Die Waldelfe saß neben dem Vampir und beobachtete, wie das Licht des Mondes sanft durch die Baumkronen fiel und immer wieder einzelne Stellen des Waldbodens erhellte. Ein ständiger Wandel, mal in Dunkelheit gehüllt, mal vom silbrigen Mondlicht berührt. Wie eine eigene kleine Welt, die sich ihr nur offenbarte, weil sie den Blick darauf richtete. Ehrfurchtsvoll senkte sie für einen Moment den Kopf. Dann glitt ihr Blick zurück zu Nathan. Vielleicht galt dasselbe auch für andere Welten. Vielfältig und verborgen. Wartend darauf, dass jemand ihrer Geheimnisse gewahr wurde. Ihr Finger strich über seine kühle Hand. Die Kälte war nicht unangenehm, eher wie eine kühle Brise an einem heißen Sommertag. Ein Zeichen der Verbundenheit. Yllaria erzählte von den anderen Verbindungen, die so fest mit ihrem eigenen Wesen verwoben waren. Vom stetigen Strom des La unter ihren Füßen, als Teil eines großen Ganzen. Und von etwas viel Kleinerem. Einem kleinen warmen Körper, jederzeit bereit, sich beim Schlafen an sie zu drücken. Grünen Augen, die ihre jeden Morgen fanden. Unerschütterlich und meist mit diesem wissenden Blick, als wäre Haku ihr wie immer zwei Schritte voraus. Bei dem Gedanken schmunzelte sie leise in sich hinein. „Würdest du mich etwas ausprobieren lassen?“ Die Entscheidung dazu hatte sie im Grunde bereits getroffen, als sie die Melodie zum ersten Mal gehört hatte. „Jederzeit.“ Ob er wusste, wie viel Vertrauen auch in diesem einen Wort lag? Ihr Geist streckte sich wie selbstverständlich nach dem La unter ihren Füßen aus. Lebendigkeit und Ruhe flossen langsam durch ihren Körper und ihre eigene Magie erwachte unter der Resonanz. Ein grünes Leuchten breitete sich unter ihren Füßen aus und legte sich über das weiche Moos. Die Waldelfe bewegte sich langsam und wartete ab, ob Nathan ihre Nähe zulassen konnte. Je näher sie ihm kam, desto lauter wurde die Melodie in ihrem Inneren. Behutsam schuf sie erneut einen freien Raum in ihrem Geist und schob ihn zwischen die Töne. Stück für Stück zog sie die Melodie auseinander, ohne den Blick von seinen Augen zu nehmen. Das grüne Leuchten wurde kräftiger. Feine Ranken erhoben sich zwischen dem Moos und begannen sich über ihre Füße und Knöchel nach oben zu winden. Yllaria spürte, wie sich ihre Verbindung zur eigenen Magie verstärkte. Es war so viel einfacher als bei ihrem letzten Versuch. Erleichtert ließ sie einen leisen Atemzug entweichen. Ihr Blick blieb auf Nathan gerichtet. Die Geheimnisse der Nacht. Vielleicht war sie ihnen gerade ein Stück nähergekommen.
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