Dieser Text wurde mittels KI aus dem Rollenspiel-Log erstellt. Thorian kam, als die Nacht bereits wirklich Nacht geworden war. Sziedeyna hörte ihn unten, noch bevor er nach ihr rief. Erst das vorsichtige Klopfen an der Tür, dann das Öffnen, dann sein Schritt im Haus. Er wartete nicht auf eine Aufforderung. Bei einem anderen hätte sie das vielleicht bemerkt wie einen Fehler in einem Knochen. Bei ihm war es nur Thorian, der eintrat, als gehöre ein Teil dieses Hauses bereits zu ihm, weil ein Teil von ihr sich daran gewöhnt hatte, dass er kam. „Sziedeyna?“, rief er etwas lauter. Sie ließ oben die Tür hörbar werden. „Bist du schon... wach?“ Da ging sie hinunter. Er stand dort, und als er sie sah, legte sich sofort ein Lächeln auf seine Züge. Sziedeyna lächelte zurück. „Natürlich.“ Sie ging auf ihn zu und schaute ihm tief in die Augen. Für einen Moment war nichts weiter nötig. Nicht zwischen ihnen. Nicht hier. Sein Blick hatte längst begonnen, ihr vertraut zu werden, ohne harmlos zu sein. Er war warm, aber nicht einfach. Er fragte. Er blieb. Er wich nicht aus. Thorian streckte ihr die Hände entgegen. Sie nahm diese Einladung an und umarmte ihn langsam, aber fest. „Ich hoffe, du konntest gut ruhen“, fragte er leise, als er sich der Umarmung hingab. „Oh, ich habe sehr gut geruht“, flüsterte sie ihm ins Ohr. Das war nicht gelogen. Sie hatte geruht. Ihr Körper hatte sich in seine Stille zurückgezogen, in die Dunkelheit, in das Vertraute. Aber etwas in ihr hatte nicht geschlafen. Etwas hatte weiter an der vergangenen Nacht gezogen. An dem Blut. An der Euphorie. An diesem möglichen Band, das vielleicht zwischen ihnen entstanden war, vielleicht aber auch nur für einen Moment wie Mondlicht auf Wasser gelegen hatte. Sie löste die Umarmung langsam. Schon dabei merkte sie, dass ihr Gesicht nachdenklicher wurde. „Das freut mich!“, sagte Thorian. „Hmm.“ „Ja?“ „Aber lass uns erstmal setzen.“ Sie zündete die Kerze am Tisch an. Die Flamme nahm den Raum klein und weich in Besitz, als müsste auch diese Nacht erst eine Grenze bekommen. „Möchtest du etwas trinken?“ „Ja, wieso nicht. Sorte egal“, sagte Thorian und grinste leicht. Sziedeyna ging zum Schrank mit dem Bier. Sie öffnete ihn und betrachtete die verschiedenen Sorten. Die Namen sagten ihr wenig. Die Farben mehr. Nach einer Weile griff sie eine Flasche. „Hm, das!“ Es war ein Amber Ale. Sie schloss den Schrank wieder, setzte sich auf ihren Platz vor dem Kamin und stellte die Flasche auf den Tisch. Thorian wartete, bis sie saß, und tat es ihr dann gleich. „Die Farbe der Flasche gefiel mir“, sagte sie mit einem leichten Schmunzeln. Er nickte dankend und betrachtete die Flasche. „Danke, gute Wahl!“ „Ich habe keine Ahnung, wie es schmeckt, aber ich hoffe, dir wird es schmecken.“ „Ja, ich verstehe“, sagte er und zwinkerte ihr zu. Sziedeyna lehnte sich zurück. „Was hast du denn so Schönes am Tag gemacht?“ Thorian öffnete die Flasche. „Ich habe endlich die Vorhänge ersetzt.“ „Oh, dann wird es ja Zeit, dass ich dich mal wieder besuche.“ „Sehr gerne natürlich!“, sprach er fröhlich. Dann trank er. Nicht achtlos, sondern prüfend, als gäbe es auch im Geschmack eine kleine Wahrheit zu finden. Sziedeyna sah ihm dabei zu. Sie war inzwischen daran gewöhnt, ihn zu betrachten. Nicht heimlich. Nicht schamhaft. Eher so, als müsse sie immer wieder neu begreifen, dass er da war. Dass er warm war. Dass dieses warme, lebendige Wesen sich ihr entgegenstreckte. „Eine süßliche Note. Und natürlich der typische Malz- und Hopfengeschmack“, kommentierte er. Sziedeyna nickte kaum merklich. „Es löst natürlich nicht die Euphorie aus, die ich gestern spürte...“, fügte er leise und liebevoll hinzu. Da war es. Sziedeyna hob den Blick etwas, als hätte sie genau auf diese Spur gewartet. „Apropos...“ Thorian sah sie neugierig an. „Meinst du, dass sich gestern wirklich dieses... Band gebildet hat zwischen uns?