Online: 2

Ein Licht in der Nacht

Sziedeyna

Dieser Text wurde mittels KI aus dem Rollenspiel-Log erstellt.

Als Sziedeyna in dieser Nacht wieder vor Thorians Haus stand, war es bereits spät.

Sie schaute in den Hof, lauschte einen Moment und klopfte dann ein paar Mal gegen das Holz. Nicht besonders laut. Mehr eine Ankündigung als ein Fordern.

Kurz darauf bemerkte Thorian sie.

"Oh, Sziedeyna. Grüß dich!"

"Grüße, Thorian", entgegnete sie. "Ich dachte, ich schaue mal vorbei."

Dabei lächelte sie leicht.

Es war noch immer ungewohnt, einfach irgendwo aufzutauchen, weil sie es wollte. Nicht wegen eines Auftrags. Nicht, weil etwas beschafft, geholt oder erledigt werden musste. Sondern weil sie einen Menschen sehen wollte. Einen bestimmten Menschen. Diese Art von Absicht kam ihr fast unvernünftig vor.

Thorian erwiderte ihr Lächeln.

"Das freut mich sehr. Komm doch hinein."

Sziedeyna trat ein und senkte kurz leicht den Kopf zum Gruß. Es war eine kleine Geste, aber in ihr lag inzwischen mehr Vertrautheit als Förmlichkeit. Die Schwelle seines Hauses fühlte sich nicht mehr ganz fremd an.

Nach einer Weile fragte Thorian, was sie so spät noch umtreibe.

Sziedeyna suchte kurz nach einer Antwort.

"Ich... hmm... mag die Nacht."

Das war wahr. Aber es war wieder nur ein Teil der Wahrheit. Sie mochte die Nacht nicht nur. Sie gehörte ihr. Oder die Nacht gehörte ihr. Manchmal wusste sie nicht genau, welche Richtung dieser Satz hatte.

"Und du? Bist du nicht schon müde?"

Thorian meinte, es gehe so. Morgen treibe ihn nichts in aller Frühe hinaus, es sei denn, die Not rufe nach einem Helden oder dergleichen. Er sagte es mit einem leicht schiefen Grinsen, aber als er von Glocken sprach, die einen Angriff verkünden könnten, wurde er ernster.

Sziedeyna nickte leicht.

"Dann hoffe ich, dass die Glocken ruhig bleiben."

Thorian lachte kurz auf. Dafür bete er ebenfalls.

"Zu wem?", fragte Sziedeyna.

Die Antwort kam ohne Zögern.

"Dem Lichteinen und seinen Seraphin."

Sziedeyna zuckte leicht zusammen.

Nur ein kleines Stück. Nicht dramatisch. Doch ihr Körper verriet sie, ehe sie die Regung wieder einfangen konnte. Sie sagte nur:

"Oh."

Eine unangenehme Pause entstand.

Thorian hob ganz kurz die rechte Augenbraue. Sziedeyna schluckte, als sie es bemerkte, räusperte sich dann und versuchte, sich zu lockern.

"Gibt es eine Gottheit", fragte Thorian etwas zögerlich, "die dir näher stünde?"

"Oh, nun, ich weiß nicht... Ich habe es mit den Göttern bisher nicht so gehabt, muss ich gestehen. Das wirkt bestimmt komisch auf einen Gläubigen wie dich."

Thorian zögerte. Dann zuckte er leicht mit den Schultern.

"Das muss jeder für sich entscheiden. Vielleicht findest du ja noch zu einem Glauben. Oder er findet dich."

Er schloss mit einem Lächeln.

Sziedeyna merkte, wie sich etwas in ihr löste.

Sie hatte in diesem Augenblick nicht gewusst, was sie befürchtete. Vielleicht Verurteilung. Vielleicht Nachbohren. Vielleicht das plötzliche Aufleuchten eines Unterschieds, der nicht mehr zu überbrücken war. Aber Thorian trat nicht näher an diese Grenze heran. Er ließ sie stehen, wo sie stand.

Sziedeyna nickte leicht.

"Ja, vielleicht."

Thorian fügte hinzu, er sei kein Missionar und auch kein regelmäßiger Kirchgänger. Er habe nur schon das eine oder andere Zeichen gesehen und wisse um die Existenz.

Sziedeyna nickte erneut. Dann suchte sie nach einer anderen Bewegung, einer anderen Richtung für den Abend.

"Wollen wir... irgendwo hingehen?"

Thorian fragte, welcher Ort ihr vorschwebe. Dann fiel ihm ein, dass er ihr Heim noch gar nicht kenne.

Sziedeyna war kurz verlegen.

"Oh, mein Heim, ja. Da gibt es eigentlich nicht wirklich viel zu sehen. Ich habe es nur sehr spärlich eingerichtet. Aber es ist direkt neben Lorettas Haus. Daher kennen wir uns auch."

Thorian erinnerte sie daran, dass sie ihn jederzeit beauftragen könne, Möbel nach Wahl herzustellen.

Sziedeyna dachte einen Moment darüber nach.

"Ha, hm, ja, wir könnten ja mal hingehen und du schaust dir die Räume an. Vielleicht hast du irgendwelche Ideen? Ich müsste dann nur ganz kurz vorher etwas aufräumen, aber das geht schnell."

Thorian grinste leicht. Unordnung störe ihn nicht, aber natürlich gebe er ihr die Zeit.

Also gingen sie.

Als sie bei ihrem Haus ankamen, sagte Sziedeyna:

"Da wären wir."

Sie ging kurz hinein, um aufzuräumen. Das Aufräumen bestand vor allem darin, eine Sache verschwinden zu lassen, die Thorian nicht sehen sollte. Noch nicht. Vielleicht niemals. Eine Flasche. Eine Blutpotion. Ein kleines, rotes Stück Wahrheit inmitten eines Hauses, das ohnehin zu viele Fragen hätte stellen können.

Dann rief sie ihn hinein.

"Na, das ging ja schnell", sagte Thorian.

Er trat beinahe vorsichtig ein und ließ den Blick schweifen, ohne allzu offensichtlich wirken zu wollen. Sziedeyna bemerkte natürlich, wie er schaute.

"Ja, wie gesagt, es ist sehr karg eingerichtet."

Thorian meinte, solange alles Notwendige vorhanden sei, warum auch nicht.

"Ja, für mich reicht es eigentlich."

Sie deutete auf einen Stuhl.

"Wenn du magst, kannst du dich setzen."

Thorian blieb lieber stehen, auch weil sie selbst stand. Er erwähnte, manchmal sei ihm sein eigenes Haus viel zu überladen. Sziedeyna widersprach sofort.

"Oh, dein Haus finde ich sehr gemütlich."

Währenddessen fiel ihm etwas an ihr auf.

"Du hast dir in der Kürze ein neues Kleid übergestreift?"

Sziedeyna hielt kurz inne.

"Oh, erwischt."

Eine kleine Pause entstand. Dann sagte sie:

"Es ist neu und... ich finde es schön. Gefällt es dir?"

Das Kleid war schlicht geschnitten, aber der Stoff wirkte edel. Es war keine überladene Pracht, keine Hofmaskerade, aber auch nicht ganz zweckmäßig. Etwas daran wollte gesehen werden.

