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Ich werde Reisemagier! - Are'vin & Dyonoxis

Nonair

Die Robe

Nachdem ich einige Zeit bei Amed verbracht hatte, begann ich meine eigene Kleidung mit anderen Augen zu sehen. Neben ihm vor dem Theater hatte ich gelernt, dass ein Reisemagier nicht nur ein Portal öffnet – er steht auch im Blick der Menschen. Die Leute achten darauf, wie man spricht, wie man steht und eben auch darauf, was man trägt. Meine alte Kleidung war praktisch gewesen, besonders in Düsterhafen, wo ich meine Ohren verstecken musste. Aber sie war nicht das, was man vornehm nennen würde. Also beschloss ich, mir eine richtige Robe zu suchen. Eine, die zu einem Reisemagier passte.

Meine Suche führte mich schließlich zu einem kleinen Haus etwas abseits der Straße. Vor dem Gebäude standen ein Mann und ein Elf, die gerade beschäftigt waren. Der Elf schnitzte an einem Bogen und betrachtete sein Werkstück mit einer Ruhe, die fast schon meditativ wirkte. Der andere wirkte praktischer veranlagt, eher wie jemand, der mit Werkzeugen arbeitete. Ich grüßte die beiden und kam mit ihnen ins Gespräch. Der Bogenschnitzer stellte sich als Are'vin Sarr'ha vor, während der andere Dyonoxis hieß.

Während wir redeten, schweifte mein Blick immer wieder zum Haus von Dyonoxis. Über dem Dach ragten einige Stoffbahnen hervor, die im Wind flatterten. Das brachte mich schließlich auf eine Idee. Ich fragte Dyonoxis, ob er vielleicht Schneider sei. Er lachte ein wenig und erklärte, dass er sich nicht unbedingt als professionellen Schneider bezeichnen würde, aber mit Nadel und Faden durchaus umgehen könne. Das reichte mir schon, um Hoffnung zu schöpfen. Ich erzählte ihnen, dass ich bald Kunden haben würde und deshalb etwas besser aussehen müsse als bisher. Hosen und Hemden in modischem Schnitt wären schön gewesen, doch Dyonoxis schüttelte den Kopf. Das liege außerhalb seiner Fähigkeiten.

Also fragte ich nach einer Reisemagierrobe. Schließlich würde ich irgendwann genau das werden – ein Reisemagier. Noch nicht ganz offiziell vielleicht, aber doch zumindest in Ausbildung. Are'vin schmunzelte bei diesen Worten ein wenig, während Dyonoxis kurz nachdachte und schließlich meinte, eine Robe würde er sich durchaus zutrauen. Er könne allerdings nur mit eher klassischen Schnitten dienen. Diese neueren, modischen Varianten lägen ihm nicht besonders. Das war mir ehrlich gesagt egal. Alles wäre besser als das, was ich im Moment trug.

Dyonoxis verschwand kurz in seinem Lager und kam wenig später mit einer Robe zurück, die er über seinem Arm ausgebreitet trug. Schon als ich den Stoff sah, wurde ich neugierig. Als ich sie in die Hand nahm und über den Stoff strich, musste ich unwillkürlich staunen. Sie war weich, viel weicher als alles, was ich bisher getragen hatte. Dyonoxis meinte, Grün würde gut zu mir passen. Ich war mir nicht ganz sicher – eigentlich mochte ich Violett lieber – aber der Schnitt war so sauber und elegant, dass ich kaum noch darüber nachdachte.

Ich fragte, ob ich sie gleich anprobieren dürfe. Dyonoxis nickte und ich warf mir die Robe über. Für einen Moment fühlte sich das fast ungewohnt an. Der Stoff fiel anders, schwerer und gleichzeitig angenehmer als meine alte Kleidung. Ich drehte mich ein wenig hin und her und fragte die beiden, wie ich aussah. Are'vin betrachtete mich kurz und meinte schließlich, sie sei durchaus geschmackvoll. Dyonoxis musterte das Ganze ebenfalls und schien zufrieden mit seinem Werk. Are'vin bemerkte schließlich, dass das rote Kopftuch nicht besonders gut dazu passte. Also zog ich es ab, was meine Ohren sofort der frischen Luft aussetzte. Es fühlte sich seltsam an, sie nicht mehr zu verstecken. Ich meinte halb im Scherz, dass ich wohl einen neuen Hut brauchen würde. Are'vin nickte zustimmend und erklärte, ein Reisemagier würde mit einem Hut ohnehin besser aussehen. Dyonoxis fügte hinzu, dass ein richtiger Magierhut wohl das Passendste wäre – schließlich sollte man mich auch als Magier erkennen können. Ich musste lachen und erklärte, dass ich offiziell noch nicht ganz mit meiner Ausbildung fertig sei. Aber es sei wohl nur eine Frage der Zeit.

Schließlich zog ich die Robe wieder aus und faltete sie vorsichtig zusammen. Fast ehrfürchtig, wenn ich ehrlich bin. Ich bedankte mich bei Dyonoxis und stellte dabei fest, dass ich ihn vor lauter Begeisterung noch gar nicht richtig nach seinem Namen gefragt hatte. Er stellte sich noch einmal höflich vor, während Are'vin erklärte, dass Dyonoxis ein wahrer Meister seiner Kunst sei. Offenbar hatte er früher sogar als Kämpfer gegen Anhänger des Schattens gestanden und viele von ihnen mit Axt und Schild in die Flucht geschlagen. Das überraschte mich ein wenig – bei jemandem, der so eine schöne Robe herstellen konnte, hatte ich eher an einen ruhigen Schneider gedacht. Dyonoxis winkte bescheiden ab und meinte, das läge lange zurück. Heute widme er sich lieber der Schmiede als dem Kampf. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen und fügte hinzu, dass er offenbar auch ein ziemlich guter Schneider sei.

Während ich die Robe noch einmal betrachtete, dachte ich daran, wie Amed vor dem Theater gestanden hatte – ruhig, elegant und selbstbewusst. Vielleicht war das der erste Schritt, selbst einmal so zu wirken. Also versprach ich den beiden, dass sie später, wenn ich meinen Personenbeförderungsschein endlich hätte, jederzeit kostenlos durch meine Portale reisen dürften. Das schien Are'vin zu amüsieren. Und ich konnte mir gut vorstellen, dass ich diese Robe noch auf vielen Reisen tragen würde.

Vielen Dank an dieser Stelle an die beiden Spieler, mit denen ich mitten in der Nacht zufällig RP hatte und dieses Thema anschneiden konnte. Und ja: die Robe existiert wirklich.

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