“ Die Frage stand sofort schwerer im Raum, als sie geklungen hatte. Sziedeyna wusste selbst nicht, was sie hören wollte. Vielleicht Bestätigung. Vielleicht Widerspruch. Vielleicht nur ein gemeinsames Nichtwissen, damit sie nicht allein mit diesem inneren Ziehen blieb. Thorian blickte erst überrascht, dann nachdenklich. Schließlich schob er seine linke Hand über den Tisch zu ihr. Sziedeyna nahm sie mit ihrer rechten. „Ich habe dieses... Verlangen, es zu wiederholen. Vielleicht hat es noch nicht gereicht? Es war schön! Keine Frage!“, schob sie rasch hinterher, als müsse sie verhindern, dass er darin eine Kränkung fand. „Aber... Hmm. Es fühlt sich irgendwie... unfertig an. Ich kann es nicht genauer beschreiben.“ Ihr Gesicht verriet die Ratlosigkeit vermutlich deutlicher, als ihr lieb war. Aber bei ihm war Ratlosigkeit nicht mehr ganz so gefährlich. Thorian drückte ihre Hand leicht. Er schloss die Augen und forschte in sich hinein. Sziedeyna beobachtete ihn, und für diese wenigen Momente war sie fast ganz Aufmerksamkeit. Sein Atem. Seine Stirn. Das kleine Arbeiten hinter seinen geschlossenen Lidern. „Ich... es... ist nicht mehr so, wie es gestern schien“, sagte er schließlich mit einem enttäuschten Unterton. Er öffnete die Augen wieder. Sein Blick war fragend. „Es hat wohl nicht lange vorgehalten?“ Etwas sank in ihr. Nicht tief. Nur genug, um ihr zu zeigen, dass sie mehr gehofft hatte, als sie sich eingestanden hatte. „Vielleicht... machen wir es einfach noch einmal?“ „Vielleicht... hat auch der Moment die Wahrnehmung einfach getäuscht.“ „Jetzt könnten wir Ancas Wissen gebrauchen“, sagte Sziedeyna und schaute etwas betrübt. Ancanagar hätte vielleicht ein Wort dafür gehabt. Oder eine Warnung. Oder ein Lächeln, das erst viel später verständlich geworden wäre. „Noch einmal, meinst du. Hmm. Wieso nicht!? Ja, sie wüsste es wohl genauer.“ „Ja, zumindest sammeln wir so noch mehr Erfahrung. Probieren geht über Studieren!“ Sie schaute ihn verschmitzt an. „Müssen wir es eben so lange versuchen, bis wir sicher sagen können, dass es das ist“, meinte Thorian, und in seiner Stimme lag der Versuch, die Stimmung heller zu machen. Sziedeyna nickte. „Jetzt?“ Thorian wirkte einen Moment verlegen. „Öhm... ja, in Ordnung.“ „Oder möchtest du noch warten?“ „Hm, nein. Mich interessiert es ja ebenso!“ „Gut!“ Sie sprang auf, fast zu enthusiastisch für die Würde, die sie manchmal noch aus Gewohnheit trug. „Ich gehe schnell die Phiole holen...“ Thorian nickte. Sie wandte sich schon ab, blieb dann aber noch einmal stehen. „Es sei denn, du willst lieber ein Stück aus mir herausbeißen.“ Sie schaute gespielt ernst. „Momentan eher nicht. Aber ich komme auf das Angebot zurück“, sagte er mit einem schiefen Grinsen. Sziedeyna räusperte sich und ging nach oben. Eine Schublade war zu hören. Als sie zurückkam, hatte sie die leere Phiole bei sich. Thorian nahm währenddessen seinen Umhang ab und legte ihn über die Lehne des Nachbarstuhls. Sie setzte sich, stellte die Phiole auf den Tisch und holte den Dolch hervor. Niemand wusste, woher sie ihn immer nahm. Vielleicht war es besser so. Manche Dinge wirkten nur, solange niemand sie erklärte. Thorian blickte mit leicht krauser Stirn auf die Phiole und nahm dann noch rasch einen Schluck des Ales. Sziedeyna ritzte sich die Handinnenfläche ein. Der Schmerz war klar und kurz. Sie nahm die Phiole, ballte die Hand darüber zur Faust, und ihr Blut begann sich darin zu sammeln. Rot. Dunkel. Ihr eigenes und doch längst nicht mehr nur ihres, wenn Thorian es nahm. Er verfolgte es interessiert, aber nicht mit jener Euphorie des vergangenen Abends. Sie bemerkte das. Natürlich bemerkte sie es. Als die Phiole voll war, öffnete sie die Faust. Die Wunde verschloss sich bereits. Dann schob sie ihm das Glas hinüber. „Hier.“ Thorian nahm es. „Wollen wir mal sehen, was passiert.