Thorian betrachtete es, bemüht, nicht aufdringlich zu wirken.

"Die Farbe steht dir. Sie passt sehr zu deinen Haaren."

Sziedeyna lächelte zufrieden.

"Vielen Dank!"

Thorian fügte fast fachmännisch hinzu, das Material scheine von sehr guter Qualität. Insgesamt wirke es von erfahrener Hand gefertigt.

"Du scheinst dich auszukennen."

Er habe im Laufe der Jahre vieles ausprobiert, sagte er.

"Schreiner, Schneider, Krieger", fasste Sziedeyna zusammen. "Das ist in der Tat so einiges."

Sie lächelte leicht.

"Ich kann leider nur Letzteres von mir behaupten."

"Am Ende des Tages vielleicht die wichtigste Fähigkeit", sagte Thorian.

Dann führte Sziedeyna ihn nach oben.

Auch dort war wenig. Ein Kamin, etwas Raum, eine Tür zum Schlafzimmer. Keine Spur von jener bewohnten Fülle, die sein Haus hatte. Kein geordnetes Durcheinander, keine Werkstücke, keine Dinge, die verrieten, dass jemand eine Geschichte in den Raum gelegt hatte.

Thorian lachte leise.

"Das ist dann noch nicht einmal spartanisch zu nennen."

Sziedeyna erklärte, hinter der Tür sei bloß ihr Schlafzimmer.

"Darin steht doch wohl wenigstens ein Bett", scherzte er, sah dann aber direkt entschuldigend aus.

Sziedeyna schaute fragend.

Er erklärte, er habe keine Scherze darüber machen wollen. Jeder könne selbst entscheiden, wie er lebe und wohne.

"Kein Problem", sagte Sziedeyna. "Ich verstehe, dass es ungewöhnlich wirken mag. Es ist auch nicht unbedingt eine bewusste Entscheidung gewesen. Ich... bin irgendwie nie richtig dazu gekommen."

Das stimmte auf eine eigentümliche Weise. Dieses Haus war nicht vernachlässigt, weil sie nichts damit anfangen wollte. Es war eher so, als sei sie nie ganz in ihrem eigenen Leben angekommen. Sie hatte darin Unterkunft gefunden, aber noch keinen Ausdruck.

"Also wenn du mir da helfen möchtest, ich nehme deine Hilfe gerne an."

Thorian nickte sachte. Daran lasse sich etwas ändern, wenn sie wolle.

Er blickte sich im Raum länger um. Man konnte ihm ansehen, wie die Gedanken kreisten. Sziedeyna stand währenddessen wieder nahe am Kamin und wandte sich der Wärme immer mal von einer anderen Seite zu. Der Kamin strahlte stark, und sie nahm diese Wärme in sich auf, als müsse sie sich nicht nur die Haut, sondern auch etwas Tieferes daran erinnern lassen.

Thorian bemerkte es.

"Ich sehe, du genießt die Wärme des Kamins. Irgendeine Sitzgelegenheit davor wäre doch sinnvoll."

"Hm, ja, gute Idee. Vielleicht sogar zwei?"

"Ein Teppich, vielleicht ein paar Kissen, wenn es gemütlich sein soll."

"Kissen, hmm..." Sziedeyna dachte nach. "Ja, die wären schön weich. Vielleicht könnte man dann sogar auf dem Boden sitzen."

Thorian lachte leicht. Ja, das sei die Idee dahinter.

Sziedeyna brachte die Hände manchmal gefährlich nah ans Feuer. Für einen Moment berührte eine Fingerspitze fast zu lange eine Flammenzunge. Thorian warnte sie besorgt, sie solle sich nicht verbrennen.

"Ah, ich bin unachtsam!"

Sie zog den Finger schnell weg und zeigte ihn ihm. Völlig unversehrt.

"Nichts passiert."

Thorian betrachtete den Finger kurz und nickte.

"Glück gehabt."

Er schlug weitere Dinge vor. Die schweren roten Vorhänge wirkten etwas bedrückend, aber er könne gut verstehen, dass eine alleinlebende Dame sich vor unangenehmen Blicken schützen wolle.

Sziedeyna griff den Vorwand sofort auf.

"Oh... ja, genau."

Sie nickte bekräftigend.

"Die gefallen mir so. Daran müssen wir nichts ändern."

Thorian schlug ein Schreibpult, Kommoden oder Regale vor. Aufbewahrungsmöglichkeiten waren immer gut, fand Sziedeyna. Als er nach einem Spiegel oder einem Schminktisch im Schlafzimmer fragte, verneinte sie. Dann fragte sie, ob sie so etwas brauche.

Thorian blickte ihr einen kurzen Augenblick ins Gesicht und schüttelte dann sacht den Kopf.

"Ich denke, nein."

Die Erwähnung des Schlafzimmers hatte etwas Unbehagen in Sziedeynas Gesicht gebracht. Auch Thorian lächelte beinahe verlegen und wandte den Blick wieder dem Raum zu. Für einen Moment standen sie an einer Schwelle, die keiner von beiden recht betreten wollte.

Sie gingen wieder nach unten.

Dort fiel Thorian die Flasche mit dem Most aus Baretis Taverne auf. Sziedeyna erklärte, sie habe sich mal etwas mitgenommen. Leider habe der Most bei ihr inzwischen seine besondere Wirkung verloren.

Thorian meinte, hier unten würde sich eine zweite Sitzgelegenheit anbieten, damit demnächst niemand von ihnen stehen bleiben müsse.

Bei diesem "uns" machte Sziedeyna kurz große Augen.

Ein kleiner Lautlosigkeitssprung. Nicht groß genug, um daraus ein Gespräch zu machen. Aber groß genug, um in ihr hängen zu bleiben.

Thorian ergänzte etwas tölpelhaft, oder wen auch immer sie zu Besuch habe.

Sziedeyna nickte nur leicht.

Er suchte konzentriert nach weiteren Vorschlägen. Eine Anrichte vielleicht, für die Essenszubereitung.

Sziedeyna zupfte sich kurz an einem Ohrläppchen.

"Ach, ich... esse in der Regel... außerhalb."

Dann hielt sie inne.

"Obwohl. Vielleicht hast du ja mal Hunger? Hmm. Wenn so etwas hier hinpasst...?"

Thorian meinte, außerhalb essen zu gehen sei vollkommen in Ordnung. Platz fänden sie bestimmt. Und falls sie einmal etwas zubereiten wolle, stelle er auch seine Küche zur Verfügung. Die sei nämlich auch nur selten in Gebrauch.

"Danke für das Angebot. Vielleicht komme ich mal darauf zurück. Dann können wir etwas Brot essen."

"Frisches, im besten Fall", sagte Thorian lachend.

Sziedeyna nickte lediglich leicht.

Brot. Wieder dieses Wort. Es war fast lächerlich, wie viel an so etwas Kleinem hängen konnte.

Thorian versprach jedenfalls, ihre Wohnung noch wohnlicher zu bekommen. Sziedeyna lächelte leicht.

"Ja, das wäre schön."

Dann fragte sie, ob sie vielleicht noch etwas hinausgehen wollten. Sie möge die Stadt bei Mondschein.

Thorian stimmte zu. Die Stadt biete nachts eine willkommene Ruhe, wenn die Arbeiten ruhten und die Marktschreier schliefen.

