Arkane Vorgänge in britannischen Reisebüros
Ein Beobachter
Eisige Bergluft drang aus dem bläulich-glimmenden Portal und kühlte das Obergeschoss von Nonairs Reisebüro auf Temperaturen herab, die selbst für den recht frischen Frühling Britains ungewöhnlich waren. Den Augen eines geschulten Magiers würde der Ort ein gänzlich anderes Bild darbieten, sollte er seine Sinne auf der Arkanen Ebene ausstrecken. Alles begann mit der Analyse eines alten Folianten der Nicht die physische Manifestation sollte Rückschlüsse auf mögliche weitere Verstecke der Phylakterien liefern, sondern die uralten, und sorgfältig ineinander verwobenen Matrizen aus eingelagerten Zaubern, deren Fäden so sorgfältig miteinander verwoben waren, dass auch bei langer Betrachtung schwer fiel, den Sinn und Zweck der einzelnen Komponenten richtig zu deuten. Teile konnten als Arkan, andere erinnerten an Blutmagie, wieder andere Konstrukte waren auf eine Art und Seise gewoben, dessen Sinn sich den Betrachtern vollkommen entzog. Darum herum: mehrere Schichten von vertrauter, elfischer Magie. Um besser erkennen zu können, was sich genau in dem tief ineinander geschlungenen Gewebe abspielte, wurde der Entschluss gefasst, Teile der Strukturen aus dem Konstrukt zu lösen. Es hatte die vereinten Kräfte und das Mana beider Elfen benötigt, um für ihre Analyse des uralten Folianten voran zu treiben. Erst als Yllaria zusätzliche Energie spendete, gaben die arkanen Fäden, einer nach dem anderen, nach und zerrissen. Der behutsam geschaffene Kreislauf aus Manaflüssen innerhalb des Buches wurde je unterbrochen und der erste Teil entlud sich schlagartig in einer Kettenreaktion, die nur von E’lessar’s Schutzzaubern gebremst wurde, und die eine weitere Dekonstruktion des Folianten verhinderten. Sie waren der einzige Grund, dass das Reisebüro noch an Ort und Stelle stand und nicht einem gewaltigen dampfenden Krater weichen musste. Mana ist stets darin bestrebt sich selbst auszugleichen, und so begannen die abgetrennten Arkanen Fäden des Folianten an unvorhergesehenen Enden Mana abzugeben, das von anderen gierig aufgesaugt wurde, mit Folgen, die nicht einmal für den Erschaffer des uralten Buches vorhersehbar waren. Vollkommen auf die Analyse der soeben gelösten Teile des Zaubers konzentriert, wurden diese zur Betrachtung von Nonair über seinen Teppich geschoben. Nicht ganz verstehend, was sich dort vor ihnen befand, wurde versucht die Bedeutung der Strukturen auf Zahlen und Koordinaten zu reduzieren. Und noch während der junge Reisemagier verbissen rechnete, verbanden sich die freien Fäden der Zauber unbemerkt mit den sorgfältig gewobenen Matrizen des Teppichs. Was Nonair betrachtete und ihm Kopfzerbrechen bereitete, war ein Fetzen eines unbekannten Zaubers, den der Lich zuvor benutzt hatte, um Konstrukten aus Fleisch, Blut und Knochen Leben ein zu hauchen. Nur gab es im Obergeschoss des Reisebüros weder Fleisch, Blut, noch Knochen die Energie und Material für den Zauber spendeten. Es gab nur Teppich. Nichts von alledem fiel in diesem Augenblick auf. Begeistert über die gefundenen Zahlen, die einen wirklichen Ort beschreiben konnten, wurde das Portal geöffnet. Während die kleine Gruppe weit entfernt die Winterliche Berglandschaft absuchte, zerfraß das fehlgeleitete Gewebe in Nonair’s Reisebüro langsam den Ledereinband des Buches, und die ersten Fransen des Teppichs. Als Nebenprodukt blieb nut eine unbekannte klebrige, gallertartige Masse, nicht ganz Rot wie die Diener des Liches, und nicht ganz Blau wie Nonair’s Teppich zurück, die nun durch die Holzdielen sickerte. Wenige Augenblicke lag das Büro wieder still und gewöhnlich da, bis genug Teppich den fehlgeleiteten Knoten gespeist hatte um eine kritische Masse zu erreichen. Träge öffnete ein Teil des Teppichs, sichtlich irritiert über sein soeben neu erlangtes Bewusstsein und die vielen unbekannten Eindrücke seiner neu erlangten Sinne, seine achtunddreißig Augen. Beiträge in diesem Thread
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