“ Er stürzte den Inhalt herunter. Wenig zeremoniell. Sziedeyna spürte sofort Widerstand in sich. Nicht gegen ihn. Gegen die Art. Es war, als hätte er etwas Feines zu grob angefasst, ohne es zu wollen. „Hmm, es ist kein Kneipengesöff, Thorian“, stellte sie etwas unzufrieden fest. Er schloss die Augen und horchte in sich. Sziedeyna wartete. Die Kerze brannte. Die Phiole war leer. Der Raum blieb der Raum. Nach einigen Augenblicken öffnete er die Augen wieder. „Ich bin mir nicht sicher...“ Da war Enttäuschung. In ihm. In ihr. Zwischen ihnen. Sziedeyna nahm die leere Phiole wieder an sich. „Hm, beim letzten Mal schien es irgendwie... Machen wir etwas falsch? Vielleicht ist es hier der falsche Ort? Vielleicht draußen unter dem Mond?“ Thorian sah sie an. „Ich kann es dir nicht sagen. Aber ich befürchte beinahe, dass der Moment die Situation mehr getragen hat, als das Blut es tat!?“ Jetzt wollte sie es wissen. Nicht irgendwann. Nicht theoretisch. Nicht in Andeutungen. Sie stand auf. „Jetzt will ich es schon irgendwie wissen!“ „Es war ein... viel innigerer Moment“, sagte Thorian, und bei dem Gedanken daran lächelte er. „Vielleicht hast du es auch falsch getrunken. Du hast es so heruntergestürzt gerade. Was könnten wir noch anders machen? Rausgehen, langsam trinken und genießen...?“ „Verzeih, ja...“, sagte er und blickte beschämt auf die Tischplatte. „Oder stimmt etwas nicht?“ Sie sah ihn besorgt an. „Nein, es stimmt schon alles. Aber vielleicht war die Atmosphäre eine andere, gestern Nacht!?“ Sziedeyna nahm diesen Gedanken auf, als sei er ein Stück Werkzeug. „Hmm. Dann brauchen wir auch noch andere Atmosphäre. Das sind schon drei Sachen.“ „Drei?“ „Wir suchen uns draußen einen schönen Platz. Und...“ Sie hielt inne. Noch wusste sie selbst nicht genau, wie viel davon Plan und wie viel Instinkt war. „Aber das zeige ich dir dann.“ Sie lächelte ihn an. „In Ordnung. Vielleicht der Platz am Teich?“, schlug er vor. „Da, wo wir schon mal waren?“ „Genau. Das ist doch ein schönes Plätzchen. Mit einer besonderen Geschichte“, sagte er lächelnd. Sziedeyna erinnerte sich. Ihr Blick wurde weich. „Ja, gern.“ Sie reichte ihm die Hand. Er nahm sie, ließ sich hochziehen, und kurz darauf verließen sie das Haus. Die Phiole blieb zurück. Das war keine Nachlässigkeit. Das war Entscheidung. Sie gingen zum Park. Sziedeyna öffnete das Tor, und nach einer Weile erreichten sie die Bank am Teich. Sie setzte sich, Thorian neben sie. Das Wasser lag im Mondschein, klein und still, als bewahrte es alles auf, was einmal an seinem Rand geschehen war. Sziedeyna schaute zum Himmel und nickte zufrieden. „Einen Umhang braucht es heute ja nicht“, meinte Thorian sanft und schmunzelnd. „Oh, aber vielleicht wird dir kalt?“ „Es ist zwar nicht mehr so glühend heiß gewesen die letzten Tage, aber es reicht schon noch aus, um nicht zu frieren.“ „Dann ist ja gut.“ Sie lehnte sich an seine Schulter. Thorian suchte im fahlen Mondschein den Teich nach nächtlichen Besuchern ab und legte den rechten Arm um ihre Hüfte. Sziedeyna atmete tief ein und wieder aus. Ihr Haar raschelte leicht an seiner Schulter. Dann schloss sie die Augen. „Ich glaube, dieser Ort wird einer meiner liebsten sein“, sagte Thorian. „So unscheinbar in dieser hektischen Stadt. Aber doch so bedeutungsvoll wie nicht einmal das Schloss selbst!“ Sziedeyna lächelte ruhig. Manche Orte waren nicht groß genug, um auf einer Karte wichtig zu sein, aber groß genug, um in einem Menschen nachzuhallen. Nach einer Weile machte Thorian ein nachdenkliches Geräusch. „Kannst du unter Wasser... ehm... macht es dir etwas aus?“ Sziedeyna öffnete die Augen und schaute zu ihm. „Was hast du vor?“ „Oh, nichts dergleichen! Es fiel mir gerade nur so ein.“ Er lachte leise und sah entschuldigend aus. „Hm. Ich war schon lange nicht mehr schwimmen. Ich habe fast vergessen, wie es sich anfühlt.“ „Ob der Teich dafür geeignet ist? Oder lohnt sich der Weg zum Strand?“ Sie betrachtete das kleine Wasser vor sich. „Der Teich wirkt schon etwas... klein. Strand? Hmm. Warum nicht? Möchtest du?