"Ah, ja, die Marktschreier", sagte Sziedeyna. "Die hatte ich schon ganz vergessen."

Sie fragte, ob er eine Idee habe, wohin sie gehen könnten.

"Vielleicht zum Park?"

Sziedeyna fand das gut.

Sie ließ ihn vorgehen.

Im Park lag die Stadt hinter ihnen wie etwas Abgelegtes. Thorian schnupperte die Düfte ein. Sziedeyna bemerkte es und schnupperte nun ebenfalls in der Luft.

"Der Gestank der Stadt ist hier wie weggewischt", sagte er.

"Und es ist angenehm ruhig. Nur in der Ferne höre ich ein Pferd."

"Auch die Vögel ruhen bei Nacht."

Thorian meinte, so richtig umgeschaut habe er sich hier noch nie. Sziedeyna war schon öfter hier gewesen. Der Park war schön verwinkelt. Sie mochte verwinkelte Orte. Orte, an denen man nicht sofort gesehen wurde. Orte, die kleine Schattenkammern boten.

Sie schlug vor, sich irgendwo hinzusetzen.

"Am Teich?", fragte Thorian.

Sie setzten sich.

Das Mondlicht spiegelte sich im ruhigen Wasser. Thorian atmete ruhig und genoss die Atmosphäre. Sziedeyna schaute kurz zu seiner Brust, die sich sichtbar bewegte. Dann atmete sie selbst einmal tief ein und wieder aus.

Das war seltsam. Atmen, obwohl man es nicht mehr brauchte, konnte eine Geste werden. Eine Annäherung an etwas, das man verloren hatte. Oder an jemanden, der es noch besaß.

Plötzlich sagte sie leise:

"Ein Licht in der Nacht."

Sie blickte dabei aufs Wasser.

Thorian fragte, ob sie den Mondschein meine.

Sziedeyna verstummte.

"Oh."

Sie schaute ihn an.

"Hmm. Mir kam der Gedanke nur gerade so."

Die Wärme des Kamins war inzwischen aus ihr gewichen. Die Kühle der Nacht hatte sie wieder eingenommen. Später, als Thorian sie bat, den Gedanken auszuführen, schluckte sie leicht. Er fragte vorsichtig, ob sie lieber nicht wolle. Sziedeyna zuckte mit den Schultern, schüttelte kurz den Kopf und wurde verlegen.

Thorian lächelte verständnisvoll.

"Schon gut, Sziedeyna."

Er blickte wieder aufs Wasser.

Eine Weile schwieg sie. Dann sagte sie:

"Na ja... Es ist halt eine schöne Nacht heute. Vielleicht schöner als die meisten."

Den letzten Satz sprach sie leiser hinterher.

Thorian stimmte ihr zu, ebenfalls leise und mit einem Lächeln.

Sziedeyna fragte, was er sonst mache. Schlafen, weil er müde sei? Dabei lächelte sie etwas frech.

In den meisten Nächten wohl, antwortete Thorian amüsiert. Aber er habe auch schon einmal eine Nacht wach verbracht.

"Eine Nacht", sagte Sziedeyna nachdenklich. "Und dafür umso viele Morgen... an denen die Sonne aufgeht."

Thorian blickte sie von der Seite an.

Dann fragte er vorsichtig, ob es denn bei ihr anders sei.

"Schon", antwortete Sziedeyna. "Mein... Lebenswandel sieht es vor."

Sie schaute ihn kurz an, wich dann aber eher seinem Blick aus.

Thorian vermutete, ihre Aufträge seien wohl besser des Nachts auszuführen.

"Ja, die Aufträge", sagte Sziedeyna und nickte kurz.

Es war die einfachste Lüge, weil sie aus einem Stück Wahrheit bestand.

Dann wandte sie den Kopf noch einmal zu ihm und schaute ihn fest an, prüfend. Thorian lächelte vorsichtig und meinte, vielleicht sei es an der Zeit, sich andere Aufträge zu suchen.

Sziedeyna presste die Lippen aufeinander, was ein gepresstes Lächeln hervorrief.

"Keine so gute Idee?", fragte Thorian.

"Ich fürchte... nein."

Sie seufzte tief.

Thorian wurde ernster. Wenn er irgendetwas tun könne. Falls sie jemand bedränge, etwas zu tun, was sie nicht wolle.

Da stand Sziedeyna plötzlich auf.

Sie wand sich um den Baum und kam auf der anderen Seite wieder zum Stehen. Ihre linke Hand stützte sich am Stamm ab. Thorian blickte überrascht, dann erhob auch er sich.

"Ich bin in einer Zwickmühle", sagte Sziedeyna.

Sie schaute immer wieder zu ihm, dann wieder aufs Wasser.

Thorian fragte mit sehr ernstem Gesichtsausdruck, ob er ihr helfen könne.

"Du kannst... mir helfen."

Sie schaute ihn an, als suche sie Rückversicherung in seinen Augen.

Er nickte sacht.

"Wirklich?", fragte sie.

"So wahr ich hier stehe", sagte er mit fester Stimme.

"Du schwörst es also? Mir nicht zu schaden?"

Thorian riss die Augen auf.

"Wieso... Natürlich nicht, nein!"

"Schwöre es. Und ich schwöre es dir im Gegenzug."

Thorian fing sich. Er fragte, warum er ihr schaden wollen sollte. Dann sagte er mit fester, ehrlicher Stimme:

"Ja, ich schwöre es beim Lichte Tyraels."

Sziedeyna stockte.

"Beim... hm."

Sie atmete tief durch.

"Aber damit muss ich wohl leben."

Der Schwur war an ein Licht gebunden, vor dem sie zurückschreckte. Doch er war zugleich ein Schwur von Thorian. Und gerade diese Widersprüchlichkeit legte sich in sie wie ein schweres Tuch.

Sie kehrte um den Baum herum zurück zur Bank und setzte sich. Thorian zögerte nicht, sich ebenfalls zu setzen. Beide blickten einander von der Seite an.

"Weißt du, Thorian", sagte Sziedeyna schließlich, "ich mag dich sehr."

Sie lächelte verlegen und strich sich eine Strähne hinters Ohr.

Seine Worte, sein Blick, seine Art, nicht sofort zu fliehen, hatten etwas in ihr weiter geöffnet, als sie beabsichtigt hatte. Nun war sie dort, wo es kein Zurück mehr gab, ohne dass etwas in ihr riss.

"Magst du mich auch?"

Thorians Herzschlag erhöhte sich. Er schluckte kaum merklich.

"Ja, das tue ich", sagte er leise.

Sziedeyna war die innere Anspannung deutlich anzumerken.

"Kennst du das, wenn du jemanden magst, und diese Person dir dann etwas Schlimmes über sich erzählt?"

Sie blickte tastend in seine Augen.

Thorian schüttelte sacht den Kopf. So wirklich nicht. Aber egal, wie schlimm es sein möge, er würde ihr niemals schaden wollen.

Sziedeyna atmete noch einmal tief durch.

"Es hat ja eh keinen Zweck. Ich muss es dir sagen. Und wenn du dann gehst, dann ist es eben so."

Ihre Augen wurden leicht feucht.

"Auch wenn ich dann... sehr traurig wäre."

