Schatten über Cove
Ein Brief an die Stadtverwaltung Coves
An die Stadtverwaltung Coves, Es reicht. Bei allen Göttern, es reicht nun wirklich. Ich schreibe dies nicht aus Neugier oder Sensationslust, sondern weil ich nicht länger zusehen kann, wie hinter unserer eigenen Taverne Dinge geschehen, die man eher aus den schlimmsten Geschichten über verfluchte Sümpfe oder verdorbene Magie kennt. Vor eingen Tagen tauchte dieser Mann auf – halb verhungert, fiebrig, und schon damals nicht mehr ganz… eins. Man hätte ihn fortschicken sollen. Oder zumindest bewachen. Stattdessen ließ man ihn einfach dort liegen, im Schatten der Holzfässer, als wäre er nur ein weiterer Säufer, der seinen Rausch ausschläft. Doch dieser Mann ist kein Säufer. Er spricht. Ständig. Und niemals allein. Seine Stimme bricht, spaltet sich, widerspricht sich selbst. „Ich bin bereit!“ ruft er – und im selben Atemzug fleht etwas aus ihm: „Aber ich nicht!“ Es ist, als würden zwei Seelen in ihm ringen, und keine davon gehört mehr vollständig in diese Welt. Sein Körper folgt diesem Wahnsinn. Ich schwöre es bei meinem Namen: Unter der Haut an seinem Nacken zeichnet sich bereits etwas ab. Eine Wölbung. Etwas, das wächst. Gestern hat er meinen Jungen angefallen. Mein eigener Sohn, der nichts weiter tat, als mit seinen Freunden am Steg zu spielen. Der Mann stürzte sich auf ihn wie ein Tier, biss ihn – biss ihn! – bevor die anderen Kinder ihn mit Steinen vertreiben konnten. Mein Junge - mein armer Tomas - liegt nun im Bett, fiebrig, zitternd… und heute Morgen hat er im Schlaf gesprochen. Mit zwei Stimmen. Und als wäre das nicht genug: Einer seiner Freunde wurde ebenfalls gebissen. Dieser Junge ist fort. Einfach verschwunden. Niemand weiß, wohin er gelaufen ist oder wen er als Nächstes anfällt. Wenn das hier keine Seuche ist, dann weiß ich nicht, was eine sein soll. Und wenn niemand handelt, dann wird Cove bald mehr als nur einen dieser… Zweiköpfigen haben. Tut endlich etwas. Bevor wir es nicht mehr können. Gordon - Steinmetz Beiträge in diesem Thread
|