“ „Ja, lassen wir den Fröschen ihr kleines Reich.“ „Ich weiß gar nicht, wo der Strand ist.“ „Wieso nicht. Das Wasser könnte noch aufgewärmt genug sein. Finden wir es heraus!“ Sziedeyna nickte. „Der ist etwas östlicher noch als mein Heim.“ „Führ mich gerne hin.“ Thorian erhob sich und hielt ihr die Hand hin. „Dann auf!“ Sie durchquerten die halbe Stadt. Thorian musste den Weg erst finden, und das hatte etwas angenehm Unfeierliches. Als könnte selbst ein mögliches Blutband sich kurz damit aufhalten, an der nächsten Abzweigung unsicher zu sein. Schließlich erreichten sie den Strand. „Na, da wären wir ja endlich.“ „Ah, hier ist er also.“ Sziedeyna schaute sich um. Der Sand, das dunkle Wasser, der Geruch nach Salz. Alles war weiter als am Teich. Das Meer war kein Ort, an dem man eine Antwort verlangte. Es war einer, an dem man sie riskierte. „Da bin ich gespannt, ob das Wasser tatsächlich aushaltbar ist. Aber es wird wohl gehen!“, sagte Thorian, mehr zu sich selbst als zu ihr. Sziedeyna scharrte mit den Füßen im Sand. Thorian begann, seine Stiefel auszuziehen. Kurz darauf standen ihre Füße nackt im Sand. Er näherte sich dem Wasser und wagte zuerst nur einen Zeh hinein. Sziedeyna folgte ihm und stand bald bis zu den Knöcheln im Wasser. Sie zeigte keine Reaktion auf die Temperatur. „Könnte etwas wärmer sein. Zugegeben. Aber ich kenne es auch kälter...“ Thorian blickte auf ihre Füße. „Dir ist die Temperatur egal?“ Sie lächelte ihn nur an. Er zuckte leicht mit den Schultern und zog sein Hemd aus. „Jetzt sind wir hier, jetzt gehe ich da auch rein!“ Das Hemd landete achtlos im Sand. „Und die Hose?“, fragte Sziedeyna. „Das Wasser ist sicher nicht gut für das Leder.“ „Die muss auch aus. Was sonst!?“ Er öffnete den Gurt und zog die Hose hinab, wobei es ihn kaum störte, dass sie nass wurde. Sziedeyna streifte sich das Kleid ab und legte es auf den Sand. Dann ging sie weiter ins Wasser. Thorian nutzte die Gelegenheit und spritzte etwas Wasser in ihre Richtung. „Huch...“, sagte er und lachte. Sziedeyna grinste. „Huch, soso!“ Er warf auch die Hose zu dem Hemd. Sie ging bis zu den Knien ins Wasser. Thorian benetzte seine Beine und sah dabei verschmitzt zu ihr hinüber. Da hatte sie eine Idee. „Hmm, ich habe eine Idee.“ „Ja?“ „Wir gehen etwas weiter rein und dann...“ Sie griff nach seiner Hand. Er reichte sie ihr. Sziedeyna ging weiter hinein, bis ihr das Wasser zur Taille stand, und zog ihn leicht mit. Thorian presste die Kiefer aufeinander. Ein Schauder durchfuhr ihn wegen der Kälte. „Hm“, machte sie und sah ihn an. „Puh“, hauchte er leise. „Etwas frisch. Aber innerlich wird mir dennoch warm.“ Er zwinkerte ihr zu. „Oh, wir können auch wieder rausgehen, ich dachte nur...“ „Du wolltest schwimmen“, sagte er lächelnd. „Ich wollte etwas anderes.“ Sie schaute fest in seine Augen. „Ja?“ „Das, was wir vorhatten. Aber du sollst dich dabei wohlfühlen. Vielleicht machen wir es doch auf dem Sand.“ „Hm ja, aber ich werde dich jetzt schlecht beißen können? Oder hast du das Messer dabei?“ Sziedeyna sah sich um. „Hier liegen Muscheln.“ „Stimmt. Würde gehen.“ Sie deutete zu einer bestimmten Muschel am Strand. „Also schwimmen wir jetzt nicht?“, fragte Thorian. „Oder möchtest du erst schwimmen? Ist dir also nicht mehr kalt?“ „Nach etwas Gewöhnung geht es normalerweise.“ „Ah.“ Sie nickte verstehend. „Gut, dann schwimmen wir eine Runde.“ Thorian benetzte langsam Arme und Torso. Dann gingen sie weiter hinein. Er stand schließlich bis zum Bauchnabel im Wasser und ging in die Hocke, sodass nur noch Kopf und Schultern herausragten. Von Sziedeyna sah man nun nur noch den Kopf. Dann löste sie ihre Hand von ihm, stieß die Luft aus ihren Lungen und tauchte unter. Das Meer nahm sie sofort. Unter Wasser gab es keine Sprache. Nur Druck, Salz, Dunkelheit und das ferne, gebrochene Licht über ihr. Sie blieb eine Weile verschwunden. Über ihr suchte Thorian mit den Händen nach ihr. Dann wurde sein Tasten unruhiger. „Ihr kann ja nichts passieren“, murmelte er zu sich selbst. Eine eiskalte Hand berührte ihn am Unterschenkel. Das Zucken, das durch ihn ging, spürte sie deutlich. Kurz darauf tauchte sie wieder auf und lächelte zufrieden. „Schau!