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Antwort auf: Vor einem Jahr: Der Turm - Sziedeyna

Fahrendes Volk

Sziedeyna 01.02.2026 20:19
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Irgendwann setzte sich Sziedeyna wieder in Bewegung und ging eher ohne Ziel los. Zur verirrt waren ihre Gedanken zu diesem Zeitpunkt. In einiger Ferne machte Sziedeyna nach einer Weile Lichter im Wald aus, die normale Augen wohl kaum wahrgenommen hätten. Sie ging darauf zu und fand bald ein Lager fahrenden Volks, das in einer Lichtung kampierte. Im Zentrum loderte ein großes Feuer, das umstellt war von mehreren verschiedenfarbigen Wagen. Sie blieb in einigem Abstand stehen und beobachtete das Lager. Stimmen drangen an ihr Ohr. Sie sah mehrere Personen, die sich unterhielten.

In ihrem Zustand war ihr nicht gerade nach Gesellschaft, allerdings auch nicht danach, mit ihren quälenden Gedanken allein zu sein. Nach der vollen Blutmahlzeit von vorhin war Hunger für sie gerade nichts, das ihre Gedanken beherrschte, und das würde auch noch eine Weile so bleiben. So wagte sie es und näherte sich. Als sie sich aus dem Schatten der Umgebung schälte, bemerkten die anwesenden Leute sie schnell. Ihre Blicke wandten sich Sziedeyna zu, skeptisch den Neuankömmling musternd, der zu einer ungewöhnlichen Zeit ihr Lager aufsuchte. Sziedeyna näherte sich ihnen und blieb dann einige Schritt vom Feuer entfernt stehen.

Als die Leute ihr seltsame Blicke zuwarfen, merkte sie erst, dass sie gar keine richtige Kleidung trug, sondern nur eine Art Nachthemd, das zudem durch die Experimente ziemlich mitgenommen aussah. Bei ihrer linken Brust war der Stoff völlig durchlöchert und blutüberströmt. Sziedeyna schaute an sich herunter und schämte sich in dem Moment. Dann hob sie den Blick wieder und schaute die Umstehenden an. Einer von ihnen durchbrach die Wortstille: "Brauchst du Hilfe?" Sziedeyna schaute dem Mann eine Weile in die Augen, bis sie lediglich ein sachtes Nicken zustande brachte.

Der Mann rief einer der anwesenden Frauen zu: "He, Hailey, du hast doch sicher für diese junge Dame etwas zum Anziehen, oder?" Die Frau musterte Sziedeyna und nickte ihm dann zu. "Klar, sie soll mal mitkommen." Hailey deutete Sziedeyna an, mit in ihren Wagen zu kommen und Sziedeyna folgte ihr langsam, noch immer nicht ganz geistig anwesend, als würde das Vergangene zu viel ihrer mentalen Kapazität beanspruchen.

Im Wagen musterte die Frau Sziedeyna erneut und suchte ihr dann einen dunklen Rock und eine dazu passende ärmellose Bluse raus. Sie wollte ihr auch gerade eine warme Decke dazu geben, aber Sziedeyna winkte kaum merklich ab und sagte leise, kaum hörbar: "Mir... ist nicht kalt." Hailey wunderte sich etwas ob dieser Worte, legte die Decke aber dann beiseite. Sziedeyna zog sich vor ihr um und beide verließen kurz darauf wieder den Wagen und gingen zu den anderen ans Feuer. Hailey bot ihr einen Platz auf dem Baumstamm vor dem Feuer an und Sziedeyna setzte sich darauf, mit leeren Augen ins Feuer starrend.

