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Antwort auf: Vor einem Jahr: Der Turm - Sziedeyna

Das Mädchen

Sziedeyna 01.02.2026 20:21
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Sziedeyna war in schlechter Verfassung. Nach der abrupten Flucht aus dem Lager des fahrenden Volkes lief sie einfach los. Erst Wald, dann Wiesen, dann wieder Wald. Sie wusste nicht genau, wo sie war. Aber eines wusste sie: Dass sie unbändigen Hunger hatte. Der Morgen graute allmählich und sie wusste, dass sie dringend Unterschlupf finden musste. Glücklicherweise erblickte sie am Horizont ein paar Gebäude, die sie daraufhin direkt ansteuerte. Es war ein Bauernhof mit einer alten Scheune. Sziedeyna kletterte durch ein Fenster und fand einen abgetrennten Bereich, der ihr genug Schutz am Tage bieten konnte.

Als sie sich an einer Wand niederließ, spürte sie ihren Hunger wieder besonders. Es war als ob der Hunger ihre Gedanken vernebelte und einengte. Sie war in einem reinen Überlebensmodus. Aber erst mal hieß es: Den Tag überstehen und dann in der Nacht weitersehen. Wie sollte es jetzt weitergehen? Dieser Ort wirkte nicht verlassen. Wahrscheinlich lebten im Haus neben der Scheune sogar Menschen. Aber da war noch etwas, das Sziedeyna davon abhielt, ein Blutbad an Unschuldigen anzurichten. Ihr Hunger war nicht die Schuld dieser Leute und Sziedeyna haderte mit der Vorstellung, einfach eine Bestie zu sein, die Leichen hinterließ, wo sie gerade das Verlangen danach hatte. Obwohl, Leichen hatte sie schon so einige hinterlassen, jedoch nicht in dieser Welt. Irgendetwas in Sziedeyna klammerte sich an… Menschlichkeit. Vielleicht war es die Fusion, die andere, menschliche, Sziedeyna, die inzwischen auf tragische Weise Teil ihrer vampirischen Natur geworden war, die sie anders empfinden ließ. Aber Sziedeyna merkte auch, dass sie bald eine Lösung für ihr Blutproblem brauchte.

Der Morgen kam und Sziedeyna kauerte sich in die hinterste Ecke der Scheune, wo das Licht sie nicht erreichte. Sie hörte, wie von draußen Geräusche an ihr Ohr drangen. Menschen, die ihren Tagesablauf begannen, dachte sie. Sie hoffte, dass niemand sie hier finden würde. Denn davonlaufen konnte sie nicht, solange die Sonne am Himmel stand. Der Mittag kam und Ruhe kehrte ein. Die Leute, die hier lebten, den Geräuschen nach zu Urteilen wohl eine Bauernfamilie, schienen sich zur Mittagspause und zum Essen ins Haus zurückgezogen zu haben.

Am frühen Nachmittag hörte Sziedeyna dann plötzlich, wie sich ihr Schritte näherten. Zuerst sah sie einen Schatten, dann tauchte ein kleines Mädchen, um die acht Jahre, vor ihr auf, blieb abrupt stehen und schaute sie überrascht an. Sziedeyna schaute nicht minder verwundert zurück. Das Mädchen fragte sie: "Wer bist du?" Sziedeyna fehlten die Worte und sie blieb stumm. Das Mädchen blickte sie weiter fragend an, bis Sziedeyna doch ihre Worte fand: "Eine Reisende. Ich… spiele verstecken! Also erzähl bitte niemandem von mir, ja?" Dem flehenden Blick Sziedeynas antwortete das Mädchen mit einem Nicken: "Ich verrate dich nicht." Sziedeyna entspannte sich sichtlich. Das Mädchen, das sie schon die ganze Zeit neugierig betrachtete, fragte weiter: "Bist du krank? Du bist so blass!" Sziedeyna fühlte sich ertappt und antwortete eilig: "Äh, ja, aber nur ein wenig. Das wird schon wieder." Mit dieser Antwort schien sich das Mädchen zufrieden zu geben. Schließlich sagte es: "Ich muss wieder, sonst suchen mich meine Eltern." Sziedeyna nickte ihr nur knapp zu, während sie hoffte, dass das Mädchen wirklich niemandem von ihrer Begegnung erzählte.

Der Nachmittag nahm seinen Lauf und irgendwann kündigte sich der Abend an. Sziedeyna hörte, wie die Bewohner des Hofs wieder zusammenkamen und es ruhiger wurde. Es verging eine Weile, da drang das laute Aufstoßen einer Tür an ihre Ohren. Kurz darauf näherten sich die Schritte mehrerer Personen. Sziedeyna richtete sich blitzschnell auf und rechnete jeden Moment damit, Besuch zu bekommen. Wie erwartet kamen auch sofort zwei Erwachsene mit Heugabeln bewaffnet um die Ecke und standen vor Sziedeyna. Vorne stand wohl der Vater der Familie, leicht links dahinter die Mutter und etwas weiter hinten kam auch das kleine Mädchen, wohl die Tochter, dazu und versteckte sich halb hinter einem Pfosten. Der Mann blickte Sziedeyna grimmig an und warf ihr in harschem Tonfall entgegen: "Was machst du hier in unserer Scheune? Wir dulden keine Vagabunden und Diebe!" Dabei hob der Mann drohend die Heugabel und hielt sie in Sziedeynas Richtung. Sziedeyna fühlte sich in die Ecke getrieben und schaute die Menschen nur ungläubig an.

"Hörst du schlecht?", setzte der Mann nach. Daraufhin stieß der Mann mit der Heugabel drohend in Sziedeynas Richtung, ohne sie jedoch zu treffen. Für einen Moment verschwamm das Bild vor Sziedeynas Augen und sie sah nur einen Dolch aufblitzen, der sich ihrer Brust näherte. Da sah sie rot. Sie packte die Heugabel an den Zacken und riss sie dem Mann aus Hand. Dann ergriff sie ihn, fuhr ihre Zähne aus und rammte sie ihm in den Hals. Der Blutkontakt verwandelte ihren ausgehungerten Zustand in einen Rausch. Sie spürte einen Stich an ihrer Seite, aber machte weiter. Die Mutter hatte sie mit ihrer Heugabel gestochen, um von ihrem Mann abzulassen, aber Sziedeyna war der Blutgier zu sehr verfallen, als dass sie dies gerade störte. Schreie der Frau drangen gedämpft an ihr Ohr, aber erst das schrille Kreischen des Mädchens holte sie aus ihrer Trance und sie ließ von dem Mann ab. Sie blickte sich um, sah wie die Frau eine blutige Heugabel hielt und sowohl sie als auch das Mädchen Sziedeyna entsetzt anschauten, während der Leib des Mannes zu Boden glitt. Sziedeyna wischte sich den Mund ab und entkam in die inzwischen hereingebrochene Dunkelheit.


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