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Stein für Stein

Baldric Serdask

Baldric war ein Mann, der in der Regel nicht viel redete, nur dann, wenn es wirklich notwendig war. Ansonsten freute er sich eher still an der Anwesenheit anderer und ging konzentriert seiner Arbeit nach. Er strebte nicht nach Anerkennung für seine Arbeit, nicht nach einem meisterlichen Stück, in das er tagelang all seine Mühe steckte, nur damit nachher irgendein reicher Schnösel sein Werk kaufte, der es nicht zu würdigen wusste und nach kurzer Zeit wieder das Interesse daran verlor. Oder noch schlimmer: Es landete an einer Wand oder in irgendeiner Truhe und staubte langsam ein.

Die alltäglichen Dinge, darauf kam es ihm an. Das Schwert eines einfachen Gardisten, das er etwas leichter und dennoch genauso stabil herstellen konnte, sodass der Dienst ein wenig leichter wurde. Der Esstisch einer Familie, dessen Holz die Erinnerungen vieler gemeinsamer Mahlzeiten auch noch nach Jahrzehnten in sich trug. Der schlichte, aber starke Stuhl, der Tag für Tag zuverlässig das Gewicht seines Besitzers trug. Das waren die Dinge, die er schaffen wollte. Dinge, die gebraucht wurden und ihren Platz im Leben der Menschen hatten.

Als er das erste Mal vor dem niedergebrannten Rathaus gestanden hatte, hätte er auch nicht gewusst, was er sagen sollte. Zu groß war die Zerstörung, die über die Stadt gekommen war. Verkohlte Balken ragten in den Himmel, überall lagen Steine und Schutt verstreut. Und was machten die Bürger? Sie machten alles nur noch schlimmer. Sie stritten, suchten Schuldige und redeten mehr, als dass sie anpackten. So waren die Menschen eben. Es würde lange dauern, das alles wieder aufzubauen.

Also war er gegangen und hatte sich den ganzen Blödsinn, den die anderen erzählten, gar nicht erst angehört.

Er machte sich keine großen Gedanken und arbeitete keinen bis ins kleinste Detail ausgeklügelten Plan aus. Stattdessen fing er einfach an. Nach der Arbeit lenkte er seine Schritte nicht wie üblich in die Taverne, um sich mit einem Ale und einer guten Mahlzeit zu belohnen, sondern stapfte zur Ruine, schnappte sich einen Eimer und eine Schippe und begann, den Schutt zu beseitigen. Stein für Stein, Eimer für Eimer. Er wollte einfach das tun, was sich richtig anfühlte.

Und so stellte sich ganz von allein eine neue Gewohnheit ein. Tag für Tag kehrte er nach Feierabend zum Rathaus zurück und half beim Aufräumen. Am Ende des Tages ging er zwar müder als sonst zu Bett, doch zugleich auch zufriedener.

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