Der Abend hatte sich wie ein dunkler Mantel über Minnersbach gelegt. Die Straßen waren still, nur das leise Flackern der Laternen spiegelte sich in den Fenstern der Häuser. In seinem Heim, unweit der Schmiede, saß Ramires Vasai und wartete. Nicht ungeduldig, sondern mit der Gelassenheit eines Mannes, der seine Entscheidungen bereits getroffen hatte. Ein leises Klopfen an der Tür kündigte Callandra ni’Dulana an. Sie trat ein, ruhig, gesammelt, mit dem selbstbewussten Auftreten einer Frau, die wusste, warum sie gerufen worden war. Kein Atemzug zu viel, kein Schritt zu hastig. Genau so, wie es zu ihr passte. Ramires erhob sich und nickte ihr knapp zu. “Komm“, sagte er nur, und sie folgte ihm ohne ein weiteres Wort. Gemeinsam gingen sie durch die nächtlichen Gassen, bis sie die Stadt hinter sich ließen. Vor ihnen lag das unberührte Land, das bald das neue Hauptquartier der Lords of War beherbergen sollte. Der Mond warf ein blasses Licht über die Fläche, als wolle er selbst Zeuge dieses Moments sein. Ramires blieb stehen, die Hände auf dem Rücken verschränkt. “Hier“ begann er ruhig, “wird unser neuer Sitz entstehen. Ein Ort, der Stärke ausstrahlen soll. Ordnung. Beständigkeit.“ Er wandte sich zu Callandra um, sein Blick scharf wie frisch geschliffener Stahl. “Und du wirst dafür sorgen, dass dieser Ort Form annimmt.“ Ramires erklärte ihr die Aufgabe mit der Klarheit eines Mannes, der keine Zweifel duldete. Seine Worte waren ruhig, doch jeder Satz trug das Gewicht einer Entscheidung, die längst gefallen war. Callandra hörte aufmerksam zu, während er ihr die Verantwortung übertrug, die nun auf ihren Schultern ruhen würde. Sie sollte sich um die Beschaffung aller benötigten Materialien kümmern, von den ersten Balken bis hin zu den feineren Werkzeugen, die für den Aufbau des neuen Hauptquartiers unverzichtbar waren. Ebenso lag es an ihr, die passenden Handwerker auszuwählen, sie einzuteilen und anzuleiten, damit jeder Handgriff den Ansprüchen der Lords of War gerecht wurde. Darüber hinaus würde sie den gesamten Bau beaufsichtigen... jeden Fortschritt, jede Verzögerung, jede Entscheidung, die vor Ort getroffen werden musste. Nichts sollte seiner Aufmerksamkeit entgehen, und nichts sollte ohne ihr Wissen geschehen. Und schließlich, vielleicht der wichtigste Teil: Sie würde Ramires regelmäßig Bericht erstatten. Über das, was getan wurde, über das, was noch bevorstand, und über alles, was den Weg der Gilde beeinflussen könnte. “Du wirst mir regelmäßig berichten“, fügte er hinzu. “Über alles, was geschieht. Über das, was getan wurde und das, was getan werden muss.“ Während Ramires ihr ihre Aufgaben erklärte, schossen Dutzende Gedanken gleichzeitig durch Callandras Kopf. Materialien und Werkzeuge? Kein Problem. Handwerker? Hier würde ihr Bargomar Starkarm (ein in der Schuld der Familie stehender zwergischer Steinmetz) zu Diensten sein. Letztendlich war sie zwar kein Baumeister, aber Ungosch verfügte über einschlägige Kenntnisse, er würde sie fraglos unterstützen. Sie nickte Ramires langsam zu und meinte nur kurz: “die Handwerker müssen in Minnersbach unter dem Schutz der Lords stehen, das ist unabdinglich. Um alles andere werde ich mich selbst kümmern.“ Ramires betrachtete sie einen Moment lang, als würde er prüfen, ob sie die Last dieser Aufgabe wirklich tragen konnte. Dann sprach er mit jener ruhigen Gewissheit, die ihn auszeichnete: “Ich bin überzeugt davon, dass du dieser Aufgabe gewachsen bist. Sonst hätte ich sie dir nicht übertragen.“ Ein Hauch von Wind strich über das Gras, und für einen Augenblick schien die Welt still zu stehen. Callandra verneigte sich leicht. Ramires drehte sich um und ging zurück in Richtung Stadt, sein Schritt fest, sein Schatten lang im Mondlicht. Hinter ihm blieb Callandra stehen, den Blick auf das Land gerichtet, das nun unter ihrer Verantwortung lag. Ein neuer Abschnitt für die Lords of War... und für sie selbst. Beiträge in diesem Thread
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