Das RathausIch hatte aufgehört zu zählen, wie oft ich inzwischen im Rathaus von Britain gewesen war. Ein Dutzend kam mir wie eine vorsichtige Schätzung vor. Vielleicht waren es auch mehr. Jedes Mal hatte ich geglaubt, jetzt endlich alles beisammen zu haben – nur um dann zu hören, dass noch ein Formular fehlte, eine Bestätigung nicht korrekt war oder eine Angabe präziser formuliert werden musste. Diesmal saß ich wieder vor einem der schweren Holztische, auf der anderen Seite ein Beamter, der wirkte, als hätte er diesen Platz nie verlassen. Vor ihm lagen meine Unterlagen, fein säuberlich gestapelt, mit kleinen Markierungen versehen, die mir nichts sagten, ihm aber offenbar sehr viel. Er blätterte langsam durch jedes einzelne Blatt, hielt hin und wieder inne, strich etwas mit dem Finger nach, als würde er prüfen, ob die Tinte auch wirklich an der richtigen Stelle stand. Ich saß da, hielt mich gerade und versuchte, nicht den Eindruck zu machen, als würde ich jeden Moment aufspringen und einfach gehen. Reisemagie war einfacher gewesen als das hier. Deutlich einfacher. Der Beamte räusperte sich gelegentlich, machte sich kleine Notizen, zog ein weiteres Dokument heran, verglich Daten, als würde es um etwas gehen, das weit über mein kleines Reisebüro hinausging. Dabei wollte ich doch nur eine Tür öffnen und Menschen von einem Ort zum anderen bringen. Stattdessen saß ich hier und wartete darauf, dass jemand entschied, ob ich das überhaupt durfte. Die Zeit zog sich. Irgendwann begann ich, mit den Gedanken abzuschweifen. Ich stellte mir vor, wie mein Laden aussehen würde, wenn er endlich vollständig war, wie Kunden hereinkamen, sich die Runenbücher ansahen und ich ihnen erklärte, wohin sie reisen konnten. Es war ein deutlich angenehmeres Bild als die staubigen Dokumente vor mir. Der Beamte hob schließlich ein letztes Blatt an, betrachtete es länger als die anderen und legte es dann langsam wieder ab. Ich richtete mich unwillkürlich ein wenig auf. Vielleicht war es jetzt soweit. Vielleicht kam wieder ein „Es fehlt noch…“ oder „Das muss noch…“. Stattdessen griff er nach einem Stempel, der neben ihm lag. Für einen kurzen Moment passierte nichts, als würde selbst dieser letzte Schritt eine gewisse Bedeutung haben. Dann kam das Geräusch. Ein dumpfes, festes „Rumms“ eines Stempels, das durch den Tisch ging und mich aus meinen Gedanken riss. Der Beamte sah mich an, zum ersten Mal wirklich direkt. „Genehmigt“, sagte er knapp und schob mir die Unterlagen zurück. Ich blinzelte einen Moment, als müsste ich erst verstehen, dass ich mich nicht verhört hatte. Dann nahm ich die Papiere an mich. Kein weiterer Hinweis, keine zusätzliche Forderung. Einfach… erledigt. Als ich das Rathaus verließ, fühlte sich die Luft draußen plötzlich leichter an. Nach all den Wegen, Sprüngen und Lehrern war es ausgerechnet ein Stempel gewesen, der mir das Gefühl gab, wirklich einen Schritt weitergekommen zu sein.
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