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Ein Thron und verborgene Makel - (der Preis ist die Verantwortung)

Lyr'sa Ky'Alur

In ihrer Werkstatt stehend betrachtete Lyr'sa die gesammelten Maße, die sie sich unter nicht ganz unproblematischen Umständen beschafft hatte. Es war kein perfektes Ergebnis, das wusste sie selbst nur zu gut. Doch es war ausreichend, um daraus etwas zu erschaffen, das der Ilharess würdig sein musste. Ein leises „Oh nau...“ entwich ihr. Weniger aus Zweifel als vielmehr aus der schieren Erkenntnis darüber, was dieser Auftrag bedeutete, und dass es hier nicht nur um blankes Handwerk, sondern um Präzision, um Wirkung und darum ging, dass jedes Detail am richtigen Platz sein musste.

Sie begann mit dem Holz. Sie wählte sorgfältig die Stücke aus, prüfte die Maserung, Stabilität und das Gewicht, als würde sie das Material selbst um Erlaubnis bitten, Teil des Werkes zu werden. Jeder Schnitt, jeder Zug mit dem Hobel saß bedacht, jeder Span, der fiel, war das Ergebnis ruhiger, kontrollierter Bewegungen, die man ihr auf den ersten Blick vielleicht nicht zugetraut hätte. Der Rahmen des Thrones nahm langsam Form an, erst grob, dann immer feiner ausgearbeitet. Sie glättete Kanten, arbeitete Übergänge aus und zog sich immer wieder einige Schritte zurück, um das Gesamtbild zu prüfen. Dies hier sollte kein gewöhnlicher Stuhl werden, kein einfaches Möbelstück, sondern ein Symbol, und genau so wurde es von ihr behandelt.

Als das Holz schließlich in Form gebracht war, griff sie zu Hammer und Nägeln, setzte Verbindungen, wo diese nötig waren, verstärkte, was Bestand haben musste, und arbeitete mit einer Entschlossenheit, die ihre anfängliche Unsicherheit längst verdrängt hatte. Das gleichmäßige Schlagen des Hammers erfüllte ihre Werkstatt mit einem Rhythmus, der ihr half, sich ganz auf die Arbeit zu konzentrieren.

Zum Schluss widmete sie sich dem Polster. Dies lag ihr sichtbar weniger als das Holz, doch gerade deshalb ging sie mit umso größerer Sorgfalt vor. Der Stoff wurde zugeschnitten, gespannt und schließlich vernäht, Stich für Stich, mit einer Hartnäckigkeit, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie vorhatte, dies zu Ende zu bringen. Als sie schließlich innehielt und das Werk betrachtete, war es beinahe makellos. Kleine Unsauberkeiten verschwanden hinter Schmucksteinen, Quasten, Zierkordeln und Borten.

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