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Für zwei

Sziedeyna

Dieser Text wurde mittels KI aus dem Rollenspiel-Log erstellt.

Thorian stand vor Sziedeynas Tür und hielt in beiden Händen je ein Bündel locker geschnürter Kissen.

Er sah aus, als habe er sich auf dem Weg hierher mehr Mut zureden müssen, als man für Kissen gewöhnlich brauchte. Sein Blick war etwas mulmig. Einen Moment verharrte er vor der Tür des unscheinbaren Hauses, als wäre sie keine Tür, sondern eine Frage.

Dann fasste er sich ein Herz und trat leicht dagegen.

Was er nicht wusste: Sziedeyna war gar nicht drinnen.

Sie hatte ihn bereits erblickt und näherte sich kaum merklich von hinten. Ein Schatten aus dem Keller, eine kleine lautlose Gemeinheit der Nacht.

Dann stupste sie ihn an.

"Uh!"

Thorian kam leicht aus dem Gleichgewicht, stolperte einen Schritt nach vorn und stützte sich gegen die Tür. Im nächsten Augenblick fuhr er herum, die Kissenbündel wirbelten mit, als seien sie plötzlich Waffen geworden.

Sziedeyna blinzelte.

"Oh."

Dann lächelte sie etwas verlegen.

"Das war anders geplant."

Thorian starrte sie an, noch halb erschrocken, halb erleichtert.

"Wieso bist du denn nicht da drinnen? Jetzt hast du mich aber kalt erwischt!"

"Ich... kam aus dem Keller."

Sie deutete kurz nach rechts.

Die Anspannung, die eben noch an ihm gehangen hatte, fiel merklich von ihm ab. Als hätte nicht nur ihr Stupser ihn aus dem Gleichgewicht gebracht, sondern schon vorher etwas in ihm auf der Schwelle gestanden.

"Ist bei dir alles in Ordnung?", fragte Sziedeyna und musterte ihn.

"Ehm, ja", sagte er nun viel sanfter. "Alles gut. Jetzt."

"Gut!"

Sie lächelte ihn zufrieden an.

"Wollen wir reingehen?"

Thorian hob die Bündel in seinen Händen etwas an.

"Ich habe da ein kleines Präsent."

"Hab schon gesehen, die Kissen!"

Sie nickte zur Tür.

"Dann geh mal rein, Tür ist nicht abgeschlossen."

Das sagte sie fast beiläufig. Und doch war darin wieder dieses kleine, große Ding: Er durfte hinein. Ohne Klopfen, ohne Warten, ohne Schwelle als Prüfung. Thorian trat ein.

Drinnen war das Haus inzwischen nicht mehr ganz das, was es gewesen war. Es hatte Möbel bekommen, Ordnung, erste Absichten. Aber etwas fehlte noch. Weiche Orte. Kissen. Dinge, die nicht bloß standen oder hielten, sondern nachgaben.

"Bringen wir sie doch direkt an ihren Bestimmungsplatz", sagte Thorian.

"Sehr gern."

Er legte die Bündel vor sich ab und wandte sich Sziedeyna zu. Der Hut wurde rasch abgenommen und fiel zu Boden, als sei auch er plötzlich unwichtig geworden.

Dann sah Thorian sie besorgt an.

"Alles in Ordnung bei dir?"

Sziedeyna nickte ihm rückversichernd zu.

"Schon. Hm, ja, ich glaube, ich weiß, was du meinst."

Sie hielt kurz inne.

"Ich hatte um eine Nacht gebeten und nun waren es schon zwei."

Nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu:

"Ich habe etwas Zeit für mich gebraucht."

Thorian nickte sacht.

"Ja. Aber solange alles in Ordnung ist, bin ich beruhigt."

Er lächelte ehrlich.

"Musste mich nur etwas sortieren. Keine Sorge."

Auch sie lächelte leicht.

"Es war ja auch keine Kleinigkeit, dieses Aufeinandertreffen."

Sziedeyna stieß etwas Luft aus.

"Ja..."

Die letzte Zeit sei anders gewesen, sagte sie. Anders, als sie es gewohnt war.

Thorian stimmte zaghaft zu.

"Bist du es auch nicht gewöhnt", fragte Sziedeyna, "jemanden so oft in deiner Nähe zu haben?"

Thorian musste wohl längere Zeit zurückdenken. Seit Monaten sei es hier sehr einsam gewesen.

Sziedeyna sah ihn an. In diesem Blick lag etwas, das nicht Mitleid war, sondern Erkennen.

"Ich war die meiste Zeit meines... Lebens... allein."

Das Wort Leben blieb für einen kaum hörbaren Moment auf der Kante stehen. Dann ging es weiter.

"Das hier... mit uns, das hat mich wie ein Strudel erfasst. Und das war einerseits..."

Sie lächelte etwas verklärt.

"...aber andererseits auch irgendwie sehr ungewohnt."

Sie suchte nach der richtigen Form.

"Aber ich glaube, jetzt kann ich wieder etwas im Strudel untergehen. Mit dir."

Thorian nickte.

"Aus deiner Warte heraus kann ich mir das sehr gut vorstellen."

"Kannst du?"