“ Sie hielt eine Messermuschel in der rechten Hand. Thorian klatschte sich Wasser ins Gesicht und sah neugierig hin. „Sieht scharf aus.“ Sziedeyna nickte. „Ich hatte mir gedacht, man findet bestimmt eine passende Muschel auf dem Grund.“ „Brauchen wir noch eine Muschel, um das Blut aufzufangen?“ Sie schüttelte sacht den Kopf. „Ich habe die Phiole bewusst zuhause stehen gelassen.“ Glas war Abstand. Glas war Versuchsanordnung. Diesmal sollte es keinen Abstand geben. „Dann lässt du mich es direkt von der Hand nehmen. Oder träufelst es mir in den Mund?“ „Ja, du kannst es direkt aus meiner Hand trinken. Vielleicht gefällt dir das mehr als aus einer Flasche zu trinken?“ „Es ist vielleicht etwas animalischer...“ „Zu animalisch?“ „Nein, nein. Aber vielleicht müsstest du mich doch noch davon abhalten, zuzubeißen“, sagte er frech grinsend. „Wehe!“ Sie grinste zurück. „Gehen wir wieder etwas hoch?“ Statt zu antworten, griff Thorian sie am freien Arm und zog sie an sich heran. Sie ließ es geschehen. Seine Hände fanden ihre Taille, sein Gesicht näherte sich ihrem. Sziedeyna schloss die Augen. Der Kuss kam zärtlich. Sie erwiderte ihn und schmiegte sich enger an ihn. Einen Moment lang gab es keine Frage, kein Band, keinen Versuch. Nur ihn. Nur den Kuss. Nur das Wasser um sie. Als er sich löste, lächelte er liebevoll und deutete zum Strand. Sie nickte. Arm um Arm gingen sie in seichteres Wasser zurück. Sein Blick huschte über sie, blieb dann aber an ihrer Hand hängen. Sziedeyna bemerkte es und nickte leicht. Sie hielt die linke Handfläche bereit. In der rechten lag die Messermuschel. „Bereit?“, fragte sie leise. Thorian erwiderte ihren Blick, dann nickte er. Er nahm ihren linken Unterarm zärtlich in beide Hände. Sziedeyna atmete tief durch. „Ich hoffe, dass es diesmal klappt.“ Dann schnitt sie sich zweimal gekreuzt durch die Handinnenfläche. Schmerz zog kurz durch ihr Gesicht. Blut sammelte sich in ihrer Hand, erst wenig, dann mehr, bis sie die Hand zu einer kleinen roten Schale formen konnte. Sie hob sie ihm entgegen. „Hier.“ Thorian legte den Mund an ihre Hand. Diesmal trank er nicht wie aus einer Phiole. Diesmal nahm er. Langsamer. Nah. Sein Mund an ihrer Haut, sein Atem an ihrer Wunde. Sziedeyna drückte sich mit der anderen Hand den Unterarm hinab bis zum Handgelenk, um mehr Blut hervorzubringen. Er kippte ihre Hand etwas an, damit es besser fließen konnte. Ihr Blick verlor den Fokus. Als der Blutfluss versiegte, leckte er noch ein, zwei Male über ihre Handfläche. Die Wunde schloss sich. Thorian schloss die Augen und atmete tief ein. Sziedeyna begann zu schwanken. „Huh.“ Er hielt ihren Unterarm fester. „Liebste, geht es?“ Sie ließ die Muschel ins Wasser fallen und lehnte sich ihm entgegen. Er legte den Arm um ihre Taille und fing sie in einer Umarmung auf. „Irgendetwas...“, hauchte sie und blinzelte ihn an. „Merkst du auch etwas?“ Thorian lehnte den Kopf gegen ihren. „Das Meersalz mischt sich unter den Geruch des Herbstes.“ Da klammerte sie sich an ihn. Es hatte sich etwas verschoben. Diesmal war es nicht der Gedanke an ein Band. Nicht die Hoffnung darauf. Nicht die Untersuchung. Etwas war da, nicht als Begriff, sondern als Wahrnehmung. Seine Wärme schien nicht mehr nur von außen zu kommen. Sie lag an ihr, in ihr, um sie herum, als hätte das Meer selbst sie beide enger aneinander gedrängt. „Du bist so schön... und so warm“, hauchte sie in sein Ohr. „Mein Licht in der Nacht.“ „Und du das meine“, seufzte er wohlig. Er strich ihr nasses Haar beiseite und küsste ihr Ohr. „Ohne dich bliebe die Nacht trostlos...