Einer der Männer sagte schließlich: "Vielleicht sollte Rona sie sich mal ansehen. Mir scheint, ihr hat es nicht nur an Kleidern gemangelt. Was meint ihr?" Die anderen schauten sich gegenseitig an und nickten dann langsam. "Ja, vielleicht", sagte einer von ihnen. "He, wie heißt du eigentlich, Unbekannte mit den dunkelroten Haaren? Ich bin Geoffrey.", entfuhr es schließlich dem Mann, der schon Hailey nach Kleidern für Sziedeyna gefragt hatte. Sziedeyna brauchte einen Moment, um ihren Blick vom hypnotischen Tanz der knisternden Flammern zu lösen, und ihn auf Geoffrey zu richten. Sie zögerte noch kurz, aber brachte dann leise und gebrochen ihren Namen heraus: "Sziedeyna." Geoffrey fuhr fort: "Dann willkommen in unserem bescheidenen Heim, Sziedeyna. Wir helfen gerne jedem in Not. Und du siehst aus als ob du Hilfe gebrauchen könntest. Was ist denn mit dir passiert?"

Sziedeyna zuckte zusammen bei dieser Frage, da sie sie unweigerlich wieder direkt in ihre Erinnerungen zurückbrachte. Sie brachte kein Wort heraus. "Definitiv ein Fall für Rona", sagte Hailey. Sziedeyna schaute Hailey den Kopf langsam drehend an. Hailey führte weiter aus: "Ja, Rona, sie lebt in dem Wagen dort." Sie zeigte auf den grünen Wagen, in dessen Richtung Sziedeyna eh von ihrem Sitzplatz am Feuer schaute. "Sie kann dir bestimmt helfen. Sprich einfach mit ihr." Sziedeyna schaute wieder zu Hailey. Diese legte nach: "Du kannst jetzt zu ihr gehen, wenn du magst." Sziedeyna zögerte noch einen Moment, als wüsste sie nicht genau, was sie tun sollte. Wer war diese Rona und wie konnte sie ihr helfen?

Nach einer Weile stand Sziedeyna langsam auf und ging zum grünen Wagen. Sie schaute durch den Eingang, bevor sie die kleinen Leiterstufen hochging und schließlich im Wagen stand. Sie blickte sich um. Niemand da. Sie sah ein altes Bett, Bücherregale, eine Kommode mit Blumentopf, und einen gemütlichen Sessel mit einer... Kristallkugel daneben. Sziedeyna hatte von so etwas schon mal gehört. War Rona eine Wahrsagerin, eine Hellseherin? Gab es so etwas wirklich? Aber wo war sie denn überhaupt, diese Rona? Die anderen hatten doch gesagt, sie wäre da. Aber Sziedeyna sah niemanden. In dem Moment aber, als sich Sziedeyna gerade umgedreht hatte, um den Wagen wieder zu verlassen, sprach plötzlich eine sanfte Frauenstimme zu ihr: "Bleib hier, Kind. Du bist hier richtig." Sziedeyna erschrak. Schon wieder jemand, der einfach hinter ihr auftauchte, ohne dass sie es bemerkt hatte. Sie drehte sich abrupt um und erblickte in dem Sessel nun eine Frau, die Rona sein musste. Mit der Überraschung im Gesicht geschrieben fragte Sziedeyna leise: "Rona?" Die Frau antwortete mit sanfter Stimme. "Ja, manche nennen mich Rona. Du kannst das auch tun." Sziedeyna stutzte kurz und schaute sie nur an, nicht so recht wissend, was sie mit dieser Rona nun anfangen sollte.

"Komm her", Rona deutete ihr mit einer Geste an, sich ihr zu nähern, "ich möchte dich sehen." Sziedeyna folgte ihrer Aufforderung mit fragendem Blick. "Gib mir deine Hand." Sziedeyna zögerte. "Deine Hand, es tut nicht weh." Rona schmunzelte kurz. Sziedeyna schaute sie nur unsicher an, wohlwissend, dass die Kälte ihres Körpers ihre Natur verraten könnte. Aber gleichzeitig hatte sie auch ein seltsames Vertrauen zu dieser Frau. Sie hatte eine warme Ausstrahlung, die vielleicht mehr andeutete als man es bei einem gewöhnlichen Menschen erwarten würde. Also reichte Sziedeyna ihr langsam die Hand und Rona umfasste sie mit einem festen Griff. Sziedeyna und Rona zuckten fast gleichzeitig etwas zusammen, als hätte zwischen ihnen ein wortloser Austausch stattgefunden, dabei aber das Ergebnis noch nicht offenbart. Sziedeyna schaute Rona suchend in die Augen, ihre Reaktion beobachtend. Rona blickte ihr wiederum fest in die Augen und nickte kurz. "So ist das also", entfuhr es Rona.