Sie legte den Kopf leicht schief.

"Ich strudel gerne mit dir", sagte er und versuchte etwas tollpatschig, in ihrem Bild zu bleiben. "Wohin auch immer."

Sziedeyna grinste leicht.

"Zuerst die Kissen!"

Sie schaute zum Bündel.

Thorian fand wieder in die Gegenwart.

"Eh, genau. Die Kissen!"

Sziedeyna kniete sich davor. Thorian erklärte, sie seien aus elfischer Meisterhand. Wahrscheinlich zu schade, um sie auf den Boden zu legen. Aber da müssten sie nun einmal durch.

"Sie haben ja den Teppich, der ihnen Gesellschaft leistet", sagte Sziedeyna.

"Das stimmt auch wieder."

Sie öffneten die Bündel und verteilten die Kissen auf dem Boden. Langsam entstand vor dem Kamin ein weicher Platz. Kein Bett, kein Stuhl, kein förmlicher Ort. Etwas Drittes. Ein Nest vielleicht, auch wenn Sziedeyna dieses Wort nicht sagte.

"Sieht gemütlich aus", meinte Thorian.

Sziedeyna setzte sich auf eines der Kissen.

Thorian streifte den Umhang ab und setzte sich ihr gegenüber.

Für einen Moment waren sie beide still. Der neue Platz musste offenbar erst angenommen werden. Man konnte nicht einfach Kissen auf den Boden legen und sofort wissen, was dort zwischen zwei Menschen geschehen durfte.

Dann atmete Thorian durch. Er wirkte unsicher.

"Du bist also zu der Erkenntnis gekommen, dass alles so in Ordnung ist, wie es ist?"

Sziedeyna dachte kurz nach. Ihre Augen bewegten sich im Raum hin und her, ohne wirklich etwas anzusehen. Dann sah sie ihn wieder an.

"Ja, alles in Ordnung."

Ein kleiner Nachsatz drängte sich hinterher.

"Oder?"

Jetzt schaute sie ihn fragend an.

Thorian atmete erneut. Diesmal, als fiele eine letzte Last von ihm ab.

"Ich war mir nicht sicher, was es für dich und für Ancanagar bedeuten mag, wenn ein... Lebender über das Geheimnis Bescheid weiß. Und ob die Gefahr, die davon ausgeht, einfach akzeptiert werden kann."

Sziedeyna dachte erneut nach.

"Das weiß ich selber nicht."

Thorian fuhr sich mit der Hand durch den Bart.

"Ich hoffe einfach, dass ich dir vertrauen kann", sagte sie.

Thorian wurde ernst.

"Ich kann ja noch so viel versichern..."

Er hielt inne.

"Das habe ich versprochen."

"Ja. Und ich vertraue dir."

Sziedeyna lächelte ihn sanft an.

"Das freut mein Herz", antwortete er liebevoll.

Für einen Moment schaute Sziedeyna zu seinem Herzen.

Thorian bemerkte den Blick. Er rutschte zu ihr hinüber, auf das Kissen zu ihrer Rechten.

"Es", sagte er und spielte auf das Ziel ihres Blickes an, "pocht dann wohl nun für zwei."

Sziedeyna sah ihm in die Augen.

Bei seinen Worten mischte sich etwas in ihren Blick, als gingen ihre Gedanken in die Ferne. Sie sprach leise nach:

"Für zwei."

Dann seufzte sie kurz.

Das war schön. Und furchtbar. Ein Herz, das für zwei pochte, war ein Geschenk. Aber auch eine Erinnerung daran, dass ihres es nicht tat. Dass in ihr Stille war, wo in ihm Rhythmus lebte. Dass er für zwei schlagen konnte, aber nicht für immer.

Sie schüttelte sacht den Kopf, als wolle sie einen Gedanken loswerden, und atmete tief ein und aus.

Thorian schien zu spüren, dass ein leichteres Thema nötig war.

"Oh, ich habe übrigens die Zeit genutzt und Fensterläden im Schlafzimmer angebracht."

Sziedeyna schaute auf.

"Oh, das ist gut! Dann brauche ich ja keine Angst mehr haben, dass die Laken plötzlich herunterfallen."

Sie schaute etwas frech.

"Die Läden lassen sich auch fest verschließen", sagte Thorian. "Und wehen nicht beim ersten Luftzug auf."

Sziedeyna nickte zustimmend. Dann sackte sie etwas in sich zusammen und lehnte sich an ihn.

Thorian erklärte, er habe sich besonders Mühe gegeben, dass sie ziemlich passgenau säßen.

"Ja", murmelte sie. "Da habe ich keine Zweifel, dass es gut geworden ist."

Als nächstes sollten die provisorischen Laken durch schönere, richtige Vorhänge ersetzt werden. Dann würde es auch von innen viel heimeliger wirken.

"Heimelig", murmelte Sziedeyna leise.

Sie sackte noch etwas weiter an ihm ein, fast wie eine Katze, die ihren Platz gefunden hatte. Thorian legte zärtlich die Arme um sie. Der Kamin gab seine Wärme an sie ab, und mit der Zeit wirkte sie nicht mehr eiskalt.

