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Band und Begierde

Thorian D'Ulferan

Als ich diesen Abend bei Sziedeyna einkehrte, war ich voller Vorfreude. Schon ihre Umarmung ließ mich verzücken. Sie servierte mir ein Amber Ale, das sie aufgrund der rötlichen Farbe auswählte. Doch schnell spürte ich, dass sie etwas beschäftigte. Sie fragte mich nach dem Blutsband, das wir in der vergangenen Nacht geglaubt hatten zwischen uns zu spüren. Als ich in mich hineinhorchte, musste ich enttäuscht feststellen, dass dieses überwältigende Gefühl verschwunden war.

Gemeinsam beschlossen wir, den Versuch zu wiederholen. Diesmal jedoch wirkte alles nüchterner. Als ich ihr Blut aus einer Phiole trank, geschah fast nichts. Ich begann zu glauben, dass es weniger das Blut als vielmehr die Einzigartigkeit des Momentes gewesen war, die uns verbunden hatte. Und die offenbar nicht sehr lange nachhallte. Wir überlegten die Bedingungen zu verändern, mehr Atmosphäre zu schaffen, die der des Vorabends ähnelte.

Um diesen besonderen Zauber wiederzufinden, schlug ich unseren Platz am Teich des Stadtparkes vor – ein Ort, der für uns beide bereits Erinnerungen trägt und mir mittlerweile bedeutungsvoller erschien als das Britainer Schloss! Nach einer Zeit der ungezwungenen Zweisamkeit entstand schliesslich der spontane Entschluss, gemeinsam zum Strand und im Meer schwimmen zu gehen.

Am Meer veränderte sich unsere Stimmung erneut. Das Wasser war kühl, doch Sziedeynas Nähe liess mich die Kälte beinahe vergessen. Wir beschlossen auf die Phiole zu verzichten, die ohnehin noch zuhause auf dem Tisch stand. Stattdessen bot sie mir an, ihr Blut unmittelbar aus ihrer bloßen Hand zu trinken. Mit einer Muschel schnitt sie sich in die Handfläche...

Nachdem ich ihre verletzte Hand an meine Lippen hob und von ihr kostete, veränderte sich alles! Es war, als würde sich etwas in meinem Inneren öffnen. Ich nahm ihren Duft intensiver wahr, ihre Nähe wurde überwältigend. Als sie sich an mich lehnte, fühlte ich, dass zwischen uns tatsächlich etwas entstanden war. Nicht bloß Einbildung – sondern eine Verbindung, die sich kaum in Worte fassen ließ. Sie war plötzlich nicht mehr nur neben mir, sondern schien ein Teil meines eigenen Ichs geworden zu sein.

Dann fragte sie mich, ob sie ebenfalls von meinem Blut kosten dürfe, und ich zögerte keinen Augenblick. Ich bot ihr meinen Hals an wie schon am Abend zuvor. Ihr Biss war sanft und voller Zärtlichkeit. Während sie mein Blut schmeckte, wurde unsere Nähe noch intensiver. Als sie mir schließlich ihre Liebe gestand, war jeder Zweifel verschwunden. Ich erwiderte ihre Worte aus tiefstem Herzen.

Unsere Zärtlichkeit wurde leidenschaftlicher. Ich verlor mich immer mehr in meinen Gefühlen und meinem Verlangen. Schließlich sprach ich unbedacht aus, dass ich sie jetzt wollte. Kaum hatte ich die Worte gesagt, merkte ich, wie sich etwas veränderte. Der Zauber zerbrach. Sziedeynas Blick wurde unsicher, und sofort erkannte ich, dass ich eine Grenze überschritten hatte. Tiefe Scham erfasste mich. Ich machte ihr keine Vorwürfe – im Gegenteil. Ich wusste, dass ich zu forsch gewesen war.

Als sie glaubte, sie könne mir so nun nicht mehr genügen oder ich würde sie nun als Enttäuschung betrachten, schmerzten mich diese Gedanken enorm. Für mich hatte sich nichts an meiner Liebe geändert. Ich wollte sie nicht wegen eines körperlichen Verlangens verlieren. Mir wurde klar, dass Begehren für uns unterschiedlich empfunden wurden. Trotz meiner Beteuerungen erbat sie sich Bedenkzeit und eine Gelegenheit, ihre eigenen Gefühle zu verarbeiten. So verliess Sziedeyna den Strand – allerdings in nordöstlicher Richtung, fort von Britain.

Ihre Reaktion, ihre Regung auf meine Berührungen waren so schön. Waren so echt. Nichts deutete daraufhin, dass irgendetwas nicht stimmte. War ich zu grob? Oder war ich zu zaghaft? Hätte ich nichts sagen, sondern einfach weitermachen sollen? Oder wäre jegliche Vorgehensweise in diesem abrupten Ende gemündet? Das waren die Fragen, die mir noch lange durch den Kopf gingen, während ich weiter Richtung Nordosten starrte – Sziedeyna war längst außer Sicht.

Als es mich dann doch zu frösteln begann trat ich den Heimweg an. Da kam mir der Gedanke, dass ich sie vielleicht auf dieser Ebene einfach nicht ausreichend anspreche. Möglicherweise kam Sziedeyna in diesem zärtlichen Moment auch eine Erinnerung hoch, die ihr Lustempfinden störte und für das sie sich schämte? Aber ist dies ein Grund, reißaus zu nehmen!? Aber was, wenn es an der Enttäuschung lag, die ich nicht in Gänze aus meinem Blick zu verbannen schaffte? Obwohl sie nicht Sziedeyna galt, sondern dem plötzlichen Abbruch.

Zuhause angekommen begab ich mich in das Obergeschoss. Ich betrachtete die neuen Fensterläden und Vorhänge, die ich anbrachte um das Tageslicht auszusperren. Aber durfte ich jetzt noch "Das Licht in der Dunkelheit" für Sziedeyna sein? Ich hoffe so sehr, sie überwindet das Ärgernis oder womöglich diese Scham, die sie getroffen hat, und kehrt wieder an meine Seite zurück, damit ich ihr meine unumstößliche Liebe beweisen kann, die auch ohne körperlichen Liebesakt als Stütze auskommt!

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