[Dokumentation: Klassenaufstieg] D'nilok del Lloth - Malla Lloth zuerst
Tath'raen
Ich stellte mich vor Berg'inyon und senkte den Blick. Sie trat näher, ihre Schritte ruhig, beinahe lautlos, und ließ ihren Blick kurz über die Wachen und den Raum gleiten, bevor er wieder auf mir ruhte. Dann setzte sie sich mit einer kontrollierten Bewegung auf eine Bank, ihren Stab neben sich, und bedeutete mir mit einer knappen Geste zu sprechen. Ich begann von den Träumen zu erzählen, vorsichtig, als würde ich mit jedem Wort einen weiteren Schritt in ein unbekanntes Netz setzen. Ich berichtete vom Biss der kobaltblauen Spinne, davon, wie die kleinen Tiere über meinen Körper krochen und wie die große bis zu meinem Auge geklettert war, bis ich schweißgebadet erwachte. Beim zweiten Mal hatte ich sie am Friedhof gesehen. Usstan glaubte, es sei ein Zeichen gewesen. Sie hörte zu, ohne mich zu unterbrechen. Ihr Gesicht blieb ruhig, doch ihre Augen arbeiteten. Als ich von der Krypta erzählte, wie ich hinabgestiegen war und schließlich vor dem Lich stand, nickte sie nur leicht. Ich schilderte, wie ich Magier und Priesterinnen geholt hatte, wie wir die Gruft versiegelt hatten und wie kurz darauf die Yochlol erschienen war. Berg'inyon sprach erst, als ich geendet hatte. Ihre Stimme blieb leise, kontrolliert, als würde sie jedes Wort sorgfältig abwägen. Sie fragte, wem meine Treue galt — der Herrin Jhea oder der Herrin Lloth. Ich blickte kurz zur Seite, prüfte instinktiv den Raum, und antwortete dann so leise, dass es eher ein Hauch als ein Wort war: "Malla Lloth zuerst, die Ilharess danach." Verrat. Ein schmales Lächeln legte sich auf ihr Gesicht, weich, aber nicht warm. Sie nahm die Peitsche zur Seite und musterte mich einen Moment lang. Sie sprach davon, dass meine Wahl ungewöhnlich sei, dass viele anders antworten würden. Gleichzeitig erkannte sie an, dass ich Disziplin zeigte — die Art von Disziplin, die einem Jaluk in jungen Jahren eingehämmert wird. Während sie sprach, stand sie auf und ging langsam um mich herum. Ihre Finger berührten kurz meine Schulter, als würde sie prüfen, ob ich aus dem Material bestand, das sie erwartete. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Dann sprach sie offener. Wenn die Zeichen stimmten, sagte sie, dann habe Lloth mich ausgesucht. Nicht nur als Krieger oder Diener, sondern als etwas anderes. Sie sprach davon, dass mein Samen eines Tages ein neues Haus begründen könnte; ihr Haus. Das war ihr Preis, wenn sie mir bei meinem Aufstieg half. Die Worte trafen mich jedoch schwerer als jede Drohung. Es war eine Ehre — aber auch eine Last. Sie warnte mich gleichzeitig, dass ein Fehltritt nicht nur den Tod bedeutete. Es gab schlimmere Wege für einen Drow, der versagte. Der Name Drider fiel nicht, doch der Schatten dieses Schicksals hing unausgesprochen zwischen uns. Ich schluckte und nickte langsam. Schließlich erklärte sie, dass sie mich ausbilden wolle. Nicht aus Freundlichkeit, sondern aus Zweck. Wenn Lloth wirklich ihre Hand über mich gelegt hatte, dann würde ich lernen müssen — kämpfen, denken, dienen. Vielleicht, sagte sie, würde die Herrin mir eines Tages sogar mehr gewähren, wenn ich mich als würdig erwies. Ich verneigte mich tief und küsste die kleine Obsidian-Spinne an ihrem Stab. Als ich mich wieder erhob, fühlte sich mein Körper schwerer an, als hätte sich unsichtbares Gewicht auf meine Schultern gelegt. Es hatte begonnen. Berg'inyon verabschiedete sich schließlich mit einer knappen Bewegung der Hand und wandte sich zum Gehen. Ihre Schritte entfernten sich langsam, bis sie im Gemurmel des Hauses untergingen. Ich blieb noch einen Moment stehen und sah ihr nach. In der Stille, die sie zurückließ, schmeckte ich Wachs und Rauch in der Luft. Dann drehte ich mich um und ging in die entgegengesetzte Richtung. Der Weg vor mir war schmal geworden, ein Grat zwischen Ehre und Untergang. Überleben würde nicht genügen. Ich muss nützlich sein. Beiträge in diesem Thread
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