Thorian sinnierte, vielleicht müsse er noch eine Bestellung für Kissen abgeben. Oder vielleicht reiche es, einen solchen Ort nur hier bei ihr zu haben.

"Oh, du kannst gerne welche für dich mitnehmen", sagte Sziedeyna und hob kurz den Kopf. "Wobei ich es schon schön fände mit so vielen Kissen. Ist gemütlich."

"Ja", sagte Thorian. "Hier scheinen sie alle gut aufgehoben. Der Kamin, die Kissen, dich im Arm..."

Er schloss die Augen und strich ihr über das Haar.

Sziedeyna seufzte zufrieden.

Für eine Weile wich das übliche Chaos aus ihr. Nicht für immer. Vielleicht nicht einmal für lange. Aber doch so, als habe sich irgendwo in ihr eine Tür geschlossen, hinter der für einen Moment die Stimmen leiser wurden.

Nach einer Weile stiller Zweisamkeit fragte Thorian sanft:

"Was hält diese Nacht wohl für uns zwei noch bereit?"

In Sziedeyna kam wieder etwas Leben. Sie atmete tief ein und aus.

"Hm. Eigentlich könnte ich jetzt für immer so liegen bleiben."

Dann fügte sie hinzu:

"Aber für immer ist natürlich nicht für immer."

Thorian schmunzelte.

"Für eine halbe Ewigkeit tut es wohl auch."

Sziedeyna hob den Kopf und schaute zu ihm auf. Sie betrachtete ihn mit nachdenklichem Blick, während er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich.

"Ich weiß noch gar nicht, was Ewigkeit bedeutet", sagte sie. "Aber ich weiß, dass sie durchaus auf mich wartet."

Sie hielt inne.

"Auf mich..."

Dann schaute sie ihn etwas besorgt an.

Thorian zog lauter als beabsichtigt Luft durch die Nase ein. Dann nickte er bedächtig. Bedauern legte sich auf seine Züge.

Sziedeyna begann zu sprechen.

"Du bist warm, du bist hell, du bist ein Hafen. Aber ewig bist du nicht."

Thorian nickte kaum merklich.

"Und solltest du es einmal werden", fuhr sie fort, "so wärst du nicht mehr hell. Nicht mehr warm."

Thorian blieb still. Dann sagte er traurig:

"Die Zeit wird mir einen Streich spielen. Umso kostbarer wird, was bis dahin sein kann. Und dann kann ich nicht mehr als hoffen, dass du dich meiner erinnern wirst."

Sziedeyna nickte andächtig.

"Das werde ich bestimmt", hauchte sie.

Dann aber riss Thorian beinahe die Augen auf, als kehre sein eigener Satz verzögert zu ihm zurück.

"Nicht mehr hell, nicht mehr warm? Wenn..."

Er rang um Worte.

"Aber... du bist doch warm. Und du bist nicht dunkel."

Sziedeyna legte den Kopf leicht schief.

"Das ist schön, dass du so von mir denkst. Aber warm bin ich nur mit Kamin, und dunkel bin ich wie die Nacht."

Thorian widersprach sofort.

"Das will ich so nicht akzeptieren. Die Nacht macht niemanden dunkel. Sie lässt Möglichkeit zu leuchten."

Er sprach sich warm.

"Und Wärme ist nichts, was durch Adern pulsiert, sondern was ausgestrahlt wird. Im Tun und Sein."

Sziedeyna wurde nachdenklich.

"Und ich strahle das aus in Tun und Sein? Indem ich..."

Sie sprach es nicht aus.

Thorian antwortete leiser.

"Abseits des Notwendigen... konnte ich das so erkennen."

Sziedeyna wiederholte:

"Abseits des Notwendigen."

Thorian sagte ja, etwas beschämt. Dann energischer:

"Du kannst doch nicht dafür."

"Kann ich nicht?"

In Sziedeynas Blick keimten alte Erinnerungen auf.

"Davon gehe ich... einfach einmal aus", sagte Thorian.

"Nun, ich hatte eine Wahl."

Ihre Stimme wurde nüchtern.

"Eine Wahl zwischen Tod und Untod."

Thorian hielt dagegen.

"Und du hast dich für die Weiterexistenz entschieden. Daran ist nichts Verwerfliches."

"Ich fürchte, das sehen nicht alle so. Aber es ist gut, dass du es so siehst."

Sie kuschelte sich wieder etwas an ihn.

Thorian fuhr sich mit der freien Hand durch den Bart.

"Vielleicht bin ich ein liebestrunkener Naivling. Aber ja, ich sehe es so."

Sziedeyna schmunzelte leise.

"Vielleicht bist du das. Aber ich bin es auch."

Trotzdem kam Thorian auf den Faden zurück. Traurig.

"Du hast recht. Es wird der Moment kommen, da ich alt werde..."

Er schluckte leicht.

"Vielleicht wäre es für dich einfacher..."

Sziedeyna hob interessiert den Kopf.

"Naja. Vielleicht gibt es da draußen noch jemanden, der dir in die Ewigkeit folgen kann und nicht irgendwann vergeht."

Er wich ihrem Blick aus. In seiner Brust machte sein Herz einen Sprung, und Sziedeyna mochte es spüren.