Thorian schaute sie mitfühlend an und wollte nach ihrer Hand greifen. Sziedeyna zuckte erst leicht zurück, hielt sie ihm nach einer kurzen Pause dann aber doch hin.

Ihre Hand war eiskalt.

Nicht kühl. Nicht ausgefroren wie bei jemandem, der zu lange draußen gewesen war. Sondern kalt wie die Nacht selbst. Thorian schrak auf, aber nicht aus Furcht, sondern aus Besorgnis.

"Du bist ja sehr ausgekühlt!"

Er öffnete die Schließe seines Umhangs, stand auf, trat hinter sie und legte ihn ihr über die Schultern.

"Vielleicht mag es helfen", sagte er leise.

Sziedeyna lächelte leicht.

"Ich glaube zwar nicht, aber danke für die Geste."

Dann schaute sie sich um.

"Würdest du erwarten, dass ein Apfel unter so einem Mantel warm wird? Oder eine Bank, auf die du den Mantel legst?"

Thorian war verwundert.

"Ehm, nein, eher nicht."

Sziedeyna nickte bekräftigend.

"Genau so wenig kannst du es bei mir erwarten."

In seinem Gesicht regten sich die Gedanken in verschiedene Richtungen. Sziedeyna verfolgte aufmerksam seine Mimik. Sie sah Vorsicht. Aufgeschlossenheit. Vielleicht Schrecken, aber keinen Hass. Einige Augenblicke später nahm er ihre Hand wieder.

"Ich bin etwas aufgewühlt, befürchte ich", sagte er ehrlich. "Verzeih, wenn ich einen Moment an dir gezweifelt haben mag."

"Gezweifelt?"

Sziedeyna schaute sorgenvoll.

Thorian erklärte, er habe gezweifelt, ob eine Antwort, die sie ihm geben könnte, ihn von seinem Schwur abbringen könnte.

Sziedeynas Blick wurde abrupt ernster.

"Wenn... das ginge, was zählt er dann überhaupt?"

Unsicherheit lag in ihrem Gesicht.

Thorian blickte kurz auf ihre beider Hände.

"Er wäre wenig von Wert."

Sziedeyna wurde unruhig. Wenn ein Schwur nur so lange galt, bis Wahrheit ihn prüfte, was war er dann? Ein Wort mit hübscher Rüstung. Mehr nicht.

Thorian erhob sich wieder und ließ ihren Blick nicht los.

"Zweifel ist nichts, das man ausstellen könne. Alleine ihm nicht den Raum zu geben, erfordert starken Willen. Diesen habe ich. Das versichere ich dir bei allem, was mir wichtig ist."

In Sziedeyna schien es zu rattern.

"Nun gut", sagte sie schließlich. "Ich muss dir vertrauen."

Dann fragte sie:

"Kannst du dir vorstellen, warum ich so kalt bin? Was kam dir eben in den Sinn?"

Thorian bat mit einem Blick zur Bank darum, sich wieder zu setzen. Sie tat es. Er sah sich vorsichtig um, ob niemand in Hörweite war.

"Ich habe eine gewisse Ahnung, ja."

"Dann sag."

Sziedeyna schluckte leise.

Thorian fragte nur, ob er es hier aussprechen sollte.

"Wollen wir... woanders hingehen?"

"Ja", antwortete er einfach. Dann aber erinnerte er sie daran, dass auch sie etwas schwören wollte.

"Ja, das Gleiche", sagte Sziedeyna. "Dass ich dir nicht schaden werde."

Thorian nickte bedächtig, mit zufriedenem Blick.

"Das reicht mir."

Sziedeyna lächelte ihm leicht zu, sprang dann geschwind auf.

"Wohin gehen wir?"

Thorian fiel vor Überraschung beinahe hintenüber, nahm den Schwung aber mit, drehte sich über die Sitzgelegenheit und kam halbwegs galant auf die Beine. Sziedeyna lachte kurz leise auf.

Dieses Lachen änderte die Luft zwischen ihnen. Es war, als hätte sich die Spannung für einen Augenblick daran gestoßen und wäre heller geworden.

Thorian schlug vor, zu ihr zu gehen, wenn ihr das zusätzliche Sicherheit gebe.

"Hm, gut."

Sie nickte.

Also gingen sie zurück in ihr Haus.

Oben am Kamin setzte sich Thorian im Schneidersitz auf den Boden. Sziedeyna nahm seinen Mantel ab und wollte ihn zurückreichen, doch er meinte, sie solle ihn gerne behalten, wenn sie möge. Sie faltete ihn zusammen und legte ihn neben sich, während auch sie sich setzte.

"Er hat eine schöne Farbe", sagte sie noch.

Dann holte Thorian tief Luft.

Er erzählte, er sei im Laufe seines Abenteurerlebens viel herumgekommen. Für viele möge die Existenz mancher Wesen ein Mythos sein. Auch auf die Gefahr hin, falsch zu liegen und ihr Unrecht zu tun...

Sziedeyna nickte sacht.

"Irrtümer lassen sich korrigieren. Nun sag schon."

Thorian umkreiste das Thema.

"Ich weiß von der Existenz von untotem Leben."

Sziedeyna nickte leicht.

"Ja..."

Seltsamerweise wurde sie nun ruhiger. Nicht entspannt. Aber klarer. Die Angst vor dem Unausgesprochenen war schlimmer gewesen als der Augenblick, in dem es Sprache bekam.

"Mag es sein, dass dich ein solches ereilt hat?", fragte Thorian beinahe entschuldigend.

Sziedeyna presste die Lippen aufeinander, bevor sie langsam nickte.

"Und ist es schlimm?"

Ihre Augen suchten Wahrheit in seinen.

"Welche Art Untot genau?", fragte er leise. Sein Blick war nicht abweisend, sondern mitfühlend und zugewandt. "Bist du ein Vampir?"

Sziedeyna stieß kurz etwas Luft über die Nase aus.

"Ja."

Eine Pause entstand. Sie biss sich auf der Unterlippe herum.

Thorian nickte sacht. Er begann einen Satz darüber, dass sie bereits Momente habe verstreichen lassen, brach aber ab. Dann schüttelte er energisch den Kopf.

"Verzeih. Ich habe Vertrauen in dich."

Sziedeyna schaute ihn frustriert an.

"Oh, ich... ich wollte nicht..."

Sie verstummte kurz.

"Jetzt denkst du immer, ich wollte..."

Thorian beschwichtigte rasch. Nein, das denke er nicht. Sie habe es ja nicht getan, obwohl sie bestimmt gekonnt hätte.

"Ja", sagte Sziedeyna. "Das hätte ich wohl."

Und dann musste auch die erste Begegnung neu benannt werden.

"Das Treffen... bei Loretta, das war kein Zufall. Ich habe dich gesehen. Von oben aus der Luft. Und ich war... neugierig. Wollte wissen, wer da werkelt."

Sie fügte eilig hinzu, dass sie Loretta nie etwas tun würde. Aber Loretta wisse es noch nicht. Und sie wisse nicht, ob es eine gute Idee wäre, es ihr zu sagen.

Sie stammelte etwas und verstummte.

Thorian nickte sacht. Vielleicht nehme Loretta eine solche Offenbarung weniger mit Fassung auf. Er glaube, sie sei zu unerfahren, um es verkraften zu können. Bitte, sagte er ernst, sie solle sie lieber mit der Lüge leben lassen.