Sziedeyna spürte, dass Rona nun um ihre wahre Natur wusste, hatte aber nicht das Gefühl, hier in Gefahr zu sein oder als solche gesehen zu werden. Sziedeynas Hand weiterhin fest haltend, der Druck war Sziedeyna etwas unangenehm, schloss Rona nun die Augen und konzentrierte sich, während sie ein paar für Sziedeyna unverständliche Silben murmelte. Sziedeyna spürte etwas in ihrem Inneren. Als wäre sie gerade nicht mehr allein mit sich in ihrem Geist. Aber die ruhige Ausstrahlung Ronas ließ Sziedeyna Rona gewähren. In ihrem Zustand sah Sziedeyna vielleicht eine gewisse Chance, dass Rona ihr Leid etwas lindern könnte. Als Rona tiefer in ihr Inneres vordrang, verfinsterte sich Ronas Miene zusehends. Ihre Hand drückte sie nun fester, bis Sziedeyna einen deutlichen Schmerz spürte. Aber sie hielt still und ließ Rona weiter tun, was sie tat.

Schließlich kniff Rona ihre Augen fest zusammen, dass sich ihre Stirn runzelte. Kurz nach dem Höhepunkt des schmerzhaften Drucks auf Sziedeynas Hand reduzierte sie den Druck abrupt wieder und öffnete schlagartig die Augen, welche sofort Sziedeynas Augen fixierten. "Kind, was hat man dir angetan!" Sziedeyna, die nun wusste, dass Rona alles gesehen haben musste, fing in diesem Moment bitterlich an zu weinen. Sie brach vor Rona auf die Knie und spürte, wie sich in ihr etwas Erleichterung breit machte, da sie nun nicht mehr mit dem Erlebten allein war. Rona wartete geduldig und hielt weiterhin Sziedeynas Hand, bis diese wieder aufhörte zu weinen und sich langsam wieder fasste. Sziedeyna blieb auf dem Boden vor Rona sitzen und schaute sie an. "Wer bist du?", fragte Sziedeyna sie dann überrascht. "Ich bin nur eine fahrende Frau, die Dinge sieht." Sziedeyna schaute sie weiter an, mit dieser Antwort nicht all zu viel anzufangen wissend. Dennoch nickte sie dann leicht, ohne den Drang zu verspüren, weiter nachzubohren.

Rona ergriff wieder das Wort: "Mit viel mehr werde ich dir leider nicht helfen können. Ich habe dir etwas des Gewichts abgenommen, aber nur die Zeit kann deine Wunden wirklich heilen, junge Vampirin." Sziedeyna zuckte zusammen, als sie so direkt angesprochen wurde. "Keine Angst, dein Geheimnis ist bei mir sicher." Eine kurze Pause entstand, während dieser Sziedeyna Rona prüfend anschaute. "Solange du dich zu benehmen weißt. Du weißt, was ich meine." Sziedeyna verstand und nickte ihr leicht zu. Dann fragte sie: "Kann ich etwas hierbleiben, bei euch?" Rona nickt ihr zu. "Aber natürlich, solange du willst." Sziedeyna lächelte, hatte sie hier doch so etwas wie einen kleinen sicheren Hafen gefunden. Aber dann stellte Sziedeyna ihr noch eine Frage: "Aber, was wenn...?" Rona schaute sie nun mit ernster Miene an und entgegnete: "Meine Worte waren doch eindeutig, oder nicht?" Sziedeyna nickte und schaute zu Boden. Rona fuhr fort: "Aber was du außerhalb unserer beschaulichen Lagerstätte machst, soll mich nicht interessieren." Sziedeyna nickte abermals. Rona schloss das Gespräch ab: "Dann geh nun, Kind, setz dich ans Feuer, wärme dich und lasse das Geschehene los. Nur so kannst du weitermachen." Sziedeyna stand langsam auf, ihre Hände lösten sich und in dem Moment war Rona plötzlich wieder verschwunden. Sziedeyna wunderte sich nicht mehr wirklich und verließ den grünen Wagen, ging zurück zum Feuer und setzte sich zu den anderen.