Sie senkte leicht die Augenlider und zog die Brauen hoch.

"Das ist... ein seltsamer Gedanke."

Dann atmete sie etwas Luft aus.

"Wer sollte das sein? Er könnte ja unmöglich deine Wärme und dein Licht haben."

Thorian sah aus, als schmerze ihn schon die Vorstellung.

"Mich schmerzt der Gedanke, zurückzubleiben und dich... im Stich lassen zu müssen. Irgendwann."

Sziedeyna lächelte leicht gepresst.

"Das sollte uns jetzt noch nicht sorgen."

Aber ihr Blick verriet, dass die Sorge längst da war. Sie legte eine Fingerspitze auf seine Lippen.

Thorian entschuldigte sich, falls er die Stimmung mit seinen düsteren Gedanken genommen habe. Sziedeyna lächelte etwas morbide.

"Düstere Gedanken sind mir nicht fremd. Sie sind meine ständigen Begleiter."

Dann wurde sie ernster.

"Ich versuche gerade nur etwas zu verstehen."

Thorian öffnete die Augen wieder und sah sie an.

"Du meinst... man kann auch in meinem Zustand warm und hell sein... dann könntest du es auch?"

Sie dachte tief nach.

Leise hauchte sie:

"Wärst du dann noch du? Wären... wir dann noch wir?"

Jetzt war es an Thorian, nachdenklich zu werden. Er versuchte, einen Gedanken zu fassen.

"Abseits der Notwendigkeit... für die man schließlich nichts kann..."

Er sah sie an.

"Wieso soll man gezwungen sein, nicht mehr der zu sein, der man einmal war?"

Sziedeyna folgte seinen Worten. Dann atmete sie einmal durch.

"Tja. Manchmal zwingt einen das Schicksal zum Wandel. Da kann ich ein Lied von singen."

Eine kleine Pause.

"Wenn ich singen könnte."

Der Satz war fast trocken genug, um leicht zu sein. Aber nicht ganz.

"Mein Eindruck ist, ich bin dem Tod schon ein paar Mal zu oft von der Schippe gesprungen. Und das nie auf angenehme Weise. Und jedes Mal musste ich mich neu sortieren."

Sie zuckte mit den Schultern.

"Vielleicht bin ich einfach zu hartnäckig, um zu gehen."

"Bitte bleib hartnäckig", sagte Thorian mit sanfter Stimme.

"Beinahe wäre ich es nicht mehr gewesen. Vielleicht ein paar Minuten länger..."

Thorian sah sie mitfühlend an.

"Was geschah?"

Sziedeyna seufzte.

"Es war... schwer. Das erzähle ich dir vielleicht irgendwann mal."

Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie die Erinnerung abschütteln.

Thorian nickte.

"Wie es dir passt."

Plötzlich weiteten sich Sziedeynas Augen.

"Hmm, ich wollte dir noch was zeigen!"

Thorian wollte das Thema noch nicht ganz abtun.

"Also befürchtest du, es würde eher dazu kommen, dass jemand nicht mehr er selbst sein kann, wenn er..."

"Oh!", machte er dann fast dankbar über die Ablenkung. "Was denn?"

"Du zuerst."

Thorian führte den Gedanken noch zu Ende. Wenn jemand von diesem Schicksal ereilt werde.

"Also", sagte Sziedeyna, "es ändert schon einiges. Du musst deinen ganzen Lebensrhythmus umstellen. Du musst dich versorgen. Und du musst irgendwie damit umgehen lernen. Das ist keine Kleinigkeit."

Sie zwinkerte kurz.

"Glaub mir, ich habe da Erfahrung."

Thorian sah sie verzweifelt an.

"Du sprichst jetzt vorwiegend von diesen Notwendigkeiten. Aber du bist doch dadurch nicht grausam geworden. Jedenfalls nicht so, wie es viele sind, die nicht dein Schicksal teilen. Also, es muss doch nicht zwangsläufig so werden, nehme ich einfach an?"

Sziedeyna presste die Lippen aufeinander und schaute ihn an, als sei dort eine unausgesprochene Leerstelle.

"Ich war sehr grausam."

Der Satz fiel schlicht.

"Und es hatte alles mit der Notwendigkeit zu tun."

Thorian wirkte zweifelnd. Das müssten doch zwei verschiedene Paar Schuhe sein.

Sziedeyna sah ihn einen Moment nur schweigend an.

Dann atmete Thorian tief durch.

"Entschuldige. Es ist mir wohl doch weniger als erhofft möglich, mich in eine solche Situation zu denken."

"Du kennst halt dieses Ding tief in dir nicht, weil du es nicht hast."

Ihre Stimme wurde leiser.

"Manchmal ist es wie ein Kampf. Es will die Oberhand gewinnen. Und es ist sadistisch und grausam."

Fast flüsternd fügte sie hinzu:

"Das Einzige, was hilft, ist die Erinnerung an das, was man einst war."

"Man legt nie ab, was man einmal war", sagte Thorian ebenso leise.

Sziedeyna sah ins Feuer oder vielleicht durch das Feuer hindurch.