Sziedeyna seufzte.

"Und du kannst es als erfahrener Abenteurer?"

Thorian erklärte, er sei schon anderen Vampiren begegnet, die ihm ans Leder wollten. Und sicher auch einigen ihrer Art, ohne von ihrem zweiten Gesicht zu wissen. Vielleicht sogar solchen, die an seiner Seite gefochten hätten. Eine Offenbarung sei wahrscheinlich eher selten.

"Nur wenn ungewöhnliche Umstände es erfordern", sagte Sziedeyna.

Thorian fragte, ob dies einer dieser Umstände gewesen sei. Sie hätte auch einfach verschwinden und ihn fortan meiden können.

"Ja, das hätte ich wohl", sagte Sziedeyna. "Aber... ich... wollte lieber bleiben."

Sie strich sich wieder eine Strähne hinters Ohr.

Thorian lächelte sanft.

"Und ich bin froh, dass du es so wolltest."

"Wirklich?"

Sziedeyna lächelte leicht.

"Nun bin ich doch hier", sagte Thorian. "Natürlich."

Erleichterung trat in ihr Gesicht.

Dann streckte sie ihm eine Hand hin.

"Schau, wie warm sie ist. So warm wie deine vielleicht."

Thorian rückte etwas näher ans Feuer, nahm ihre Hand vorsichtig und rieb mit dem Daumen über die Oberseite.

"Ja, sie ist schon viel wärmer."

Sziedeyna erklärte, es sei nicht so, dass sie friere. Das Gefühl kenne sie eigentlich gar nicht mehr. Aber sie möge Wärme trotzdem.

Thorian fragte, ob die Flammen ihr auch nicht so leicht etwas anhaben könnten. Neulich habe er schon gedacht, ihre Finger würden verbrennen.

"Oh, Feuer? Doch, das ist sogar sehr gefährlich. Aber ich merke es manchmal nicht gleich, wenn ich mich zu sehr nähere. Falls ich mich nur leicht verbrenne, heilt es sehr schnell. Schau!"

Sie hielt den Zeigefinger der anderen Hand einen Moment in die Flammen.

Thorian verzog unweigerlich das Gesicht.

Dann zeigte sie ihm den Finger. Die Verbrennung verging binnen weniger Sekunden.

"Es muss ja einen Vorteil haben, für immer der Nacht zu gehören."

Thorian fragte halb feststellend, halb fragend, ob sie doch auch des Tages wandeln könne.

"Nein", sagte Sziedeyna. "Das kann ich nicht. Der Tag, auch bereits der Morgen, würde mich... vernichten."

Nach diesem Satz öffnete sich auch ein anderer Raum.

"Hm, jetzt kann ich dir auch mein Schlafzimmer zeigen."

Ihre Hand lag noch immer in seiner. Sie drängte leicht nach oben.

"Möchtest du mal sehen? Vielleicht hast du da auch eine Idee?"

Ehe Thorian weiter über die Worte nachdenken konnte, ließ er sich hochhelfen und zum Schlafzimmer führen.

Sziedeyna erklärte, sie habe es ihm nicht zeigen wollen wegen der fehlenden Fenster. Auch hier sei es leer. Ein klägliches Bettchen und eine Uhr.

Thorian schaute sich um. Keine Fenster störten ja nicht. Eigentlich sei es an manchen Morgen fast besser. Weniger Lärm, länger dunkel.

Sziedeyna erklärte, von außen werde man es wohl einfach für einen Speicherraum halten. Die Tür blieb offen und erhellte den Raum.

Eine Idee?

Viel anderes Mobiliar passe hier nicht hinein, meinte Thorian. Aber ein Kleiderschrank am Fußende ginge. Eine Kommode würde er ihr hierfür gerne herstellen.

Sziedeyna lächelte.

"Siehst du? Dir fällt immer etwas ein."

Dann gestand Thorian, er habe ihr die Tage ein paar Pelzstiefel angefertigt. Er schaute kurz zu ihren Füßen. Nun verstehe er ja, weshalb ihr Schuhwerk nicht so wichtig sei.

Sziedeyna schaute ebenfalls hinab und lachte kurz.

"Ja, selbst ein rostiger Nagel ist schnell vergessen. Und ich... hm, spüre den Untergrund so besser. Aber ich möchte die Stiefel gerne mal tragen."

Thorian meinte, vielleicht helfe es auch der Tarnung, wenn sie etwas über den Füßen trage. Leute reagierten bisweilen irritiert, bestätigte Sziedeyna.

Als sie erfuhr, dass die Stiefel bei ihm zuhause lagen, wurde sie neugierig.

"Oder ich begleite dich einfach? Bei dir ist es eh gemütlicher... noch."

Sie schaute leicht schelmisch.

Thorian schmunzelte über dieses "noch".

Sziedeyna zog ihn an der Hand. Er ließ sich gerne ziehen und spürte die Kraft dahinter.

Bei ihm angekommen zeigte er ihr, dass er etwas umgestaltet hatte. Eine Glocke, damit sie nicht immer rufen musste, wenn er nicht zu sehen war. Oder wer auch immer zu Besuch komme, fügte er hinzu.

Sziedeyna bimmelte einmal damit und lächelte leicht.

Dann wollte sie die Stiefel sehen.

Thorian zog nun seinerseits etwas an ihrer Hand, führte sie zum Schrank, suchte darin und fand die Pelzstiefel.

"Hier sind sie ja!"

Sziedeyna nahm sie entgegen.

"Praktisch, dass ich sie gleich anziehen kann, ohne die alten auszuziehen."

Sie schmunzelte leicht.

"Dieses eine Mal", sagte Thorian lachend.

Sie zog den rechten Stiefel an.

"Er passt."

Sie wirkte verblüfft, zog auch den zweiten an und ging etwas herum.

"Ja, die sind wirklich bequem."

Thorian fragte, ob er die Größe gut geschätzt habe.

"Erstaunlich gut. Du hast echt einen scharfen Blick."

Sie lächelte dankbar.

"Vielen Dank!"

Thorian meinte lachend, so oft, wie er gedacht habe, er könne das gar nicht mehr mit ansehen, habe er vielleicht häufiger auf ihre Füße geschaut.

"Hm, soso!"

"Na ja", sagte er grinsend und zuckte mit den Schultern.

"Ach, Thorian."

Sziedeyna lächelte ihn an.

"Du machst komische Gefühle in mir. Aber es sind schöne. Deswegen wollte ich dich auch nicht... nicht wiedersehen."

Thorian erwiderte das Lächeln sanft.

"Mir geht es da ebenso, Sziedeyna."

"Das bedeutet mir sehr viel, wirklich."

Dann fragte sie ihn, was er gedacht habe, als sie plötzlich bei Loretta vor ihm stand.

Thorian überlegte.

"Ich sah... zunächst eine hübsche Dame."

Kurz wirkte er verlegen. Und eine willkommene Ablenkung nach der harten Arbeit vielleicht auch.

Sziedeyna wiederholte leise und verschmitzt:

"Dame."

"Ja! Ich sah eine Dame!"

"Und was siehst du nun?"

