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Leise Stimme im Sturm

Melion

Etwas war... falsch. Meine Stimme sie hallte wider und war weit weg. Die bekannten Pfade um die Taverne herum - unbekannt.
Es war einfach so verwirrend und es fehlte die Melodie, das Lachen, die gewobenen Geschichten. Es war als blicke man auf den Schattenwurf neben sich, der den eigenen Bewegungen folgte, jedoch nicht mich selbst widerspiegelt, sondern Jemanden oder Etwas der lange zuvor da war - oder erst deutlich später kommen würde.
So als sänge man sein liebstes Lied, doch die Stimme, die Worte und die Melodie wären total fremd und passten nicht zueinander. Es verwirrte mich... und bereitete Furcht.

Ich folgte dem Weg weiter, Schritt um Schritt. Das innere Gespür für Orte, für Richtungen, ausgeprägt auf den langen Reisen, die ich als fahrender Spellude bewanderte, schrie laut, dass ich längst am ersehnten Ziel hätte ankommen müssen.
Das Ziel von dem ich mir immer noch nicht eingestehen wollte, dass es mit einem Wort zu beschreiben wäre, welches ich für mich auf all meinen Reisen abgelehnt hatte: Heimat.
Die Taverne... Bareti, all die neuen und vor allem teils unglaublichen Geschehnisse - ein unerschöpflicher Quell neuer Lieder und Erzählungen - hatten das nach Freiheit und Wanderschaft strebende Herz binden können.

Die Gedanken schweiften zurück, immer mühsamer war es sich voranzubewegen, da das Ziel ja schon längst hätte erreicht sein sollen. Was passierte hier nur?! Erinnerungen von Personen und Wesen überall um mich herum - und doch war niemand da. Die zwei ledernen Instrumententaschen, die ich mit mir führte schaukelten leicht bei jeden Schritt hin und her, rieben gegeneinander. Was sonst von selbst einen Takt ergeben sollte, war dissonant und so chaotisch dass ich es weder in Lyrik, noch in Musik zu beschreiben in der Lage wäre. Ich wollte einfach nur raus aus dem Wahnsinn und... heim.

Urplötzlich nahm ich wahr, wie meine Hand sich auf etwas Kühles legte. Vertraute Form, Substanz, Dichte und... der Klang der Hoffnung? Ich blinzelte und nahm die Tür nun erst wahr - die Hand die ohne bewusstes Zutun versuchte die Verriegelung zu öffnen.
Bitte... lass mich den Ort erreicht haben... einen Ort... in einer Zeit... da, wo ich meine Spottlieder wieder singen, die Herzen der Damenwelt für mich gewinnen kann und einfach wieder im Lauf der realen Geschichte von Geschichten künden darf.

Die letzte Kraftanstrengung war zäh und sie zehrte an meiner gar eigenen Existenz: Stück um Stück öffnete sich der Spalt und ich blickte in den Schankraum, erkannte Zuflucht, erkannte... Realität und erblickte Türkis.

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