"Oft genug bin ich aufgewacht von etwas, das ich nur wie im Rausch erlebt habe und an das ich mich kaum erinnern konnte. Da lag ich, in einer Lache aus Blut, mit einem Mann oder einer Frau. Tot."

Sie schluckte nicht. Sie sagte es nüchtern, aber die Nüchternheit war schlimmer.

"Manchmal habe ich gefleht: Das bin ich doch nicht. Aber doch, das war ich. Oder das waren... wir. Oder das Ding. Aber ich bekomme es ja nicht aus mir raus. Es ist Teil von mir."

Thorian drückte sie sacht.

Sziedeyna dachte kurz nach.

"Stell dir vor..."

Thorian seufzte leise.

"Dann ist das ein anderer Teil dessen, was du warst und vielleicht bleiben wirst."

Sziedeyna setzte an:

"Die Welt besteht aus Menschen, die aus Brot gebacken sind. Nur du bist anders. Sie müssen nicht essen, aber du musst. Die einzige Nahrung ist das Brot, aus dem sie bestehen. Du würdest sie irgendwann anbeißen, oder nicht?"

Sie ließ den Gedanken nicht sanft werden.

"Und wenn der Hunger zu groß wird, würdest du sie regelrecht verschlingen. Du würdest ihre Hände und Füße abbeißen und sie verschlingen. Und übrig blieben nur Krümel."

Thorian blieb trotzig.

"Aber das steht so im Gegensatz zu dem, wie ich dich kennenlernen durfte."

"Ja? Hast du es nicht erlebt?"

Sziedeyna strich sacht über seinen Arm.

"Das... ja", sagte er. "Das war nicht, wie du eben beschriebst."

"Nicht?"

Sie schaute verwundert.

Thorian seufzte.

"Vielleicht nur ein kleines bisschen."

Dann lenkte er das Thema fort.

"Aber du wolltest mir etwas zeigen, ja?"

"Ah!"

Sziedeyna sprang innerlich sofort auf den neuen Faden.

"Ja, unten. Komm einmal mit."

Sie erhob sich ruckartig und zog an ihm. Thorian ließ sich hochhelfen.

Unten deutete Sziedeyna zum Schrank.

"Mach mal auf."

Thorian trat an den Schrank und öffnete ihn vorsichtig.

"Oh! Puh!"

Im Inneren stand eine sorgfältige Auswahl von Flaschen. Nicht einfach hineingestellt, sondern geordnet. Etiketten nach vorn. Verschiedene Sorten. Ein kleiner Vorrat für jemanden, dessen Körper trinken konnte.

"Damit du immer was zu trinken hast", sagte Sziedeyna.

Thorian sah hinein.

"Da habe ich ja noch was vor mir, hm?"

"Schon, etwas. Ich wusste nicht, was du am liebsten magst, also habe ich einfach alle Sorten besorgt."

Thorian nahm die eine oder andere Flasche hervor und betrachtete die Etiketten.

"Eine nette Auswahl gewiss."

Sziedeyna beobachtete ihn. Dass ihm die sorgfältige Aufstellung auffiel, war ihr anzusehen. Es war kein großer Zauber, keine blutige Wahrheit, keine metaphysische Frage. Nur Flaschen. Aber gerade darin lag etwas Rührendes.

Sie konnte nicht mit ihm trinken. Also hatte sie dafür gesorgt, dass er es bei ihr konnte.

Thorian grinste sie an.

"Da wird sich immer etwas Passendes finden. Danke."

Er stellte die Flaschen ebenso sorgfältig zurück, Etiketten nach vorn.

Sziedeyna betrachtete ihn dabei zufrieden.

"Wirklich, danke, liebe Sziedeyna."

Sie nahm ihn kurz in den Arm. Thorian wirkte erleichtert, vielleicht weil das vorherige Thema zunächst aufgeschoben war. Einen kurzen Augenblick vergrub er sein Gesicht in ihren Haaren.

"Nimm dir gern eine Flasche raus", sagte sie.

"Den Gedanken hatte ich gerade auch."

Sziedeyna zog ihn sacht zum Tisch. Thorian griff schnell noch ins oberste Regal und nahm eine Flasche mit sich. Er entkorkte sie, blickte Sziedeyna aber ernst an.

"Wenn du gerade ebenfalls Durst verspürst?"

Sziedeyna hielt inne.

"Ich... brauche gerade nichts."

Hinter den Worten lag eine unausgesprochene Wahrheit. Vielleicht: nicht nichts. Vielleicht: nicht jetzt. Vielleicht: nicht auf diese Weise.

Thorian nickte nur und nahm einen kleinen Schluck.

Sziedeyna schaute ihm dabei zu und lächelte leicht. Dann betrachtete sie das Etikett.

"Scheinst ein Honigmäulchen zu sein. In deiner Küche steht auch ein Glas Honig."

Thorian grinste schief.

"Manchmal lasse ich mir gerne Honig um den Mund schmieren."

Sziedeyna lachte kurz auf.

"Das mache ich gern bei dir."

"Hm... vielleicht wird der Honigtopf dann noch mal nützlich."

"Ich schmier ihn dir gern ums... Mäulchen."

Sie betrachtete dabei seine Lippen.

