Yllaria betrachtete stirnrunzelnd eine Hausecke in Yew. Der Boden darunter war noch feucht, wenn auch längst nicht mehr so durchnässt wie noch vor einigen Tagen. Langsam beugte sie sich hinab und legte ihre Handflächen auf eine trockenere Stelle der Erde. Nicht, dass der direkte Kontakt tatsächlich notwendig gewesen wäre, doch so fiel es ihr leichter, die feinen Veränderungen wahrzunehmen. Vielleicht war genau das eines ihrer Probleme: dass sie es sich zu leicht machte und deshalb langsamer Fortschritte erzielte. Oder wollte sie schlicht die Frustration vermeiden, die entstand, wenn etwas nicht sofort gelang? Die Waldelfe verdrängte den Gedanken mit einem leichten Schmunzeln. Aî, Geduld gehörte wirklich nicht zu ihren Stärken. Ihre Iphaldi reagierte sofort auf den kleinen Manafluss, den sie erzeugte. Der Stoff, der wie fließendes Wasser an ihr hinabglitt, begann sanft zu schimmern. Darauf formten sich kleine Tautropfen, die knapp über der Robe schwebten. Gleichzeitig drangen feine Manafäden in den Boden ein, tastend, suchend, die Erde vorsichtig durchdringend. Yllaria schloss für einen Augenblick die Augen und lauschte den Schwingungen unter ihren Händen. Dann nickte sie zufrieden und löste den Zauber wieder. Der Boden war deutlich trockener als zuvor, und das Blutmoos hatte bereits einen Teil der schädlichen Stoffe gebunden. Es war faszinierend gewesen, Berylls Magie an dieser Stelle zu beobachten. Zuvor hatten sie gemeinsam mehrere betroffene Orte in Yew untersucht und sich schließlich für diesen entschieden. Beryll hatte ihr erklärt, wie bestimmte Gesteinsschichten Wasser leiteten oder sammelten. Als er dann seine Krallen in den Boden bohrte und das grüne Leuchten seine Arme und die Erde erfasste, veränderte sich der gesamte Untergrund. Yllaria hatte diese Bewegung nicht nur gesehen, sondern auch gespürt. Es war, als würde etwas tief unter der Erde absinken, während anderes angehoben wurde. Fast augenblicklich wirkte der Boden lockerer und weniger verdichtet, sodass das Wasser wieder besser abfließen konnte. Anschließend streute sie die von E'lessar mit Mana angereicherten Blutmoossamen über die Stelle. Die gemeinsamen Anstrengungen hatten scheinbar tatsächlich Wirkung gezeigt. Mit sichtlicher Freude betrachtete Yllaria die kleinen Samen zwischen den feuchten Erdschichten, die sich bereits wieder gebildet hatten. Die Waldelfe hatte ihre Versuche mit dem Blutmoos beinahe schon als gescheitert angesehen, bis Haku sie zu einer Stelle nahe ihrem Haus geführt hatte, die sie zuvor behandelt hatte. Dort hatte das Blutmoos nicht nur die schädlichen Stoffe absorbiert, sondern auch Ableger gebildet, die diese sogar noch effizienter aufnahmen. Sobald eine Stelle vollständig gereinigt und trocken war, starb das Moos von selbst ab. Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass ihre Versuche nicht nur funktionierten, sondern auch im Einklang mit der Natur standen. Sie hatte E'lessar die Stelle ebenfalls gezeigt. Nun blieb nur noch das Problem, einen so feinen Manafaden zu erzeugen, dass der winzige Manakern der neuen Samen nicht wieder verbrannte. Der Lichtelf hatte ihr wie immer geduldig die Grundlagen erklärt und den Zauber angewandt. Bei ihren ersten Versuchen gelang es ihr nur mithilfe ihrer Iphaldi, den zu starken Manafaden noch einmal aufzuspalten. Sie musste mehr Zeit in das Üben investieren. Immerhin konnte sie den Manafluss inzwischen deutlich besser wahrnehmen und benötigte bei kleineren Zaubern nicht länger E'lessars Hilfe, indem er seine Sicht mit ihr teilte. Das Gefühl seiner Präsenz war dabei ausgesprochen angenehm. Es war eine ruhige Zuversicht, getragen von Leichtigkeit und Wärme, die ihren Geist sanft umhüllte. Kurz hatte Yllaria gezögert, als er ihr die Hand reichte, um die Verbindung herzustellen. Nicht aus Unsicherheit, sondern weil seine Nähe sich so selbstverständlich und beruhigend anfühlte. Gleichzeitig wusste sie jedoch, dass sie lernen musste, das allein zu schaffen, wenn sie wirkliche Fortschritte erzielen wollte. Der Lichtelf hatte die übrigen Samen schließlich selbst mit Mana angereichert, um ihr Wachstum anzuregen. Er erzeugte keine Vielzahl kleiner Fäden, sondern einen einzelnen, präzisen Manafaden, der ruhig und kontrolliert wie ein Lichtfunken von Samen zu Samen sprang. Dankbar für die Unterstützung und den gemeinsamen Erfolg neigte Yllaria leicht den Kopf in Richtung der heilenden Erde, bevor sie sich langsam auf den Rückweg zur Gilde machte. Beiträge in diesem Thread
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