Geoffrey fragte sie sogleich: "Und? Hat Rona dir helfen können?" Sziedeyna schaute ihn an und überlegte kurz. "Glaube schon", entfuhr es ihr knapp. "Ich darf etwas hierbleiben." Geoffreys Miene hellte sich auf und er lächelte breit. "Dann herzlich willkommen bei uns. Sag Bescheid, wenn dir etwas fehlt." Sziedeynas Gesicht wies nun den Hauch eines Lächelns auf, das Dankbarkeit andeutete. Hailey mischte sich ein: "Du kannst bei mir schlafen." Sziedeyna wandte den Blick zu ihr und lächelte noch etwas mehr. "Danke für eure Gastfreundschaft", brachte sie leise hervor. "Ich hoffe es stört euch nicht, dass ich eher... nachtaktiv bin", legte Sziedeyna nach. "Soll vorkommen", sagte Geoffrey mit verschmitztem Lächeln und fuhr fort: "Du kannst für uns die Nachtwache übernehmen." Sziedeyna wirkte erleichtert und erwiderte in etwas festerem Tonfall: "Gerne. Nochmals danke für die Gastfreundschaft. Ich bringe mich gerne ein." Geoffrey, Hailey und die anderen warfen ihr ein warmes Lächeln zu und Sziedeyna fühlte sich in dieser illustren Truppe gut aufgehoben.

Sie war wie ein Rabe zwischen lauter bunten Vögeln, die sie nicht ganz einzuordnen wusste. Aber gehört hatte sie von solchen Leuten schon, die man fahrendes Volk nannte. In ihrer alten Heimat waren sie besonders häufig, aber dort schienen sie von der Bevölkerung nicht sonderlich gemocht zu werden, weshalb sie stets auf Abstand blieben. Welches Problem die Bevölkerung mit ihnen hatte, hatte Sziedeyna nie verstanden. Ihr schienen diese Menschen ein besseres Leben zu führen als die Leute in ihrem alten Dorf. Sie waren frei und unabhängig. Sie reisten durch das ganze Land und hatten sicherlich viele spannende Geschichten erlebt. So völlig anders als die Bewohner ihres Dorfes, aus dem sie stammte, die nur jeden Tag den immergleichen Routinen folgten.

Die Bewohner des Lagers legten sich bald schlafen, während Sziedeyna am Feuer sitzen blieb und wieder mit ihren Gedanken allein war. Sie hatte sich etwas beruhigt. Die Gastfreundschaft der Leute und insbesondere Ronas Anteilnahme hatten sie etwas getröstet. Aber sie wusste auch, dass es noch ein langer Weg war, die Geschehnisse wirklich hinter sich zu lassen.

Tagsüber, als Sziedeyna eigentlich schlief, wachte sie immer wieder nach Luft schnappend auf. Hailey kam ihr stets zur Hilfe, wenn sie dies bemerkte, und beruhigte sie wieder. "Es war nur ein Traum, du bist hier sicher. Alles wird gut." Sziedeynas Zustand verbesserte sich auch nach mehreren Tagen kaum. Aber sie war froh, hier immerhin nicht ganz allein zu sein mit sich und ihren Erinnerungen. Sie war dankbar und hielt ihren Zustand, soweit sie konnte, stoisch aus.


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