Thorian leckte sich über die Mundwinkel.

"Aber dort sollte er ja nicht einfach verbleiben. Wäre ja schade drum."

"Genau so."

Sziedeyna grinste leicht und näherte sich ihm langsam. Sie schaute ihm tief in die Augen. Dann schlossen sich ihre Lider, und ihre Lippen näherten sich den seinen.

Thorian beugte sich sacht vor und empfing sie zu einem zarten Kuss. Seine rechte Hand suchte ihre linke. Sie fand sie. Seine Finger verschränkten sich mit ihren.

Wieder kehrte diese Friedlichkeit in Sziedeyna ein.

Der Kuss hielt eine Weile in Zärtlichkeit an. Dann löste Sziedeyna ihn sacht und rückte etwas näher, um sich an ihn zu lehnen.

"Gerade ist alles leicht", hauchte sie.

"Und hell. Und warm."

Thorian lehnte seinen Kopf an ihren.

"So kann es bleiben", flüsterte er.

Sziedeyna hauchte in sein Ohr:

"Für eine Ewigkeit."

Thorian zog unmerklich, vielleicht auch nicht unmerklich, etwas mehr Luft durch die Nase ein als nötig.

Die Aleflasche stand vor ihm. Irgendwann griff er danach, betrachtete sie, seufzte und stellte sie wieder ab.

"Hm", machte Sziedeyna.

"Was beschäftigt dich?"

"Nichts, Liebste", sagte er und versuchte mit liebevoller Stimme auszuweichen.

Sziedeyna sagte nur erneut:

"Hm."

Dann nickte sie kaum merklich.

Eine Weile später fragte sie:

"Fragst du dich, wie es wäre, wenn auch du nichts mehr von solchen Getränken hättest?"

Thorians Antwort ähnelte ihrem vorherigen Hm.

"Die Frage stellte sich mir für gewiss schon."

"Und?"

Er sprach kaum hörbar.

"Ich möchte dir der helle, warme Punkt in der Düsternis sein. Aber ich weiß nicht, ob ich das dann noch sein könnte."

Sziedeyna nickte langsam.

"Ja. Die Frage aller Fragen. Ich weiß darauf leider auch keine Antwort. Aber..."

"Ja?"

In Thorians Augen flackerte kurz etwas wie Hoffnung.

"Ich habe eben schon darüber nachgedacht. Wäre es nicht unfair, dich auf diese Funktion zu reduzieren? Bist du nicht mehr?"

"Was kann ich mehr sein als der helle, warme Punkt?"

"Siehst du dich nur als das?"

"Du beschriebst mich so."

"Zugegeben", sagte Sziedeyna, "das helle, warme Licht ist schwer zu durchschauen. Aber ich denke schon, dass dahinter noch mehr liegt, das mich... anzieht."

Sie dachte weiter.

"Wärst du wie ich, hätte das auch Vorteile."

Thorian blickte sie fragend an und nickte sacht.

"Dann wäre für die Ewigkeit nicht nur eine Floskel."

"Ja. Es würde vieles verändern, aber es gäbe dann nicht mehr dieses... hm, Problem zwischen uns."

Sofort schob sie nach:

"Aber das soll kein Angebot sein. Versteh mich nicht falsch. Darüber würdest du ganz allein entscheiden."

Sie verstummte kurz.

"Und ich weiß auch nicht..."

Die Stille streckte sich.

"Und würdest du mich heute fragen, ich müsste ablehnen. Und morgen auch. Aber vielleicht irgendwann nicht mehr. Bis dahin brauche ich dich anders. Vielleicht, damit ich dann bereit dafür wäre, jemandem den... Kuss zu schenken."

Thorian verstand.

Er könne auch nicht sagen, ob es wirklich das sei, was er wollte. Die Konsequenz sei ihm bewusst und doch nicht, jedenfalls was ihn selbst betreffe. Was sie beide betreffe, schreie danach, alle anderen Aspekte beiseitezuwischen. So ehrlich könne er wohl sein.

Sziedeyna nickte.

"Ja, das ist keine leichte Entscheidung. Zumindest nicht unter diesen Umständen. Und auch keine, die du allzu bald treffen müsstest."

"Aber sind es nicht die Umstände, die es gerade leicht machen?"

"Jetzt gerade, hier?"

Thorian seufzte. Er wisse es auch nicht. Wenn er doch nur wüsste, ob er noch das sein dürfte, was sie gerade jetzt benötigte.

"Du meinst, was du jetzt bist?"

"Na, das Helle und Warme."

Es war zum Verrücktwerden, sagte er leise verzweifelt.

Sziedeyna sah ihn an.

"Du solltest mehr darüber nachdenken, ob du dir selbst dann noch gefielst."

Das saß.

"Aber das kannst du, abgesehen von meinen Schilderungen, auch nur begrenzt erahnen. Du kennst mich nicht von früher. Du kennst mich nur so, wie ich jetzt bin. Du weißt also nicht, inwieweit ich mich verändert habe."

Thorian nickte bedächtig. Wer kenne sie nicht, die Geschichten um Vampire. Der Volksmund kenne natürlich nur die schlimmsten Versionen. Und er finde sie bei ihr nicht bestätigt, wolle er anmerken.