Thorian antwortete verlegen, aber mit einem leichten Schmunzeln:

"Eine hübsche Dame mit... Stiefeln."

Sziedeyna schmunzelte mit.

"Ah, verstehe. Es benötigt also keine Stiefel, um eine Dame zu sein."

Sie tapste mit den Stiefeln demonstrativ auf und ab, stellte sich vornehm vor ihn hin.

"Dame mit Stiefeln."

Thorian nickte anerkennend.

"Zu Hofe könntest du jederzeit mithalten!"

"Vielleicht mit einem von Lorettas Kleidern", sagte Sziedeyna. "Ich fürchte nur, man würde mich sehr schnell als Kleiderdiebin erkennen."

Thorian schlug überkandidelt vor, vielleicht finde sich ja ein geneigter Schneidermeister, der etwas Festliches herzustellen vermöge.

Sziedeyna wurde nachdenklich.

"Es ist... seltsam."

Sie zog ihn mit sich zu den Stühlen und ließ sich nieder. Thorian nahm nach kurzem Nachdenken neben ihr Platz statt gegenüber.

"Ich habe mir nie wirklich etwas aus Kleidern und anderem Pomp gemacht. Du kennst mein Haus. Ich bin schlicht wie... die Nacht."

Sie hielt inne.

"Aber... hmm. Jetzt habe ich irgendwie Lust, auch mal etwas anderes zu tragen."

Thorian sagte mit beinahe liebevoller Stimme:

"Die Nacht, bei wolkenlosem Himmel, ist alles, aber nicht schlicht."

Sziedeyna schaute ihn an.

"Wenn du nichts anderes mehr kennst..."

Dann wurde ihr Blick schwerer.

"Stell dir vor, du kannst nie wieder den Tag erblicken. Ich mag die Nacht, keine Frage. Aber keinerlei Wahl mehr zu haben..."

Thorian nickte bedächtig. Ja, die Wahl zu haben, würde ihm auch fehlen.

Eine Weile saßen sie so.

Dann fragte Sziedeyna, ob er bestimmt schon müde sei. Er meinte, es gehe noch. Die Zeitspanne zwischen Sonnenuntergang und seiner Müdigkeit müsse wohl hin und wieder gestreckt werden.

"Hin und wieder? Du meinst... für mich?"

"So... war es wohl gemeint", sagte Thorian sanft.

Sziedeyna lächelte nur. Dann schüttelte sie kurz den Kopf.

"Das ist alles so unwirklich. Mit dir, hier."

Sie schaute sich um und wirkte sichtlich entspannt neben ihm.

Thorian gab zu, er hätte es auch nicht für möglich gehalten.

"Es ist irgendwie so ein seltsamer Sog, dem ich nicht entrinnen kann", sagte Sziedeyna. "Vielleicht war es diese Ruhe, die du ausstrahlst, die mich neugierig gemacht hat."

Thorian meinte, bei ihr sei es vielleicht die Distanz gewesen, die sie zeitweise an den Tag gelegt habe. Es habe ihn neugierig gemacht. Was sich dahinter verberge, sei sehr aufregend, gestand er mit einem entschuldigenden Lächeln.

"Soll ich wieder so werden?", fragte Sziedeyna schelmisch.

Sie setzte ein irgendwie ungekonnt ernstes Gesicht auf und schaute ihm verwegen in die Augen.

Thorian antwortete frech, da er nun den Grund kenne, könne sie das gern lassen.

"Es ist vielleicht nicht nur der Grund", sagte Sziedeyna. "Ich weiß selbst manchmal nicht, was in mir passiert. Es ist mehr wie... ein Instinkt."

Thorian wurde ernster. Auch ihm brenne eine Frage unter den Nägeln, aber eigentlich wolle er den Moment gerade nicht dadurch stören.

Sziedeyna nickte verstehend.

"Ja, der große Bär im Raum."

Thorian nickte vorsichtig.

Sziedeyna atmete innerlich gegen etwas an.

"Gut, ich will absolut ehrlich sein. Dein Blut, es lockt. Von Anfang an."

Thorian fragte im selben Atemzug, wie sie diesen anderen Instinkt besiege, wenn sie hungrig werde.

"Manchmal... gar nicht."

Sie schaute ihn ernst an.

Thorian schluckte, blickte sie aber weiterhin fest an.

"Bei dir ist es, als überdeckt etwas den Hunger. Das macht es irgendwie... einfacher. Dennoch ist es so, als lauert er unter der Oberfläche. Und ich hoffe sehr, dass ich ihn bändigen kann."

Thorian wagte auszusprechen, was sich daraus ergab. Dann ziehe der Fluch sie hinaus in die Nacht, auf die Suche nach B... Nahrung?

Sziedeyna seufzte tief.

"Ja."

Das Wort war knapp, eher gehaucht.

Thorian schloss kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, hatte sich sein Herzschlag erhöht. Er blickte ihr direkt in die Augen.

"Sziedeyna", begann er flüsternd.

Sie schluckte leise.

"Ganz gleich, wie du zu dem geworden bist, der nun vor mir sitzt. Ich kann dir den Fluch nicht nehmen."

Sziedeyna nickte mehrfach schnell hintereinander.

Thorians linke Hand fuhr zu seinem Ärmel.

"Aber ich kann dich davor bewahren, weitere Schuld auf dich zu nehmen."

Er zog den Ärmel hinab und präsentierte ihr seinen rechten Unterarm. Die Faust geballt.

Sziedeyna starrte darauf.

Die Adern lebten dort unter der Haut. Warm. Pulsierend. So nah. So freiwillig.

Sie schluckte deutlich, ihre Augen weiteten sich.

"Du meinst...?"

Thorian erklärte, wenn sie der Hunger plage, sei es ihm mehr als recht, eine Hilfe zu sein. Und andere davor zu bewahren, ihr herhalten zu müssen, während sie vielleicht darunter leide, nicht minder.

Sziedeynas Blick wurde seltsam. Dann fing sie sich wieder und schaute ihn fest an.

"Aber... ich kann vielleicht schlecht... aufhören. Du musst vielleicht grob werden."

Thorian hatte ihre Stärke gespürt. Er sagte, es werde schon klappen, aber es klang eher hoffend als sicher.

In Sziedeyna tobten sichtliche Widersprüche.

"Mich von dieser Seite zu sehen..."

Sie brach ab.

"Aber du hast recht... vielleicht muss ich dann nicht mehr..."

Sie schaute ihn unsicher an.

"Meinst du wirklich?"

Thorian nickte. Wenn sie wolle, natürlich.

"Jetzt?", fragte Sziedeyna.

"Oder zu einem späteren Zeitpunkt?"

Unruhe lag wieder in ihr.

"Vielleicht jetzt", hauchte sie leise.

Ihr Blick veränderte sich. Etwas Fremdes trat in ihre Augen, das Thorian so noch nicht bei ihr gesehen hatte.

Sie nahm seinen Unterarm vorsichtig mit beiden Händen und zog ihn etwas zu sich auf den Tisch. Dann schaute sie ihn noch einmal an, als bitte sie um Erlaubnis. In ihrem Blick lag etwas Drängendes.

Thorian nickte ihr zu und schloss mit einem Lächeln.

Sziedeyna schluckte noch einmal und senkte den Kopf langsam in Richtung seines Arms.

