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Recherche im Kloster (Yewkrypta)

E'lessar Telperien

Als E‘lessar den breiten Pfad durch den Yewwald betrat, glitt das fahle Licht des Nachmittags wie dünnes Silber zwischen den Eibenstämmen hindurch. Der Wald war ihm vertraut, nicht wie ein Ort, den man betrat, sondern wie ein altes Lied, das im Blut weiterklang, selbst wenn man den Text längst vergessen hatte. Zwischen dem dunklen Grün der Nadeln und dem stillen Moos bewegte sich der Lichtelfenmagier mit jener lautlosen Anmut, die seinem Volk eigen war. Und doch lastete eine Unruhe auf ihm. Sein Ziel lag nicht an seinem eigenen kleinen Haus, nicht in einem vergessenen Hain oder zwischen den uralten Steinen des sala‘mandra, sondern im Kloster der befreundeten Paladine des Mondes, wo Menschen Wissen hüteten, das anderswo verloren gegangen war.

Schon von weitem sah er die schlichten Mauern des Klosters zwischen den Bäumen aufsteigen, klar und streng gegen das Schattenwerk des Waldes gesetzt. Nichts an diesem Ort wirkte gewachsen. Jeder Stein lag, weil eine Hand ihn dorthin befohlen hatte. Jeder Gang war gerade, jede Schwelle vermessen, jede Glocke schlug zu festgesetzter Stunde. Die Menschen brauchten Mauern, Regeln und Reihenfolgen, um das Chaos der Welt zu bändigen, als könnten sie dem Vergehen Einhalt gebieten, indem sie ihm Namen, Listen und Archive entgegenstellten. Für einen Elfen, der in Jahrhunderten dachte und Erinnerung wie Jahresringe in sich trug, war diese Ordnung fremd. Und doch musste er sich eingestehen, dass eben diese Strenge bewahrte, was sein eigenes Volk zu oft den Nebeln der Zeit überlassen hatte.

Die Paladine des Mondes empfingen ihn mit jener ehrerbietigen Ruhe, die zwischen alten Verbündeten keiner großen Worte bedarf. Man führte ihn in die Bibliothek, deren hohe Regale den Duft von Wachs, Leder und trockenem Pergament trugen. Dort begann E‘lessar seine Suche nach Kaltivel, einem Magier, von dessen Werk nur noch der Name übrig war ohne Zusammenhang. In den Chroniken der Menschen forschte er nach Randnotizen, Verweise auf Sternenkonstellationen. Was die Menschen mit geduldiger Feder festgehalten hatten, war bei den Elfen zu Bruchstücken von Liedern, zu unvollständigen Erzählungen und zu schweigenden Ruinen verblasst. Es schmerzte ihn, in menschlichen Büchern Spuren elfischer Wahrheit aufzulesen, als müsste er das Gesicht eines Ahnen in fremden Spiegeln suchen.

Zwischen den Namen längst verstorbener Ritter und Paladine und den Abgaben entlegener Dörfer stand eine beiläufige Erwähnung jener Krypta im Osten von Yew, deren versiegelte Kammern seit Langem seine Gedanken bestimmten. E‘lessar folgte der Spur von Buch zu Buch, von einer Abschrift zur nächsten, und das Bild, das sich daraus erhob, war ebenso bruchstückhaft wie beunruhigend. Offenbar war die Krypta nicht von Menschen allein errichtet worden. Ihre ältesten Bögen, so deuteten Maße und Zeichen an, trugen Formen, die an die frühe Steinmagie der Elfen erinnerten, an eine Zeit, als Bündnisse noch unter Sternennächten geschlossen wurden und nicht unter Bannern. Dass niemand seines Volkes diese Handschrift mehr sicher benennen konnte, erschütterte ihn fast mehr als die Erkenntnis selbst. Die Menschen hatten bewahrt, was die Elfen vergessen hatten, und nun musste ein Sohn des Lichts die Archive Sterblicher durchforsten, um die Schatten der eigenen Geschichte wiederzufinden.

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