"Erzähl mir eine", sagte Sziedeyna und lächelte leicht.

Doch Thorian fragte zurück:

"Wie warst du denn vorher?"

Sziedeyna dachte nach.

"Wie ich vorher war? Hmm... allein. Hab mich durchgeschlagen. Mein Ding gemacht. Und war... von Schuld geplagt."

Sie hielt inne.

"Vielleicht bin ich gar nicht so anders. Bloß, dass die alte Schuld getilgt ist und an ihre Stelle eine neue Schuld getreten ist. Vielleicht hat sich gar nicht so viel geändert."

Thorian antwortete leise, aber bestimmt:

"Wenn du nicht alleine sein musst, kann die alte Schuld zwar bleiben. Aber neue Schuld wiegt dann weniger. Teil sie mit mir. Das war mein Angebot. Nun erweitert. Zusammen so wie jetzt, oder wie zwei, die die Nacht teilen."

Er seufzte wieder und blickte auf die Flasche vor sich.

"Es ist gut, dass diese zwei Wege möglich sind", sagte Sziedeyna und schmiegte sich etwas enger an ihn.

Thorian lehnte den Kopf an ihren. Dann schob er die Flasche weiter von sich fort.

"Ist sie schon leer?", fragte Sziedeyna.

"Nein. Mir ist gerade nicht mehr danach."

Sein Blick wurde beinahe störrisch.

"Jedenfalls", begann er leise, "möchte ich die Bürde auf mich nehmen. Für uns."

Sziedeyna rieb ihren Kopf sanft an seinem.

"Du bist schon ganz schön opferbereit, Thorian. Ich hoffe nur, dass du weißt, worauf du dich einlässt."

"Weiß man das denn je?"

Sziedeyna schmunzelte leise.

"Nein, wohl nicht. Ich möchte nur nicht, dass du irgendwann meinst, ich hätte dich nicht gewarnt. Ich möchte ehrlich mit dir sein."

"Das weiß ich mehr zu schätzen, als du dir vorstellen kannst."

Dann wogte etwas in Thorian.

"Ist es denn so eine verflixte Zwickmühle? Vielleicht muss man einfach ins Handeln kommen. Was hilft denn alles Lamentieren..."

"Ja", sagte Sziedeyna. "Ins Handeln kommen. Ich muss gestehen, dass mir etwas bange davor ist. Unseren... Pakt in die Tat umzusetzen."

Thorian deutete an, auch hier gebe es einen Weg.

"So?"

"Der Pakt erlösche... unter anderen Umständen."

Dann ließ er den Kopf hängen.

"Aber wäre das wirklich besser?", fragte Sziedeyna.

"Nein. Nicht so, wie eigentlich angedacht."

"Dann hätten wir mich, ungebremst, tötend. Und dich, mit einer solchen Vampirin an der Seite, die dir kein gutes Vorbild wäre. Wir wären eine Katastrophe."

Sie lachte kurz gequält.

Thorian schaute umher, als wolle er die Stadt selbst in den Blick nehmen.

"Wir könnten nicht hier bleiben. Nicht so. Wir könnten dies Britain nicht antun."

"Hm!"

Sziedeyna wurde nachdenklich.

"Vielleicht könnte Anca mir helfen. Das nachholen, was... nicht mehr möglich war."

Hoffnung glomm in Thorians Stimme auf.

"Was meinst du?"

"Normalerweise, wenn du den Kuss empfangen hast, wird dir alles gezeigt. Du lernst das Handwerk. Bei mir ist es nie dazu gekommen. Ich war allein mit allem. Aber jetzt, wo sie wieder da ist, kann sie mir vielleicht helfen."

Thorian fragte fast eifrig, ob Ancanagar auch wisse, was vom damaligen Sein bleibe.

"Vielleicht. Sie weiß sicher viel."

"Ob sie uns vielleicht helfen würde?"

"Ich hoffe es."

Dann wurde Sziedeyna leiser.

"Auf manche Fragen möchte ich aber vielleicht auch keine endgültige Antwort. Außer natürlich, sie wäre zu meinen Gunsten."

"Dann stellen wir diese Fragen vielleicht einfach nicht?"

"Mein Kopf stellt sie sich leider immer wieder. Und deine Anwesenheit macht es nicht unbedingt besser, mir diese Fragen zu stellen."

"Welche Frage ist es denn nun?", bohrte Thorian sacht nach.

Sziedeyna löste sich spontan von ihm, wechselte auf die andere Seite des Tisches und setzte sich ihm gegenüber. Sie schaute ihn genau an.

"Was siehst du?"

"Ehm. Dich?"

"Aber was bin ich? Bin ich überhaupt... ich? Vielleicht sind wir beide einem Trugbild aufgesessen."

Verwirrung stand Thorian ins Gesicht geschrieben.

"Ich nehme doch an, dass du du bist. Wir wollten doch so sein, wie wir sind. Und das klappte doch bisher?"

"Erinnerst du dich an Ancas Worte zur Seele?"

"Ich glaube, sie zweifelte an, dass es sie gibt. Ausgehend von Studien?"

