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Antwort auf: Sziedeyna - Sziedeyna

Vorgeschichte: Die Nacht der Spaltung

Sziedeyna 01.02.2026 17:20
zuletzt editiert: 01.02.2026 20:07
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Es heißt, manche Ereignisse bringen eine Seele dazu, zu zerspringen. Sie fragmentiert – in zwei oder gleich mehrere Stücke. Meist resultiert dies darin, dass sich in einem Wesen mehrere Persönlichkeiten bilden, die sich den Platz teilen. Die Ursache besteht oft darin, dass das Ereignis zu viel für eine Persönlichkeit war, um verkraftet zu werden. Und so bildet sich eine Persönlichkeit, die den vollen Schmerz in sich trägt, sich aber gleichzeitig in die hinterste Ecke eines dunklen Zimmers zurückzieht und von nun an anderen Persönlichkeiten den Vortritt lässt, mit der Welt in Kontakt zu treten.

Bei Sziedeyna schien jedoch etwas anderes passiert zu sein. Vielleicht war es eine kosmische Intervention, vielleicht aber auch ein perfides Experiment einer höheren Macht. Nachdem Sziedeyna in ihrer Jugend ihre Eltern im Affekt ermordet hatte, war das für sie eigentlich zu viel, um damit leben zu können. So entstand irgendwo in einer anderen Welt ein Abbild von ihr, das diese Last an sich nahm. So gab es fortan zwei Sziedeynas, die nichts voneinander wussten.

Die Sziedeyna, die wir kennen, wurde damals von ihrer Last befreit. Sie empfand Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Tat und lernte, damit zu leben. Die andere Sziedeyna, die ihre volle Last trug, war jedoch von einer Dunkelheit beherrscht, die sie nur zu gut verbergen konnte. Äußerlich glichen sich beide Sziedeynas bis aufs Haar. Sogar ihr Lebenswandel unterschied sich nicht. Beide bestritten ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsaufträgen, die meist die Besorgung von Zaubermaterialien für zwielichtige Auftraggeber beinhalteten. Aber tief in ihrem Inneren unterschieden sie sich. In der einen loderte Selbsthass, in der anderen herrschte eine innere Leere vor – so, als wäre ihr einst etwas genommen worden, das ihr seitdem fehlte.

Die Sziedeyna mit dem Selbsthass trug auch jenen Hass in sich, der sie damals zu der grauenvollen Tat angestiftet hatte: die Verachtung für die profane Welt ihrer Eltern, in der sie aufgewachsen war. Sie hatte keinen Sinn in ihr finden und es nicht ertragen können, wie sich alle in dem kleinen Dorf nur um Dinge wie die nächste Ernte gekümmert hatten. Die Menschen dort waren ihr wie eine Herde Schafe vorgekommen, deren einziger Sinn eigentlich darin bestanden hatte, irgendwann zur Schlachtbank geführt zu werden. Sie hatte stattdessen von Unsterblichkeit geträumt – vom ewigen Leben. Sie hatte sich vorgestellt, wie alle, die sie gekannt hatte, irgendwann ihr sinnloses Leben ausgehaucht hätten, während sie geblieben wäre. Sie hatte dazu recherchiert und sich u. a. mit dunklen Ritualen beschäftigt. Ein Verfahren, Unsterblichkeit zu erlangen, war bei ihr allerdings nachhaltig hängen geblieben: Vampirismus.

In jener Nacht eskalierte die Situation. Sie hatte zuvor schon oft gegen die Vorgaben ihrer Eltern verstoßen und war trotz Hausarrests nachts heimlich davongeschlichen. Doch nun erwarteten ihre Eltern sie, als sie von ihrer nächtlichen Eskapade zurückkehrte. Sziedeyna war fuchsteufelswild, als ihre Eltern ihr erneut damit drohten, sie ins Kloster zu schicken. Voller angestauter Wut und Verachtung griff sie im Affekt zu einem großen Küchenmesser und erstach diejenigen, die in dem Moment für sie nichts anderes gewesen waren als die Ursache all ihrer Unzufriedenheit. Vielleicht war sie in dem Moment nicht sie selbst, sondern ein dunkler Engel in sie gefahren, der sie im entscheidenden Moment befähigte, diese schreckliche Tat zu vollüben.

Nur eine Sziedeyna trug das volle Ausmaß ihrer Tat mit sich herum. Sie hielt an ihrem sehnlichen Wunsch nach Unsterblichkeit fest – vielleicht, weil nur das ihrer Schuld einen Sinn geben konnte. Und vielleicht wollte sie auch, dass der Vampirismus ihre Seele für immer verdammen würde. Ihrer Tat folgte die sofortige Flucht. Sie packte ihre sieben Sachen. Doch als ob ihre Tat nicht schon schlimm genug gewesen wäre, schnitt sie ihrem Vater noch das Herz aus der Brust, wickelte es in ein Tuch und steckte es ein. Es sollte ihr Andenken an ihre Schuld sein, die sie sich niemals zu vergessen erlauben wollte. Und so lebte sie die nächsten Jahre ein unscheinbares Leben in Britain, wo sie inzwischen ein kleines, bescheidenes Haus bewohnte. Im bunten Treiben der Stadt würde niemand vermuten, welches dunkle Geheimnis sie tief weggeschlossen in sich trug.


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