Die Waldelfe trat aus der Stadt hinaus und wendete sich in Richtung des Waldes. Als ihre Füße wieder Waldboden betraten, seufzte sie kurz vor Erleichterung auf. In letzter Zeit fiel es ihr schwer, den Wald für lange Zeit zu verlassen. Schnell erfüllte sie eine Unruhe, wenn der Strom des La zu schwach wurde für ihre Sinne. Als sie ihn jetzt wieder unter sich fließen fühlte, legte sich die Anspannung und ihr Gesicht wurde wieder weich. Die Melodie in ihren Inneren erklang leise und Yllaria blieb stehen. Ein warmes Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus, als Nathan aus dem Schatten eines Baumes trat und auf sie zukam. Kurz meinte sie auch seine Augen warm aufleuchten zu sehen. Aber da war auch Sorge in seinem Blick. Er schein die Veränderung in ihr zu spüren. Sie setzten ihren Weg weiter in den Wald hinein fort. Yllaria sog den Anblick der Natur um sie herum gierig auf und lauschte dem leisen Rascheln der Blätter über ihnen. Sie blieb stehen und ließ ihre Hand gedankenverloren über die Rinde eines alten Baumes wandern. Langsam ließ sie das La durch sich hindurchfließen und Ruhe und Zuversicht erfüllten sie. Sehnsuchtsvoll schloss sie kurz die Augen. Sie spürte die Resonanz zu ihrer eigenen Magie, die den Waldboden mit einem sanften grünen Leuchten erfüllte. Als sie die Augen wieder öffnete und Nathans Blick begegnete, hatte sie die erste Gelegenheit ihn zu mustern. Langsam ließ sie den Blick über ihn wandern. Sie empfand keinerlei Scharm für ihre Neugier, vielleicht weil es nicht ihrer Natur entsprach, und genoss seinen Anblick. Veränderung es stimmte, irgendetwas hatte sich verändert. Es fühlte sich so an, als würde sich die Verbindung mit dem Wald stärker spannen. Das Warum jedoch entzog sich weiterhin ihrem Verständnis. Ihr Blick wanderte tiefer zwischen die Bäume. Vielleicht wartete dort ein Teil der Antwort auf sie. Nachdenklich strich sie mit den Fingern über die weichen Falten ihrer Iphaldi. Eine Art von Präsenz hatte sie bisher nicht wahrgenommen. Als sie Nathan nach deren Bedeutung fragte, strahlte Einsamkeit in Wellen von ihm ab. Die Heftigkeit der Reaktion irritierte die Waldelfe. Instinktiv griff sie nach seiner Hand, aus in dem einfachen Bemühen heraus, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Ihre Finger schlossen sich um seine. Kurz ließ sie sich in das Gefühl fallen und die Melodie sang noch lauter zu ihr. Mit einiger Vehemenz musste sie sie wieder weiter nach hinten in ihr Bewusstsein drängen. Sie durfte sich jetzt nicht von ihr forttragen lassen. Er sprach von Ungleichgewicht und einem uralten Konflikt. Gedankenloren lauschte Yllaria dem leisen Rauschen der Blätter um sie herum und ließ seine Worte langsam in sich sinken. Dies war nur eine mögliche Erklärung. Sie musste dem nachgehen, versuchen den Schleier ein wenig weiter zu lüften. „Du bist ein Geschöpf des La?“ riss die Frage sie wieder in die Gegenwart. Aî vielleicht war es der schönste Teil ihrer selbst. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht. Wenn sie eins mit dem Wald war und ihr Wesen sich in allem widerspiegelte, in den Blättern, die sich im Wind wiegten, dem Moos unter ihren Füßen, das sanft über ihre Haut strich oder die Bäume, die in ihrer Weisheit im Mittelpunkt des ewigen Kreislaufes standen. Manchmal vergaß sie, dass diese Selbstverständlichkeit für viele Wesen immer ein Geheimnis bleiben würde. Das ein Mensch nie den Wald so erleben wird, wie sie es tat. Aber sie war eben auch kein Mensch, trotz all der Ähnlichkeiten. Nathan nahm etwas Moos vom Boden in seine Hand und die feine Struktur gefror bei seiner Berührung. Dies war also auch eine Wirkung jener Präsenz. Kurz war die Waldelfe fasziniert von dem Anblick, wie sich die Mondstrahlen in den Eissplittern brachen, wie kleine Stern in der Nacht. Sie streckte die Hand nach dem Eis aus, feine Manafäden sammelten sich an ihrer Fingerspitze und flossen langsam in die kalte Masse. Sanfte Wärme breitet sich aus und die Kühle des Eises wich dem satten Grün. Das Geheimnis der Nacht, Nathan befürchtet es können sie schwächen. Die Waldelfe lauschte wieder dem Strom des La unter ihren Füßen und der leisen Melodie in ihren Inneren. Die Worte hallten in ihr nach aber nichts davon erfüllte sie mit Angst. Sie vertraute auf den Weg, der vor ihr lag, wie auch immer dieser aussehen mochte. Sie vertraute auf die Verbindungen, die sie geschaffen hatte und die sie tragen würden. Voller Selbstverständlichkeit. War dies eines der Herausforderungen der Menschen? Sich nicht zu schnell leiten zu lassen von ihren Ängsten? Spürten sie nicht das Licht der Tage, die noch vor ihnen lagen, ihre Strahlen aber schon verheißungsvoll in die Gegenwart sandten? Vielleicht würde sie genügend Zuversicht für sie beide in sich tragen.
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