"Dass es sie bei uns gibt."

Sziedeyna sprach weiter, und jedes Wort schien aus einem Raum zu kommen, den sie sonst verschlossen hielt.

"Ich habe mich oft gefragt, ob die echte Sziedeyna vielleicht gestorben ist und ich an ihre Stelle getreten bin."

Thorian sah sie an.

"Allein, dass du dir diese Fragen stellst, sehe ich als Hinweis."

"Und dann hätte nicht ich mich zu dieser Existenz entschieden, sondern sie. Vielleicht gar nicht wissend, was das für sie bedeutet. Und dann könnte ich vielleicht wirklich nichts dafür. Es hätte zugleich Gutes und Schlechtes."

Sie wirkte verloren in der Logik dieses Gedankens.

"Manchmal fühle ich mich, als besetze ich im Leben einen Platz, der mir eigentlich nicht mehr gehört."

Langsam stand sie auf und ging seufzend wieder zu ihm.

Thorian sagte:

"Wenn du mich fragst, hat die frühere Sziedeyna keine Bedeutung. Ich kenne nur diese, die nun hier sitzt."

Dann schluckte er kurz.

"Aber auf eine merkwürdige Weise kann ich nachempfinden, was du meinst. Ich bin auch nicht der Thorian, den du vor dir sitzen siehst. Jedenfalls noch nicht sehr lange."

Sziedeyna legte den Kopf wieder an ihn.

"Aber ist das nicht respektlos ihr gegenüber? Wenn es stimmen sollte, dann möchte ich ihr Erbe würdig antreten. Vielleicht ist das manchmal das Einzige, das mich wieder auf den Boden der Vernunft zurückholt. Dass sie nicht umsonst gestorben ist."

Dann nahm sie erst seine zweite Aussage auf.

"Bist du nicht?"

Thorian bat, erst über ihre Worte nachsinnen zu dürfen, ehe er auf sich eingehe. Er müsse etwas länger darüber nachdenken. Ob sie ihm dies übelnehme?

Sziedeyna schüttelte sacht den Kopf.

"Nein. Das sind ja keine einfachen Themen."

Dann merkte sie selbst, wie viel das war.

"Ehrlich gesagt, hm, wo ich so darüber nachdenke, das ist schon einiges."

"Sehr vieles, ja."

"Dürfte ich dieses Mal um eine Nacht... oder einen Tag Bedenken bitten?", fragte Thorian.

Sziedeyna schmunzelte leicht.

"Natürlich."

Sie rieb ihren Kopf wieder an ihm. Thorian blickte sie eingehend an und küsste ihr Haar, als die Gelegenheit günstig war.

"Wir werden noch so manche Antwort finden. Ich glaube fest daran."

Es klang nach Hingabe.

"Ich hoff's."

Sziedeyna sprang auf und ging zur Tür.

Thorian tat es ihr gleich. Sie stellte sich demonstrativ abwartend und damenhaft neben die Tür. Er griff nach ihren Händen.

Sie lächelte ihn glücklich an.

"Es wäre doch gelacht, wenn es keine Lösung gäbe", sagte er liebevoll.

Sziedeyna streckte den Kopf etwas vor, formte die Lippen zum Kuss und schloss die Augen, auf ihn wartend.

Sanft trafen seine Lippen auf ihre, begleitet von einem wohligen Seufzen.

"Allein dafür werden wir Antworten finden müssen", sagte er nach dem Kuss.

Sziedeyna schaute ihm tief in die Augen und nickte.

"Auf bald, liebster Thorian."

Sie machte eine leichte Verbeugung.

"Auf bald, holde Sziedeyna!"

Thorian verbeugte sich tief und grinste sie danach an. Sie erwiderte sein Grinsen.

Dann wollte er sie noch einmal in den Arm nehmen. Sziedeyna schmiegte sich eng an ihn und hielt ihn fest. Dabei seufzte sie einmal glücklich.

Thorian kam ihrem Gesicht sehr nahe und sah sie liebevoll an. Dann seufzte er, diesmal mit glücklichem Lächeln, und gab ihr einen weiteren Kuss. Nicht lang, aber ehrlich.

Sziedeynas Kuss reagierte leicht verzögert und ging schon ein wenig ins Leere.

Thorian grinste.

"Merk dir die Stelle."

Dann löste er sich von ihr.

Sziedeyna ließ die Hand noch einmal über ihn fahren, ehe sie ihn freigab.

"Gute Nacht, Liebste."

"Gute Nacht, Liebster", hauchte sie. "Einen guten Heimweg."

Thorian winkte ihr noch einmal zu und verschwand schließlich in den Gassen der Stadt.

Sziedeyna sah ihm nach.

Dann betrat sie wieder ihr Haus und blies die Kerze aus.

Die Kissen lagen vor dem Kamin.

Der Schrank war gefüllt mit Getränken, die nicht für sie bestimmt waren.

Die Fensterläden warteten bei ihm, fest und passgenau, ein Schutz gegen den Morgen.

Und irgendwo zwischen all dem lag eine Frage, auf die noch niemand eine Antwort hatte: ob Ewigkeit ein Fluch blieb, wenn man sie nicht allein durchstehen musste.

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