Dieses verlockende Rascheln im Gebüsch. Die blassgrünen Katzenaugen fixierten die vermeintliche Beute, die sich dort zu verbergen suchte. Eng an den Waldboden gedrückt, die krallenbewehrten Läufe unter den kräftigen Körper gezogen verharrte die große Raubkatze reglos im Unterholz. Nach kurzem, geräuschlosem Rütteln des Hinterleibs schnellte sie aus der Deckung. Die Katzensinne ließen alles um sie herum deutlich verlangsamt geschehen. Sie erblickte das aufgeschreckte Kaninchen, daß ihre ausgestreckten Vorderläufe deutlich verfehlen würden. Sie wurde dem ungastlichen Dornengestrüpp gewahr, dessen Lage, direkt in ihrer Flugbahn bisher keine Aufmerksamkeit zuteilgeworden war. Sie spürte den dumpfen Schlag beim Aufprall auf etwas, bei dem es sich nicht um Waldboden handeln konnte. Dann eine Verschiebung der Wahrnehmung, des Denkens, des Seins. Kälte. Verletzlichkeit. Langsamkeit. An den Boden gedrückt huschten die Blicke verängstigt umher, das kehlige Fauchen klang wenig vertraut. Sie kannte diesen Ort aus ferner Vergangenheit, aber das Empfinden, ihre ganze Erscheinung war fremd. Allmählich wurde sie der Veränderung ihrer Gestalt gewahr. Der Elfenkörper war dürr, nackt und wenig wehrhaft. Ihre Katzengestalt hatte sie wieder freigegeben. Wie lange sie wild im Wald gelebt hatte, war nicht zu ergründen, aber die Umgebung schien ihr mitteilen zu wollen, dass seitdem einige Bäume herangewachsen waren. In gewohnter Weise bewegte sie sich vorsichtig auf allen vier Extremitäten flach an den Waldboden gedrückt. Eine nicht greifbare Geborgenheit ging von einem Kreis gewaltiger Steinstelen aus, in dessen Inneren sie sich niederließ. Eng zusammengekauert, wie sie es in ihrer bisherigen Gestalt gewohnt war, entglitt sie langsam der Realität. Erst Finsternis, dann gleißendes Licht, aus dem sich nur langsam schemenhafte Umrisse lösten. Ein mächtiger Kreis aus Materie. Darin vier Erscheinungen, lodernd, wogend, wehend, tragend. Im Zentrum zwei Gestalten, einander fixierend. Eine Elfe und eine Katze. Geist und Körper. Kontrolle und Chaos. Ein beständiges Ringen um Vorherrschaft, Willen und Handeln. Dann ein Aufbäumen, ein Sturm, lodernd, wogend, wehend, tragend, der sich über die zwei Gestalten legt. Verschmelzung, Versöhnung, Vervollständigung. Zögernd ließ sie die blassgrünen Katzenaugen wieder vom Licht des Hains durchfluten. Für eine kurze Weile war sie erfüllt von Ausgeglichenheit, doch die Blöße ihrer ungewohnten Gestalt ließ sie, von einem Kälteschauer durchzogen, auffahren. Noch unsicher bei der Fortbewegung auf nur zwei Beinen, wandelte sie vorsichtig umher. Undeutliche Schatten aus der Ferne der Zeit, eilten in den Augenwinkeln vorüber. Trübe Erscheinungen vergangener Geschehnisse, die noch immer an diesem Ort nachklangen. Wesenhafte Silhouetten schritten vorbei und leise formten Sa’shiyas Lippen einzelne Silben. Sefina. Dejan. Seth. Dann eine schmerzliche Leere, ein Abgrund des Missens drückte sie wie eine ungreifbare Last zu Boden. Kniend, sich krümmend von lähmender Trauer lehnte sie am Stamm einer gewaltigen Eiche. Die entrückte Vertrautheit dieses Ortes überladen mit längst Vergangenem überwältigte alles in ihr. Doch so, wie sie mit dem Hain in Verbindung stand, spürte auch der tiefe Zauber die Verbindung mit ihr. Der belastende Strom der Erinnerungen verlor an Deutlichkeit, verflüchtigte sich in wehendem Nebel. Aus weichem Moosflaum am Fuße des mächtigen Baumes stieg ein Bündel empor. Darin, in frisches Laub gehüllt eine fein bestickte Gewandung, deren Symbole von alten Verbindungen kündeten. Die Andeutung eines dankbaren Lächelns huschte über ihr Gesicht als sie den fröstelnden Leib in das Kleid hüllte. Die feinen Risse, die ihre kräftigen Krallen beim Ankleiden hinterlassen hatten, entlockten ihr ein leises Seufzen. Sich ihrer selbst unvertraut, die Kraft und Fürsprache alter Begleiter herbeisehnend verblieb sie am Fuße der Ureiche. Still auf Verbundene hoffend und leise singend: A’dao sanya ehli’ja, di asha thar’biahn, Sanyasala, feyiama Leh’dha mandra! Bha thar’tala kariél salar Tjahlf! Beiträge in diesem Thread
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