Für einen Moment verharrte sie so.

Dann war ein leises Knacken aus ihrem Schädel zu vernehmen. Mit einem Ruck ging ihr Kopf vor. Ihr Kiefer öffnete sich weit, und im selben Moment zog ein stechender Schmerz durch Thorian.

Sie hielt seinen Arm mit beiden Händen fest. Zwei tiefe Löcher öffneten ihm den Körper, und das warme Blut floss ihr entgegen. Sie trank. Erst kontrolliert genug, um noch wie eine Person zu wirken, dann zunehmend gieriger, saugender, tiefer in den Rausch fallend.

Für Thorian blieb der Schmerz. Für Sziedeyna blieb nur Blut.

Sie machte keine Anstalten aufzuhören.

"Sziedeyna, genug", versuchte er zunächst ruhig.

Sie reagierte nicht.

Er hob die Stimme, Panik darin.

"Sziedeyna! Es reicht!"

Er versuchte, den Arm wegzuziehen, aber die schiere Kraft ihres Trinkens ließ es nicht geschehen. Mit der linken Hand packte er sie schließlich an der Schulter, drückte fest zu und von sich weg.

"SZIEDEYNA!"

In ihr tobte ein innerer Machtkampf. Es dauerte, bis sie den Griff endlich lockerte und sich regelrecht abstieß. Dabei kippte sie mit dem Stuhl nach hinten um.

Benommen lag sie da.

Ihr Blick war verklärt vom Blutrausch, der Mund verschmiert, die Zähne rot. Dann schloss sie die Augen für einen Moment. Als sie sie wieder öffnete, wurde ihr Blick klarer.

Thorian hielt sich schmerzverzerrt den Unterarm und atmete schwer. Aus den beiden Einstichlöchern sickerte weiter Blut.

Sziedeyna rappelte sich langsam auf. Sie keuchte. Als sie seinen Arm sah, schaute sie geschockt.

"Oh!"

Schnell stellte sie den Stuhl wieder hin und setzte sich neben ihn.

"War es... schlimm?"

Thorian nickte, der Atem schwer, die Kiefer noch vor Schmerz zusammengepresst.

"Ich..." begann Sziedeyna.

"Es ist in Ordnung", unterbrach er sofort.

"Es tut mir leid."

Sie suchte nach etwas, womit man ihn verbinden konnte. Er sagte, er finde sicher etwas in der Küche, und stand etwas zittrig auf. Sziedeyna stützte ihn.

"Warte, ich helfe dir."

Er lehnte es nicht abweisend ab, eher sanftmütig. Es werde gehen.

In der Küche riss Thorian ein Küchentuch fast gänzlich durch und wickelte es um seinen rechten Unterarm. Sziedeyna betrachtete ihn dabei, und Scham mischte sich in ihre Mimik.

Thorian bemerkte, dass der Rausch ebenso schnell vorbei sein konnte.

"Hmm, es hallt noch nach", sagte Sziedeyna.

"Aber vorerst ist kein... Bedarf mehr vorhanden?"

"Ich bin... glücklich."

Thorians Blick wurde wieder milder.

"Das freut mich. Ehrlich."

Sziedeyna sagte dennoch, vielleicht gehe sie jetzt besser erstmal.

Thorian nickte leicht. Das sei sehr schade, aber vielleicht wolle sie allein sein.

"Weiß nicht."

Sie schaute ihn unsicher an.

"Möchtest du also nicht, dass ich gehe?"

Thorian stellte fest, oder fragte eher, dass er vorerst sicher sei, weil ihr Hunger gestillt sei.

"Ja, denke schon."

Dann sagte er:

"Dann möchte ich, dass du bleibst."

Er lächelte seine Schmerzen hinweg.

Sziedeyna schaute sichtlich erleichtert.

"Gut, dann bleibe ich."

Noch immer lag Scham in ihrem Blick.

Sie fragte nach seinem Arm. Er werde wohl nach einem heilenden Trank suchen, sagte Thorian. Gegen den Verlust an Blut könne der Trank vermutlich nicht ankommen, aber die Wunden sollten sich schließen.

Sziedeyna nickte leicht. Dann fragte sie:

"Und... bereust du es?"

Thorian verneinte. Es sei so gekommen, wie sie gesagt habe. Er habe sie von Schlimmerem abhalten können. Und dass nun niemand Unschuldiges herhalten müsse, sei eine gute Dreingabe.

"Bist du denn schuldig?", fragte Sziedeyna.

Thorian sagte, er trage genug Schuld mit sich herum.

Sziedeyna schaute überrascht.

"Gut, dann tragen wir beide wohl Schuld."

Sie lächelte leicht.

"Da haben sich ja zwei gefunden, hm?", sagte Thorian mit schiefem Grinsen.

Sziedeyna entspannte sich wieder etwas.

Er ging in den Keller, um einen Heiltrank zu holen. Sziedeyna blieb in der Küche und atmete erleichtert durch. Dann sah sie sich um, steckte einen Finger in das Honigglas, schnupperte daran und leckte den Finger ab. Als sie Thorian wieder hörte, putzte sie den Finger schnell am Kleid ab.

Thorian grinste schief.

Er entkorkte eine Phiole mit gelblicher Flüssigkeit.

"Zum... Wohl."

Dann trank er.

Binnen Sekunden bekam er wieder etwas mehr Farbe im Gesicht. Die Faust entspannte sich. Er schüttelte den rechten Arm.

Sziedeyna beobachtete den Heilprozess mit mehrfachem Nicken.

Thorian sagte, es wirke bereits. Aber etwas Ruhe benötige er wohl noch.

Sziedeyna blieb gern, während er ruhte. Die einzige Aktivität der Nacht habe er ihr bereits abgenommen.

Thorian meinte, er könne sich ein paar Decken nehmen und ihr natürlich das Bett überlassen. Sziedeyna dachte an den Keller. Dort sei es dunkel, auch am Tag. Aber dann müsste sie bis zur nächsten Nacht warten, ehe sie das Haus verlassen könnte.

Dann sagte sie zögerlich:

"Hm, ich wollte gern... nicht allein sein. Die Umstände sind mir nicht so wichtig."

Thorian schlug vor, die Fenster im Obergeschoss zusätzlich abzuhängen, sodass das Sonnenlicht keine Chance habe.

Sziedeyna schaute erfreut.

"Ja... wenn das geht?"

Sie gingen nach oben. Thorian fiel ein, dass sie hier noch gar nicht gewesen war. Nun schon.

Das Bett war nicht gemacht, was ihn etwas verlegen machte. Er zog Laken aus dem Regal, schnitt sie so ein, dass sie für die Fenster reichen würden. Sziedeyna entdeckte einen Fingerhut im Blumentopf und bemerkte, dass Loretta diese Pflanze auch sehr zu mögen scheine.

Thorian versprach, wenn morgen früh doch etwas Sonnenlicht seinen Weg hinein suchen sollte, werde er die Lücken rechtzeitig schließen.

Sziedeyna nickte ihm zuversichtlich zu.

"Und wenn du mich loswerden willst, musst du sie nur mit einem Ruck herunterreißen."

Es war nicht ganz klar, wie ernst diese Aussage gemeint war.

Thorian grinste frech.

