Nicht nur der Raum um sie herum, sondern auch ihr Geist war von Dunkelheit erfüllt. Während sie diesen Zustand anfangs eher gefürchtet hatte, suchte sie jetzt in jeder freien Minute danach. Seit der zweite Schatten in Form einer kristallinen, pechschwarzen Schlange die Verbindung zu ihr eingegangen war. Wie immer saß Zynrae am Ende eines langen Tages vor ihren Experimenten und las noch einmal die Ergebnisse des heutigen Tages. Nur eine einzelne Kerze erhellte den Raum. Behutsam schloss sie das Buch und ihre dunklen Finger fuhren über den Einband. Sie hob es vorsichtig an, als gäbe es kaum etwas Kostbareres und ihre Robe raschelte leise, als sie in einer fließenden Bewegung aufstand und es in das Bücherregal zu ihrer Linken stellte. Tage, die mit ihren Experimenten gefüllt waren, waren auch Tage, an denen sie kaum sprach. Auch heute hätte sie nicht sagen können, wann sie das letzte Mal ein Wort an jemanden gerichtet hatte. Sie war ganz in ihre Gedanken vertieft. Gedanken, die Antworten finden mussten. Und dennoch war ihr Körper voller Energie. Sie richtete den Blick auf die eisblauen Augen der pechschwarzen Schlange und erzeugte in ihrem Geist das Bild von Dunkelheit. Innerhalb weniger Augenblicke war der Raum von Finsternis erfüllt und keinerlei Geräusche drangen mehr an ihre Ohren. Einige Atemzüge lang genoss sie einfach diesen Zustand völliger Ruhe. Ihr Geist formte einen Zauber und der Raum um sie herum dehnte und zog sich wieder zusammen. Jetzt stand sie in ihrem Schlafzimmer. Auch dieser Raum bestand nur aus Dunkelheit, eine Kerze hatte sie hier schon seit Tagen nicht mehr entzündet. Routiniert griff sie in die obere Schublade ihrer Kommode und zog ihre Lederrüstung heraus. Sie streifte ihre Robe ab und zog sich das kühle Leder über. Wieder formte ihr Geist den Zauber und der Raum veränderte sich erneut. Die Drow stand am Eingang einer Höhle. Ihre violetten Augen waren ernst auf den Eingang gerichtet, als könnte sie die Dunkelheit, die sie gleich erwarten würde, mit ihren Augen durchdringen. Ihr eigener Schatten kräuselte sich leicht, dann trat ein schattenhafter Panther daraus hervor und positionierte sich neben ihr. Auch seine violetten Augen waren auf den Eingang gerichtet, bevor er sich gemeinsam mit der Drow in Bewegung setzte. Für das, was folgte, waren keine Worte notwendig. Beide verloren sich in Schatten und Blut. Es war ein einstudierter Tanz aus Magie, zerreißenden Zähnen und Klauen. Als auch ihr Körper zur Ruhe kam, dehnte die Drow den Raum wieder und stand allein am Rande eines kleinen Teichs mitten im Wald. Mit ihrem Erscheinen hatte sich auch der schwere Geruch nach Blut zwischen die Bäume gelegt. Es war ihr schlichtweg egal. Sie legte ihre Rüstung ab und glitt fast lautlos in das kalte Wasser. Sanftes Mondlicht tauchte die Umgebung in ein silbernes Licht. Ihr Blick ruhte auf der Wasseroberfläche und sie beobachtete, wie das Blut an ihr das Wasser langsam färbte. Plötzlich schien sich der Himmel zu öffnen und der Teich wurde zu einem Spiegel der Sterne, die sich über ihr ausbreiteten. Kurz legte Zynrae den Kopf in den Nacken und sah zu den Lichtern empor. Dann senkte sie den Blick wieder auf die Wasseroberfläche. Ihr Geist streckte sich zu ihrem Schatten aus und zwei Schlangen glitten daraus empor. Langsam wandten sie sich und fuhren zu ihren Armen empor. Auf der Seite mit dem Edelstein unter ihrer Haut wand sich die hellere der beiden. In diesem Licht wirkte der Rand ihrer Schuppen fast golden, genauso wie ihre Augen, die sie jetzt abschätzend musterten. Die Drow beachtete sie nicht, sondern streckte ihren Geist in Richtung ihres anderen Arms aus. Eisblaue Augen trafen auf ihre. Finsternis verdrängte innerhalb eines Atemzugs den leuchtenden Spiegel und hinterließ nur die Kälte des Wassers auf der Haut der Drow und überließ sie dem Sog ihrer eigenen Gedanken. Beiträge in diesem Thread
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