Online: 23

Ich werde Reisemagier! - Irwin I

Nonair

Irwin I

Nach einigen weiteren Übungen in Trinsic schickte mich Tivona schließlich nach Minnersbach. Sie sagte, wenn ich wirklich lernen wolle, müsse ich auch von Irwin unterrichtet werden. Dabei verzog sie kurz das Gesicht und fügte hinzu, ich solle seine Art nicht persönlich nehmen. Das klang nicht gerade beruhigend.

Minnersbach war deutlich kleiner als Trinsic. Weniger Händler, weniger Lärm – und irgendwie schien selbst der Wind hier langsamer zu wehen. Ich fand Irwin schließlich mitten auf dem Marktplatz der Stadt - finanzielles Gespühr scheint er jedenfals zu haben. Irwin stand neben dem Brunnen, kaute auf einem Stück Brot herum und sah nicht besonders begeistert aus, mich zu sehen. „Du bist also der Halbelf“, brummte er noch bevor ich richtig etwas sagen konnte. Offenbar hatte Tivona ihm bereits geschrieben und die Post (wie ein Reisemagier eben) schnell per Portal verschickt. „Will Reisemagier werden. Hmpf.“ stellte Iwrin fest.

Ich versuchte höflich zu bleiben und erklärte ihm, was ich bisher gelernt hatte. Irwin hörte nur halb zu und winkte irgendwann ab. „Reden kann jeder“, knurrte er. „Zeig.“ Also zeigte ich ihm meine Sprünge. Ein kurzer Sprung zum Brunnen. Einer zum Dorfplatz. Ich landete sauber, so wie ich es bei Tivona gelernt hatte. Innerlich war ich sogar ein wenig stolz darauf. Irwin war das offenbar völlig egal. „Zu langsam“, sagte er trocken. „Und du denkst zu viel.“ Dann stellte er mich mitten auf den Dorfplatz und deutete nacheinander auf drei verschiedene Stellen: ein Fass, einen Apfelbaum und den Torbogen, durch den ich gekommen war. „Spring. Ohne Pause. Immer weiter.“ Der erste Durchgang klappte ganz gut. Beim zweiten wurde mir schon etwas schwindelig. Beim dritten landete ich ein gutes Stück neben dem Fass und wäre fast in den Staub gefallen. Irwin schnaubte nur. „Der Nimbus wartet nicht darauf, dass du dich sammelst“, sagte er. „Wenn du Leute transportierst, haben die keine Geduld für deine Denkpausen.“

Wir übten noch eine ganze Weile so weiter. Kein Lob, kaum Worte – nur ein knappes „nochmal“ oder „falsch“, wenn ich mich vertat. Am Ende fühlte ich mich erschöpfter als nach einem ganzen Tag Reisen. Als ich mich schließlich verabschiedete, nickte Irwin mir nur kurz zu und meinte: „Komm wieder, wenn du schneller bist.“

Auf dem Rückweg musste ich ein wenig schmunzeln. Tivona war geduldig und freundlich gewesen. Irwin dagegen schien dauerhaft schlechte Laune zu haben. Aber vielleicht gehörte das einfach dazu. Je mehr Reisemagier ich traf, desto mehr bekam ich das Gefühl, dass jeder von ihnen ein bisschen eigen war – auf seine ganz eigene Art.

Beiträge in diesem Thread