“ Sziedeyna seufzte leise voller Entspannung. Sein Herz schlug gegen sie. Die Wellen plätscherten um sie herum. Seine Arme lagen kräftig um ihren Körper, und seine Wärme kam ihr wirklicher vor als alles andere. „Ich spüre die Kälte gar nicht mehr. Du erscheinst mir wärmer...?“, fragte er eher, als dass er es feststellte. „Weil du mich wärmst? Oder? Hmm.“ „So muss es wohl sein.“ „Spürst du denn etwas? Ich meine... das Band?“ Thorian schloss erneut die Augen. Eine Weile verging. Dann nickte er sacht. „Ich nehme dich wahr. Als Teil von mir? In mir?“ Sziedeyna wurde still. Diese Worte hatten keine scharfe Kante. Gerade darum drangen sie tief. Teil von mir. In mir. Wie etwas, das sie sich gewünscht hatte, ohne sich beim Wünschen zuzusehen. „Darf ich... auch von dir kosten?“, hauchte sie. „Nur ein wenig...“ Sie war völlig ruhig. Friedlich. Kein Hunger trieb sie. Kein wildes Verlangen. Es war eher eine Bitte um Erkenntnis. „Natürlich“, antwortete er ohne zu zögern und streckte den Kopf zur Seite. Sziedeyna näherte sich seinem Hals mit geschlossenen Augen. Sie zog seinen Duft tief ein und stöhnte leise. „So habe ich dich noch nie... wahrgenommen, so...“ Seine Hände lagen an ihr, eine an der Taille, eine zwischen ihren Schulterblättern. Er drückte sie beinahe einladend an sich. Sie leckte ihm über den Hals. Salz. Haut. Wärme. Thorian. Dann kam das bekannte Knacken. Ihre Zähne fuhren in seinen Hals, fein wie Nadeln. Thorian zog tief Luft ein. Sziedeyna saugte zärtlich. Nur sacht. Es war kein Trinken wie Nahrung. Es war ein Schmecken. Ein Berühren mit dem, was an ihr am wenigsten menschlich war und ihm doch gerade am nächsten kam. Er hielt sie. Seine Hände wurden inniger, seine Berührungen fordernder, aber nicht grob. Ihre Zungenspitze fand immer wieder die Stelle an seinem Hals, setzte dem Schmerz der Zähne etwas Zärtliches entgegen. Sie presste ihn näher an sich. Sein Atem beschleunigte sich. Seine Finger wanderten in ihren Nacken, in ihr Haar, über ihre Hüfte, über den unteren Rücken. Schließlich lösten sich ihre Zähne aus seinem Hals. Sie leckte noch einmal langsam über die Stelle und gab ihm einen sanften Kuss darauf. Dann lehnte sie den Kopf wieder an ihn und hielt sich fest. „Reicht es schon?“, fragte er sie mit verliebter Stimme. Sziedeyna hob langsam den Kopf und suchte seinen Blick. Ihre Augen waren nicht mehr ganz dieselben. Sie wirkten verklärt, liebestrunken, als sei sie vollkommen bei ihm und doch nur teilweise in dieser Welt aus Wasser und Haut anwesend. Ihr Kopf schwankte leicht. Sie versuchte, ihn fester anzusehen. Dann weiteten sich ihre Augen. „Ich liebe dich!“ Die Worte kamen nicht langsam. Sie brachen aus ihr heraus, ergriffen, fast zu groß für ihren Atem. Leiser fügte sie hinzu: „Thorian, mein Liebster.“ Seine Hand gab ihrem Kopf Halt. Er sah ihr tief in die Augen, als wolle er bis an den Grund von ihr. Sziedeyna lächelte verklärt. In diesem Moment war keine Verteidigung mehr in ihr. Keine Kälte. Keine alte, trockene Vorsicht. Nur Hingabe, offen wie eine Wunde, aber nicht schmerzhaft. Auch Thorians Blick verklärte sich. Feuchtigkeit sammelte sich in seinen Augen. „Und ich liebe dich, Fremde vor dem Tor“, flüsterte er. Da suchte sie seinen Mund. Etwas unbeholfen tastete sie sich mit den Lippen über sein Gesicht, bis sie ihn fand. Thorian wartete geduldig, halb geöffnet, bereit. Dann entstand ein Kuss voller Zärtlichkeit und Innigkeit, ein Kuss, in dem beide eine Weile verschwanden. „Lass mich nicht los, sonst falle ich...