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Die Ewige Nacht von Minnersbach

Bargomar Starkarm

Die Ewige Nacht von Minnersbach
In den schattigen Tälern des Reiches, wo die Wälder wie Wächter aus uraltem Stein aufragten, lag Minnersbach – der unerschütterliche neue Sitz der Lords of War.
Hier, unter dem bleichen Mondlicht, thronte die aufstrebende Festung, ein Monument aus Granit, das die Macht der Lords verkünden sollte. Ihr Baumeister war Bargomar Starkarm, ein Hüne von einem Zwerg mit Armen wie Eichenstämmen und einem Bart, der von unzähligen Goldperlen geschmückt war.
Als Ältester seines Clans hatte er unzählige Bauwerke errichtet und nun erlebt er die endlose Nacht des Bauens.

Es war Mitternacht, als Bargomar seine Runde begann. Der Wind flüsterte durch die Gerüste, trug den Geruch von feuchter Erde und verfaultem Fleisch mit sich. Unter ihm wimmelte es von Arbeitern – oder dem, was man als solche bezeichnen konnte.
Die Untoten, ein Heer aus Skeletten, Zombies und Mumien, schufteten unaufhörlich. Sie waren das Werk der Nekromanten der Gilde IX, jener verborgenen Gemeinschaft, die aus den Schatten der Unterwelt schöpfte. Mit dunklen Ritualen hatten sie die Toten geweckt, ihre Seelen an Fäden aus Nekromantie gebunden, um sie zu willenlosen Dienern zu machen.
Kein Lohn, kein Schlaf, kein Murren – nur der stumme Trott der Verdammten.

Bargomar schritt die Baustelle ab, seine Stiefel knirschten auf dem Kies. Vor ihm ragten die Mauern empor, höher als je zuvor. Skelette hämmerten Steine in Position, ihre Knochenfinger klapperten rhythmisch wie ein makabres Orchester. Zombies schleppten Lasten, die ein lebender Mann kaum stemmen könnte, ihre faulenden Glieder tropften von der Anstrengung.
Und die Mumien, die Wächter unter den Untoten, huschten wie Schatten umher, ihre bandagierten Körper flinker als man es von Toten erwarten würde.
"Es geht immer weiter", murmelte Bargomar in die Nacht, seine Stimme ein Grollen wie ferner Donner. Die Nekromanten der Gilde IX hockten in ihren Roben am Rand der Baustelle, ihre Augen glühten in unheiliger Magie. Sie flüsterten Beschwörungen, die die Untoten antrieben, ein Netz aus grünlichem Nebel, das über dem Gelände lag. Kein Untoter durfte ruhen;
die Festung musste vor dem übernächsten Vollmond fertig sein.
Plötzlich ein Klappern – ein Skelett, dessen Knochen von der endlosen Arbeit morsch geworden waren, brach zusammen. Seine Rippen fielen auseinander wie ein Kartenhaus, und der Schädel rollte in den Staub. Bargomar hielt inne, seine Hand am Griff seines Hammers. Doch bevor er eingreifen konnte, war eine Mumie da. Mit bandagierten Fingern, die wie Spinnweben wirkten,
setzte sie die Knochen neu zusammen. Ein Flüstern, ein Funke dunkler Energie – und das Skelett erhob sich wieder, als wäre nichts geschehen. Es griff nach seinem Werkzeug und baute weiter, stumm und unermüdlich.
Bargomar nickte anerkennend. "Gut gemacht, ihr Schattenweber", rief er den Nekromanten zu. Einer von ihnen, ein hagerer Mann namens Damon Sa`di, neigte den Kopf. "Die Gilde IX dient, Meister Starkarm. Die Toten kennen keine Müdigkeit, nur Gehorsam."
Doch in dieser Nacht lauerte etwas Unerwartetes. Als Bargomar tiefer in die Baustelle vordrang, wo die Fundamente der inneren Türme gelegt wurden, spürte er eine Unruhe. Ein Zombie, dessen Augen ungewöhnlich hell glühten, hielt inne und starrte ihn an. War das ein Funke von Leben? Von Erinnerung? Die Nekromantie der Gilde war mächtig, aber nicht unfehlbar.
Gerüchte flüsterten von Seelen, die sich wehrten, die in den Untoten schlummerten und auf Rache warteten.
Ein weiteres Skelett brach zusammen, diesmal mit einem lauten Knacken. Die Mumie eilte herbei, doch bevor sie es reparieren konnte, zerfiel ein Dutzend weiterer. Bargomar zog seinen Hammer. Pyros! Was ist das für ein Fluch?"
Der Nekromant eilte herbei, seine Robe flatterte. "Ein Aufbegehren... die Seelen der Gefallenen aus dem letzten Krieg. Sie spüren die Nähe des Vollmonds und wehren sich!"
Die Baustelle erwachte zum Chaos. Untote wandten sich gegeneinander, Skelette griffen Mumien an, Zombies stöhnten in vergessener Qual. Bargomar schwang seinen Hammer, zerschmetterte rebellische Knochen. "Haltet sie! Die Festung muss stehen!"
Die Nekromanten intonierten einen mächtigen Zauber, ein Wirbel aus Dunkelheit, der die Untoten erneut band. Langsam kehrte der stumme Trott zurück. Die Mumien reparierten die Gefallenen, eines nach dem anderen. Als der Morgen graute, war die Ordnung wiederhergestellt, doch Bargomar wusste: Die Toten mochten stumm bauen, aber ihre Seelen flüsterten von Rebellion.
Von da an wachte Bargomar nicht nur über den Bau, sondern auch über die Schatten der Vergangenheit. Minnersbach würde triumphieren – nicht durch Feinde von außen, sondern durch die Geister, die es selbst geweckt hatte. Und so ging es weiter, unaufhörlich, in der endlosen Nacht des Reiches.

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