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Das Geheimnis des Verborgenen

Der Vampir Nathan saß still im Mondlicht auf dem Theaterdach, sein Gesicht eine reglose Miene aus Marmor. Seine Augen blickten über die Dächer Britains, welche in unterschiedlicher Verfassung waren. Manche prunkvoll, andere löchrig, einer Ruine nahe und viel preisgebend. Dann sprang er vom Dach herab, allerdings blieb ein Aufschlag fern. Viel zu langsam und unheimlich schwebend glitt er hinab, sodass kein Ton der Nachtschwalben und Eulen unterbrochen wurde.

Energetisch vernahm er jedoch einen Gedanken, als seine nackten, marmornen Füße das Kopfsteinpflaster berührten. Rasch zog er sein Notizbuch heraus; er wusste, dass das Empfangene sich ihm sonst rasch wieder entziehen würde.

Das Geheimnis der anderen muss ausgehalten werden, so mysteriös der Schleier auch sei. Sobald das Geheimnis aufgelöst wird, verliert es an Kraft, und somit droht nicht nur es zu zerbrechen, sondern auch jenes, was unsere Herzen und Seelen verbindet. Die Herzensverbindung; die Seelenverbindung.

Wenn es gewahrt wird, so wird Nähe möglich in der Ferne, und das Geheimnis wird erlebt. Erfahren.

Yllaria, fern sei es von mir, dein Geheimnis aufzulösen und unsere Verbindung zu verlieren. Verbindungen sind das Kostbarste, was es gibt. Nähe in der Ferne.

Sobald der Vampir das letzte Wort in sein Büchlein geschrieben hatte, verstaute er es rasch in seiner Brusttasche und löste sich auf. Für einen Moment machte sich Zufriedenheit breit, statt der gewöhnlichen Trauer und der Gedanken an Jahrhunderte des Verlusts. Es schien, als hätte sich sein Horizont erweitert.

Im Vampirkeller legte er sich zur Ruhe, wohl wissend, dass Ruhe das Lieblingswort der Mystiker ist.

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