“, hauchte Sziedeyna. Er drückte sie fester an sich. Dann wanderten seine Küsse über ihr Gesicht, zu ihrem Auge, über die Wange, zur Nasenspitze, hinab zum Hals. Er strich ihr Haar beiseite und küsste ihr Schlüsselbein. Sziedeyna ließ den Kopf zurückfallen und gab sich seinen Liebkosungen hin. Sein Mund suchte weiter. Hals. Kinn. Wieder hinab. Ihr Atem ging in kleinen Stößen. Ihre Fingernägel griffen fester in seinen Rücken. Thorians Atem wurde schneller. Seine Berührungen verloren nicht die Zärtlichkeit, aber sie bekamen Richtung. Verlangen formte sich darin. Als sein Mund ihre Brust erreichte, hielt Sziedeyna nicht inne. Die Wärme, das Band, sein Blut in ihrem Mund, ihr Blut in ihm, all das lag noch wie ein Rausch über ihr. „Beiß mich“, hauchte sie. Er gehorchte vorsichtig. Erst nur ein Streifen der Zähne, dann etwas mehr, immer noch zärtlich. Sziedeyna stöhnte genussvoll auf. Ihre Hände wanderten über seinen Rücken, in seinen Nacken, in sein Haar. Sie hielt ihn fest, spürte seine Lust und seine Wärme und die Antwort ihres Körpers, die nicht dieselbe Sprache sprach wie seine, aber doch Antwort war. Er küsste sich wieder zu ihrem Mund hinauf und forderte einen leidenschaftlichen Zungenkuss ein. Sie gewährte ihn ihm mit verklärtem Blick. Ihre Zungen fanden und umschlangen einander, bis auch dieser Kuss wie ein eigener kleiner Rausch wurde. Dann löste Thorian sich. „Ich will dich jetzt!“ Sziedeynas Augen wechselten zurück in die Wirklichkeit. Nicht langsam. Sofort. Sie sah ihn überrascht an. Der Satz hatte etwas in ihr berührt, aber nicht dort, wo eben noch Wärme gewesen war. Es war, als hätte sich in ihr eine Tür geschlossen, die sie nicht einmal selbst hatte schließen wollen. Ein inneres Zusammenziehen. Ein fremdes Nein, das kein Urteil war, sondern ein Reflex. Thorian bemerkte es zunächst nicht. Er küsste noch einmal ihr Gesicht. Dann hielt er inne. In seinem Blick wich die Lust der Verwirrung. Sziedeyna sagte nichts. Unsicherheit lag in ihren Augen. „Ich...“, begann er und wich beschämt ihrem Blick aus. „Verzeih. Ich habe mich vergessen...“ Auch Sziedeyna schämte sich. Nicht über ihn. Nicht nur über sich. Über die ganze unpassende Stelle in ihr, die eben noch voller Hingabe gewesen war und nun vor einem einzigen Satz zurückwich, als sei darin Gefahr verborgen. Seine Umarmung lockerte sich. Sie sah ihn fest an. Sorge trat in ihren Blick. „Ich quäle dich, oder?“ „Ich war zu forsch. Du kannst nichts dafür“, sagte er, aber er wirkte gequält, auch wenn er es vor ihr verbergen wollte. Sziedeyna atmete tief durch. „Es tut mir leid, aber ich glaube, ich...“ Sie brach ab und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, ob...“ Der Satz blieb verstümmelt. Sie suchte in seinem Blick nach etwas, vielleicht Vergebung, vielleicht Entwarnung, vielleicht einem Beweis, dass sie nicht gerade etwas Kostbares beschädigt hatte. Thorian nahm sie wieder in die Arme und vergrub das Gesicht in ihrem Haar. Sziedeyna hielt ihn fest. Sie zitterte leicht. Nach einer Weile flüsterte er ihr ins Ohr: „Verzeih mir, Liebste.“ Da schluchzte sie leise. Schließlich löste er die Umarmung sanft. Sie ließ es zu und sah ihn traurig an. Er strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und versuchte ein aufmunterndes Lächeln. Dahinter lag noch immer Liebe. Sziedeyna schluckte. „Magst du mich noch? Auch so?“ Thorian runzelte überrascht die Stirn. „Was ist denn ,so‘? Und wieso sollte dieses ,so‘ etwas ändern können?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Na, weil du dieses... Bedürfnis hast, und ich... nicht.“ Dann schob sie leiser nach: „Jedenfalls nicht so wie du.“ Er nahm ihre beiden Hände und sah ihr ehrlich in die Augen. „Vielleicht haben wir nur nicht so zueinander gefunden, wie du es haben möchtest.“ „Es war schön! Aber... als du diesen Satz brachtest, da zog sich innerlich etwas in mir zusammen, es war eigenartig. Ich hatte dieses Gefühl schon vorher, als... Anca es erwähnte, das...“ Sie zögerte. „Vögeln. Da wusste ich, etwas stimmt nicht.“ Das Wort stand hässlich nackt zwischen ihnen. Gerade weil es so deutlich war. Nicht poetisch. Nicht rituell. Nicht Blut, Band, Mond oder Meer. Nur das. Und in Sziedeyna antwortete darauf wieder dieses Zusammenziehen. Sie schaute zum Kleid am Strand. „Vielleicht sollte ich mir wieder etwas anziehen...“ Thorian nickte nach einem Moment. „Ich war vielleicht zu drängend. Nun weiß ich Bescheid.