Yllaria lag mit ausgestreckten Armen auf dem Rücken und hatte einen Arm über ihr Gesicht gelegt, als könnte sie so die Welt für einen Augenblick aussperren. Ein genervtes lang gezogenes Seufzen entrang sich ihrer Kehle. Das kann doch nicht so schwer sein! Schwer atmend lag sie auf dem Waldboden hinter ihrem Gildengebäude. Ihre Haare standen in alle Richtungen von ihrem Kopf ab, so oft sie sich auch frustriert hindurchgefahren hatte, einzelne Strähnen klebten in ihren Gesicht. Ihre Kleidung haftete unangenehm an ihr und ihre Hände zitterten leicht. Sie hatte es eindeutig übertrieben. Als ein Schatten über die viel zog sie langsam ihren Arm von ihrem Gesicht und blinzelte ins Licht. „Sanyasala Yllaria.“ Felja stand über ihr, die Hände in die Hüften gestemmt und die Stirn in strenge Falten gelegt. Ihr wacher, prüfender Blick glitt über Yllaria hinweg und erfasste das Chaos, dass sie umgab. Yllaria lag inmitten von Pflanzen und Samen von Blutmoos, viele davon in kleine Teile zerlegt und angebrannt. Daneben schlief ein roter Kater, als wäre er an der Sache völlig unbeteiligt gewesen. Unweit von ihm ruhte eine Robe aus wabernden Stoff, der wie lebendig über den Waldboden floss. Yllaria stemmte sich langsam und schwerfällig in eine sitzende Position und folgte Feljas Blick. Ein kleines trotziges Lächeln glitt über ihre Züge, als sie die Katze sah, die unweit der Iphaldi entspannt döste. Dann erfasste ihr Blick wieder die ruinierten Pflanzen und ein leiser frustrierter Laut entglitt ihr. Als sie heute Morgen zu der leicht feuchten Stelle auf der Wiese zurückkehrte, um die Wirkung des Blutmooses auf die veränderten Pflanzen zu untersuchen, roch die Luft an dieser Stelle tatsächlicher frischer, weniger modrig, als könnte der Pilz die verdorbenen Sporen zumindest eindämmen. Und wenn sie sich nicht täuschte, war die Erde darum herum auch fester unter ihren Füßen gewesen. Zufrieden und mit einem Funken Hoffnung war Yllaria zur Gilde zurückgekehrt. Doch sie wusste, dass die Wirkung minimal gewesen war und dass es bei den stärker befallenen Stellen vermutlich gar keinen Unterschied machen würde. Zudem würde es unendlich lange dauern an jeder kleinen Stelle ihre Magie zu wirken. Also hatte sie sich an einer Lösung versucht. Vorsichtig hatte sie kleine Fäden ihrer Magie in die Samem gelenkt, sie so verändert, dass sie die vermehrte Kraft auch nutzen konnten, wenn sie großflächig ausgestreut wurden. Anfangs hatte es sich noch vielversprechend angefühlt, doch schnell kam die Frustration. Und je mehr sie sich in diese hinein gesteigert hatte, desto weniger gelang es ihr überhaupt den Magiestrom zu lenken, von kleinen Fäden war sie da schon ganz weit entfernt gewesen. Nun lagen die Ergebnisse ihrer Versuche um sie herum, viele kleine verkohlte Flocken. Leise Schritte entfernten sich von ihr und kehrten kurz darauf zurück. Wortlos stellte Felja Wasser und etwas Obst neben ihr ab und zeigte anklagend auf die Pflanzenreste. Beschwichtigend lächelte Yllaria, nickte ihr aber dankend zu. „Ich kümmere mich darum.” Felja schien mit ihrer Antwort zufrieden, auch wenn ihr Blick noch einen Moment länger auf dem Chaos ruhte und wandte sich ab. Yllaria schaute der zierlichen Fey hinterher, bis ihre Gestalt im Gebäude verschwand. Sie griff nach einem Apfel, biss hinein und beobachtete den roten Kater, der neben ihr schlief. Eine friedliche Ruhe legte sich über sie, während sie das langsame Heben und Senken seines kleinen Körpers verfolgte. Dann glitt ihr Blick zur Robe daneben, und sie griff wie automatisch nach dem Stoff. Immerhin, eine Sache konnte sie heute als Erfolg verbuchen. Nach langem Hin und Her, viel lautem Fauchen und dem einen oder anderen Kratzer, der jetzt ihre Arme zierte, hatte der Kater schlussendlich die Iphaldi akzeptiert. Yllaria konnte seine anfängliche Skepsis gut nachvollziehen. Dieser eigene feine Manastrom, der ihre Gestalt umfing, sobald die Robe sie berührte, war auch für sie ungewohnt gewesen. Anfangs hatte sie ein leichtes Kribbeln auf ihrer Haut gespürt, da, wo der Stoff sie direkt berührte, es war kein unangenehmes Gefühl, aber eines, an das man sich erst gewöhnen musste. Haku dagegen hatte die Robe derart abgelehnt, dass er immer wieder versucht hatte, den fein wirkenden Stoff mit seinen Krallen zu bearbeiten. Nur Yllarias Hartnäckigkeit und ihren schnellen Reflexen war es zu verdanken, dass die Robe unbeschädigt blieb. Sie hätte E'lassar auch schlecht erklären können, dass sie nicht einmal einen Tag lang auf die Iphaldi aufpassen konnte. Sie drückte den Stoff an ihren Oberkörper. Sie wusste, dass die Robe nur ein erster Schritt auf einem langen Weg sein würde. Dennoch erfüllte sie Vorfreude bei dem Gedanken und etwas beschwingter lief sie ins Haus. Als sie zurück kam, konnte man ihr die Strapazen des Tages kaum noch ansehen; nur ihre zitternden Hände ließen sich nicht verbergen. Schnell beseitigte sie alle Spuren, die ihre Versuche hinterlassen hatten, und beugte sich dann zu dem schlafenden Kater hinunter. Sie hob ihn vorsichtig hoch und zog ihn an sich. Ohne zu zögern machte sie sich mit langen Schritten auf den Weg. Felja hatte ihr berichtet, dass E'lassar nach Unterstützung gefragt hatte. Also würde sie sich auf den Weg zu seinem Haus machen und ihm ihre Hilfe anbieten. Beiträge in diesem Thread
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