derselben Medaille. Als ihr Blick jedoch wieder zu Garou und Be'ryll wanderte, schüttelte Yllaria leicht den Kopf. Hatte sich der Schleier des Offensichtlichen erst einmal gehoben, verbargen sich darunter oft ganze Welten.

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