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Paranax von Kord
25.09.2026 23:06
zuletzt editiert: 25.09.2026 23:30
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Zwei Tage nachdem das Haus des Heilers in Cove den Flammen zum Opfer gefallen war, machte sich Paranax daran, die Arbeiter der Stadt bei den Aufräumarbeiten zu unterstützen. Viel war von dem Gebäude ja nicht geblieben.
Verkohlte Balken ragten schief aus dem schwarzen, verkohlten Geröll, dazwischen lagen zerbrochene Möbelstücke, halb verbrannte Bretter und allerlei Dinge, die einst zum täglichen Leben der Patienten und auch Heiler gehört hatten.
Was sich davon noch vernünftig bewegen ließ, wurde auf Wagen verladen und wurde weit außerhalb der Stadt in einem abgelegenen Waldstück entsorgt, wo sich bereits die ersten Haufen aus verbranntem Holz und anderem Unrat sammelten.
Paranax packte gerade gemeinsam mit zwei anderen freiwilligen Arbeitern vom Hafen, eines der verkohlten Betten an.
Das Holz knarrte unter dem Gewicht und gab schließlich mit einem trockenen Krachen nach. Vermutlich hatte darin wohl einer der Patienten gelegen, die während der letzten Tage vor dem Brand im Haus untergebracht gewesen waren.
Denn beim Anheben zerbarst ein unter dem Bett platziertes, kleines Tongefäß, das zwischen den verkohlten Brettern zum Vorschein kam.
Er hielt einen Augenblick inne und warf einen Blick nach links und rechts zu den anderen.
Die Arbeiter hatten nicht darauf reagiert und kümmerten sich bereits um das nächste Bett, nachdem es zerfallen ist bei der ersten Bewegung.
Das Zerbrechen interessierte wohl niemanden, da alles andere ohnehin schon zerstört war.
Dennoch lag zwischen den Scherben etwas, das im schwarzen Ruß beinahe unterging, eine schmale unscheinbare silberne Halskette.
An dieser Hing ein eigentlich viel zu großer, matter Stein, der beinahe farblos wirkte.
Also kein offensichtlich besonderes Schmuckstück, soweit Paranax das innerhalb kürzester beurteilen konnte. Er beugte sich knapp, unauffällig, hinab, hob die Kette zwischen zwei Fingern auf und wischte mit dem Daumen etwas von dem Ruß über dem Stein fort, ehe sie einfach in seiner Tasche verschwand.
Vielleicht hatte jemand sie einem Patienten abgenommen und dort verwahrt, vielleicht war sie schlicht mit anderem persönlichem Besitz unter das Bett geraten.
Für einen kurzen Augenblick schien darin etwas aufzublitzen, doch das hat er nicht mehr mitbekommen und die Arbeit ging weiter als sei nichts geschehen.
Bis zum Abend war das Haus weitgehend ausgeräumt. Er hatte sich also den ganzen Tag mit verkohltem Holz, Asche und schwerem Gerümpel herumgeschlagen und war nun dementsprechend froh, als er schließlich im Ankerstübchen saß und sich ein paar kühle Getränke zuführen konnte.
Der Fund, die Halskette, aus dem Haus war längst aus seinen Gedanken verschwunden.
Erst zu Hause holte er die Kette wieder hervor und legte sie zunächst achtlos auf den Esszimmertisch neben den Käse,
wo sie zwischen anderem Kleinkram liegen blieb. Dann ging er zu Bett und ließ die Nacht mit etwas Schwindel über sich hinwegziehen.
Es sollte noch ein Tag Arbeit vergehen, ehe Paranax sich wieder einmal dazu bequemte, seinem Äußeren die gewohnte Aufmerksamkeit zu schenken,
die es nach all der Arbeit wohl verdient hatte.
Als er schließlich nach vollzogener Körperpflege vor seinem Kleiderschrank stand, griff seine Hand beinahe automatisch, so wie immer nach denselben gewöhnlichen Stücken Kleidung und Schmuck, darunter auch seiner gewöhnlichen Goldkette. Während des Anlegens dieser unterbrach er sich jedoch kurz, denn sein Blick fiel zufällig auf das silberne Stück das noch immer neben dem Käse lag.
Er hob die Kette aufs, hielt sie mit dem Mittelfinger prüfend vor sein Gesicht und schmunzelte dabei.
Ein kurzes, sich zustimmendes Nicken, samt „Hm, schön schön.“, entwich ihm dabei.
Die Kette war schlicht. Der Stein in ihrer Mitte wirkte noch immer stumpf und unscheinbar, doch irgendetwas an dem Schmuck gefiel ihm.
Vielleicht war es gerade die Schlichtheit, diesmal einfach kein Gold. Vielleicht auch die Art, wie der Stein zwischen den silbernen Gliedern saß, wer weiß das schon.
Paranax betrachtete sich einen Moment im Spiegel, zuckte schließlich mit den Schultern und legte die Kette um.
„Ich sehe auch damit verdammt gut aus.“ Er schüttelte gespielt den Kopf, als wäre er selbst ein wenig davon genervt, wie gut ihm einfach alles stand was er anlegte.
Und so blieb die goldene Kette an diesem Morgen ganz einfach neben dem Bett liegen, ehe er sich aufmachte, seinen Verkaufsstand am Hafen mit Fellen und allerlei seltsamen Tierüberresten zu öffnen.
Denn wer deckt schließlich den Tisch?