Eine Gruppe Elfen hatte sich gesammelt. Erfahrene Schützen der Wachenden zumeist - wie es wohl jeder der Anwesenden erwartet hatte. Doch auch andere hatten sich unter die Mutigen gesellt, nicht zuletzt der kristallene Gargyl. E'lessar sah zwischen den Anwesenden umher. Manche, wie der Klingentänzer Are'vin waren ruhig, vorbereitet auf einen Konflikt. Ein Tor in der Wirklichkeit später stand die winzige Armee im Schatten von wilden Eichen, die den Blick freigaben auf das erste der Gebäude. Toter, dunkler Stein. Mehr notdürftig als kunstvoll verziert mit Säulen und Bögen, grob zusammengefügt an vielen Stellen. Schlammfarbenes Moos, Bruchlinien in den Steinen und verschliffene Reliefs zeugten davon, dass diese Bauten älter waren als alle hier versammelten Elfen zusammengenommen. Eintritt in die DunkelheitDer Eingang in die Krypten war wohl verborgen - mit elfischen Zeichen und in elfischer Sprache geschrieben. Was die Erbauer wohl damit bezwecken wollen? Die Hallen waren lang und gewunden. Wenige Meter unter dem Waldboden zogen sich die fast verdunkelten Hallen über Meilen durch die Erde. Doch dies waren keine Hallen der Totenruhe. In jedem Raum, an jedem langen Flur waren die Toten auferstanden. Zerfallene Skelette, die noch eine rostige Waffe umklammerten, in feinste Seide gehüllte Mumien. Aber auch Wesen, die hier nie zur Ruhe gelegt wurden. In Kniehohem, stinkenden Wasser krochen verweste Ratten ihnen entgegen. Monstren aus Knochen und Fleisch zusammengesetzt von unheiliger Magie. An vielen Stellen waren verformte Wurzeln durch die Wände gebrochen, peitschend, suchend nach warmem Blut. Um tiefer vorzudringen, zum ehemaligen Herzen der Krypta erwhrten sich die Elfen zweier untoter Magier im Besitz von fein verzierten Silberschlüsseln. Ein nekromantisches Zauberbuch erregte das Missfallen der Elfen, und E'lessar nahm es an sich - später sollte Ostens Macht es zerschmettern. Das Unheiligtum KaltivelsDann waren sie weit genug vorgedrungen. Ein machtvoller Lich, so verwest dass man nicht einmal erahnen konnte ob er im Leben ein Mensch oder ein Elf war stellte sich ihnen mit grünen Flammen und Heeren von Skeletten entgegen. Und dieser Untote erhob sich - wieder und wieder. Kein Zauber der Magier, kein Pfeil der Schützen hielt ihn am Boden. Und dann fand Ya'ranel das Tagebuch im Stapel von lästerlichen Manuskripten und dunklen Ritualen. Ein Lich, der nicht nur einen Teil seiner Macht in ein Gefäß, ein Phylakterium gebannt hatte, sondern gleich vierfach Frevel an der eigenen Seele begangen hatte? Die Elfen zauderten - was für ein Frevel gegen Ostens Geschenk, was für ein Verbrechen auf dem Boden des Zauberwalds. Die FleischbestieDoch das unheilige Zauberbuch - war dies bereits ein Viertel der Lösung, diesem Lich ein Ende zu bereiten? E'lessar setzte an, um den Elfen Hoffnung zu geben, doch Kaltivel hatte noch eine letzte Schrecklichkeit für die Elfen angedacht. Knochen, Fleisch, Blut und Eingeweide formten sich zu einem Brocken aus ekelhaftem Unleben. Aus Dutzenden Mündern brabbelte das Wesen vom Ende der Elfen, halb verrottete Arme griffen nach den Elfen. Was nun ausbrach, war weniger ein Kampf als ein verzweifelter Versuch, sich dem Ansturm aus Fleisch und Tod zu erwehren. Blasen gefüllt mit übelriechenden Flüssigkeiten platzten auf, und dann traf einer der Elfen das Zentrum des Wesens. Zeitgleich schlossen sich alle Münder, schlossen sich alle Augen. Und es zerplatzte. Die Anwesenden waren beschmiert mit dem, was einst lebende Wesen waren, und alles was den Streitern blieb war der Rückzug. E'lessar verband mit seiner Magie die Krypta und Yew. Ira und Are'vin geleiteten die Elfen durch das Tor. Yaranel und Yllaria halfen Be'ryll den Weg zu finden. NachspielDer Sieg über den Lich hatte sich kaum wie einer angefühlt, dachte E'lessar bei sich. Elend und triefend waren die Elfen nach Yew zurückgekehrt, der Schatten des Untodes vermindert, aber nicht gebannt. Der Endirô hatte mehr als eine Stunde damit verbracht, einen beträchtlichen Teil seiner Magie in Schutzzaubern um das Buch zu bannen. Und doch fühlte sich allein die Nähe des Buches noch falsch, schmutzig an. So nahm er Yllarias Angebot gern an. Er griff ihre Hand und die Magie trug sie weit in den Norden, wo die Bäume des Zauberwalds schroffen Bergen Platz machten. Diese Berge waren durchzogen von unregelmäßigen Höhlen, an den meisten Stellen so eng mit Stalagmiten durchsetzt, dass ein Durchkommen fast unmöglich war. Zielstrebig suchte E'lessar eine dieser Höhlen auf, und legte das Buch dort in einer Felsspalte ab. Wortlos teilte er wieder seine Sicht auf das mandra mit ihr, zunächst wirre Wirbel aus Farbe und Formen, bis er ihre Wahrnehmung sanft lenkte. "Diese Magie bewirkt dreierlei, Yllaria. Diese Struktur, die einem Lotos gleicht, macht es dem mandra anderer schwerer, die Zauber zu erkennen - so wird es dem Lich schwerfallen, das Buch selbst zu finden.
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