"Vielleicht, nachdem ich eine Nacht über diesen Abend geschlafen habe..."

Dann hängten sie gemeinsam die Fenster ab. Sziedeyna nahm ihm zwei der Laken ab, er kümmerte sich um zwei Fenster, sie um die anderen. Als sie fertig waren, schien es zu reichen.

Dann wurde die nächste Frage plötzlich schwerer.

Thorian sagte zögerlich, sie solle es sich hier gemütlich machen. Er lege noch etwas Holz für die Wärme nach.

"Und wo gehst du hin?"

Er meinte, er räume sich unten den Teppich frei und nehme ein paar Wolldecken.

Sziedeyna überlegte.

"Und das ist nicht zu hart?"

Es werde schon ausreichen, sagte Thorian zögerlich.

"Vielleicht..." Sziedeyna schaute zum Bett, dann wieder zu ihm. "Also es wäre Platz für zwei."

Thorian blickte kurz zum Bett und nickte kaum merklich.

"Oder war das...?", fragte Sziedeyna unsicher.

"Vielleicht wäre es ja sehr schön, dieses Bett für heute Nacht mit jemandem zu teilen, damit niemand auf dem Boden schlafen muss", sagte Thorian leise.

"Von mir aus gern."

Sziedeyna fügte hinzu:

"Ich... beiße auch nicht."

Dann leiser:

"Glaube ich."

"Ich kann das so nicht bestätigen", entgegnete Thorian.

Sziedeyna begann zu erklären, erfahrungsgemäß habe sie noch eine Weile Ruhe von..., führte den Satz aber nicht zu Ende.

Etwas Anspannung fiel von Thorian ab. Er lächelte sie mehr als nur freundlich an.

"Wir werden es erfahren", sagte er leise.

Sziedeyna zog die neuen Stiefel aus und stellte sie ordentlich ab. Thorian deutete zum Kleiderschrank, sie könne etwas Gemütliches statt des Kleides nehmen, wenn sie wolle. Er zog seine Stiefel aus, dann das Hemd. Sziedeyna schaute ihm zu, ohne das unangemessen zu finden.

Thorian drehte sich um.

"Falls ich nicht schauen soll..."

"Oh, ja", sagte Sziedeyna.

Sie zog das Kleid aus, legte es über den Schminktisch und streifte ein Schlafhemd über.

"Kannst wieder schauen."

Thorian sah sie kurz lächelnd an, holte ebenfalls ein Hemd für die Nacht aus dem Schrank und zog sich um. Dann ging er noch zum Kamin und schürte das Feuer an.

"Ich schätze, du bevorzugst die zum Kamin gewandte Seite."

"Ja, wenn sie etwas wärmer ist."

Sziedeyna ging zu ihrer Bettseite.

"Vielleicht kannst du mich auch etwas wärmen. Dann bekomme ich Wärme von beiden Seiten."

Thorian antwortete verlegen:

"Ich... glaube, das würde ich gerne."

Sziedeyna lächelte zufrieden.

Sie kletterte unter die Decke, suchte erst eine geeignete Position und stellte fest, dass das Bett schön weich sei. Dann legte sie sich Richtung Kamin, mit dem Rücken zu Thorian.

Es dauerte einige Momente, bis er zögerlich seinen Arm um sie legte. Weitere, bis er an sie heranrückte.

Sziedeyna rückte leicht nach hinten zu ihm.

Die Anspannung des Abends fiel von Thorian ab. Er schloss die Augen mit einem seeligen Lächeln. Sziedeyna war anfangs noch kalt, wärmte sich aber langsam an ihm auf und schien den Zustand zu genießen.

Ob sie schlief oder wachte oder etwas anderes tat, vermochte Thorian nicht zu sagen.

Sie wurde totenstill für den Rest der Nacht.

Als Thorian am nächsten Morgen erwachte, schien er tatsächlich ausgeschlafen. Sziedeyna lag unverändert da. Er tastete neben sich, um ihre Anwesenheit zu überprüfen, und atmete erleichtert aus, als seine Hand über ihr Nachthemd strich.

Sie rührte sich nicht.

Er rückte die Decke zurecht, sodass sie Sziedeyna bedeckte, wohl ohne darüber nachzudenken, dass es sinnlos war. Dann stieg er vorsichtig aus dem Bett. Er glättete ihr Kleid und legte es ordentlich über die Schneiderpuppe. Danach zog er sich um, überprüfte auf Zehenspitzen die abgehängten Fenster, zupfte hier und da etwas zurecht und entfachte den Kamin neu.

Als auch das Feuer wieder brannte, stellte er sich vor das Bett und betrachtete seinen Gast mit einem glücklichen Lächeln.

Plötzlich öffnete Sziedeyna die Augen.

Ohne jede Spur von Schlaftrunkenheit schaute sie ihn an.

"Thorian?"

Er schrak überrascht zurück.

"Puh, jetzt hast du mich aber erschrocken. Und ich dachte, du schläfst."

Sziedeyna schaute ihn einfach weiter an und lächelte leicht.

Dann fragte sie:

"Sind wir jetzt ein Paar?"

Thorian wirkte überrascht über diese direkte Frage.

Sziedeynas Augen blieben unverändert auf ihm und sahen tief in seine.

"Es... wäre schön, wenn es so wäre", brachte er leise hervor.

Sanft sagte Sziedeyna:

"Ja, fände ich auch."

Ihr Lächeln wurde stärker. Es strahlte eine Ruhe aus, die sie so noch nicht gezeigt hatte.

Thorian näherte sich bis an die Bettkante. Auch sein Lächeln wurde selig, und vorsichtig beugte er sich hinab.

Leise hauchte er ihr zu, die Sonne bahne sich ihren Weg, aber hier werde sie sie nicht stören. Er gehe die Dinge erledigen, die der Tag so für ihn vorsehe.

Sziedeyna hob den Kopf leicht an.

"Gibst du mir einen Kuss zum Abschied?"

Thorian nickte sacht und gab ihr einen zarten Kuss. Sziedeyna erwiderte die Geste, und so formte sich ein sachter Kuss zwischen ihnen. Dabei schloss sie kurz die Augen.

"Dann schlaf nun", sagte Thorian. Er überlegte kurz. "Liebste Sziedeyna."

Sziedeyna lächelte ihn noch einmal an und ließ den Kopf wieder ins Kissen sinken.

"Bis später", hauchte sie leise.

Dann schob sie ebenso leise hinterher:

"Liebster Thorian."

Ein Lächeln verweilte auf ihren Lippen, während sie wieder in Reglosigkeit verfiel.

Thorian erwiderte das "Bis später" und beobachtete sie noch einige Momente, wie sie dalag. Dann wandte er sich ab und verließ leise den Raum.

Mit glückseligem Lächeln.

Die Nacht hatte mit einem Klopfen an seinem Tor begonnen.

Und sie endete damit, dass Sziedeyna in seinem Bett lag, geschützt vor der Sonne, gewärmt von seinem Feuer und seinem Körper, mit seinem Blut noch als dunkler Bund zwischen ihnen.

Nicht mehr nur Freundin.

Nicht mehr nur Jagdgefährtin.

Nicht mehr nur ein Geheimnis in der Nacht.

Sondern etwas, das nun einen Namen bekommen hatte.

Beiträge in diesem Thread