“ „Vielleicht... ändert es sich ja noch.“ „Wir haben Zeit“, sagte er sacht und deutete auf die Kleidung. Sziedeyna ging aus dem Wasser. Der Sand klebte an ihren Füßen. Sie nahm das Kleid, schüttelte es kurz aus und streifte es sich wieder über. Dann setzte sie sich auf eine kleine Düne und sah aufs Meer. Thorian folgte ihr, befreite seine Kleidung vom Sand, nahm die Stiefel in die Hand und setzte sich neben sie. „Jetzt sind wir gar nicht geschwommen“, sagte er etwas enttäuscht. Sziedeyna suchte seinen Blick. „Vielleicht... ein anderes Mal?“ „Ja, ein andermal“, sagte er mit einem sachten Lächeln. In seinem Gesicht lag noch eine leise Enttäuschung. Vielleicht über die verlorene Möglichkeit. Vielleicht über sich selbst. Dann sah er sie wieder an, und die Enttäuschung wich einem liebevolleren Blick. Sziedeyna biss sich auf die Unterlippe. „Und es ist kein Problem? Ich bin jetzt keine Enttäuschung für dich?“ „Andere Dinge wiegen viel mehr auf! Und, wie du schon sagtest, vielleicht möchtest du es ja eines Tages ebenso sehr.“ Sie rückte nah an ihn heran und kuschelte sich an ihn, den Blick aufs Meer gerichtet. In Thorians Gesicht lag wieder diese Ehrlichkeit, die sie inzwischen kannte und die manchmal fast schwerer zu ertragen war als jede Lüge. Leise sprach sie in den Wind: „Und ich meine, was ich vorhin gesagt habe.“ Diesmal musste sie sich sammeln. Vorhin waren die Worte aus dem Rausch gekommen, aus Blut und Wärme und diesem offenen Fallen. Jetzt kamen sie aus der Scham. Aus der Ernüchterung. Aus dem Wissen, dass sie ihm vielleicht nicht geben konnte, was er wollte, und ihn dennoch liebte. „Ich liebe dich.“ Thorian legte den Arm um sie und drückte sie an sich. Vielleicht war das Antwort genug. Vielleicht war es die einzige Antwort, die in diesem Augenblick nicht zerbrach. Eine Weile sahen sie auf die dunkle See hinaus. Dann hauchte Sziedeyna: „Vielleicht... gehe ich jetzt erstmal.“ Langsam löste sie sich von ihm und stand auf. „Was..? Aber, warum?“, fragte er überrascht, und in seiner Stimme lag Enttäuschung. „Ich glaube, ich muss das erstmal sacken lassen und du sicher auch.“ „Hm, wenn du möchtest.“ Er nickte knapp, aber etwas Frust ließ sich nicht ganz verbergen. Sziedeyna atmete tief durch. Sie sah ihn an, gequält, bis es aus ihr herausplatzte. „Ich schäme mich so!“ Und durch das Band, falls es nun wirklich eines war, kam nicht Ablehnung zu ihr herüber. Nicht Abscheu. Nicht Kälte. Eher Verlustangst. Ein Schmerz, der sie nicht fortstieß, sondern festhalten wollte. Das machte es nicht leichter. „Und ich weiß nicht... ob ich mich gerade in deiner Gegenwart so schämen kann, so sehr ich sie mir eigentlich gerade wünsche.“ Thorian nickte wieder knapp. „Wenn es jemandem leid tut, dann mir. Du hast keinen Grund für Scham.“ Sziedeyna ging auf ihn zu und umarmte ihn. Sie hielt ihn einen Moment fest, als könne sie dadurch beides zugleich tun: bleiben und gehen. „Gibst du mir trotzdem etwas Zeit?“, flüsterte sie in sein Ohr. „Nimm dir so viel, wie du benötigst!“ Sie gab ihm noch einen zärtlichen Kuss auf die Wange und löste die Umarmung. „Auf bald, Thorian.“ „Auf bald, Liebste“, antwortete er, nicht ohne traurigen Unterton. Sziedeyna wandte sich langsam ab und stapfte durch den Sand davon. Sie ging nicht zurück in die Stadt, sondern nordöstlich hinaus. Vielleicht wunderte ihn das. Vielleicht nicht. Hinter ihr blieb Thorian am Strand zurück, traurig, belämmert, die Stiefel noch in der Hand. Vor ihr lag die Dunkelheit. Das Meer rauschte weiter. In ihr rauschte etwas anderes. Liebe, Scham, Salz, Blut. Ein Band vielleicht. Oder ein Anfang davon. Etwas, das nicht sauber war und nicht fertig. Etwas, das sich nicht wie ein Schwur anfühlte, sondern wie eine offene Stelle. Sie wollte bei ihm sein. Sie musste fort. Und zwischen diesen beiden Wahrheiten ging Sziedeyna weiter, bis die Nacht sie wieder nahm.
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