Online: 5

Verbundene Wege

Yllaria

Die Waldelfe stand wieder neben Farendor in Yew. Sie trug ihre Jagdrüstung und das grüne Leder schmiegte sich vertraut an ihren Körper. Es war ein Gefühl, das Erinnerungen an zahllose Streifzüge durch die Wälder weckte und ihr eine stille Zuversicht vermittelte. Ihr rotes Haar hatte sie zu einem festen Zopf geflochten. Sobald sie die Kapuze ihres Umhangs aufzog, würde das leuchtende Rot verschwinden und sie besser mit den Farben des Waldes verschmelzen lassen.

Ihr Blick glitt zu Nathan und Garou. Ruhig schilderte sie den Angriff auf Be’ryll und zeigte ihnen die Spuren, die noch immer auf dem Platz zu finden waren. Die Krallenabdrücke an der Hauswand zeichneten sich deutlich im Holz ab. Anschließend erklärte sie E’lessars Vermutung, dass es sich bei dem Panther womöglich um einen Fey in Verwandlung handeln könnte.

„Würdet ihr mir helfen, den Panther ausfindig zu machen?“ Die Frage klang ruhig und sachlich aus ihrem Mund. Bewusst hielt sie auch ihre Mimik entspannt. Sie wollte nicht, dass ihr Zorn über den Angriff oder ihre Zuversicht auf eine erfolgreiche Jagd ihre Entscheidung beeinflussten. Sie sollten die Gefahren selbst abwägen und zu einer eigenen Einschätzung gelangen. Aî Verbindungen waren etwas Machtvolles. Gerade deshalb wollte sie diese nicht ausnutzen. Es war besser, wenn sie sich aus freien Stücken entschieden, ihr zu helfen.

„Wenn es sich tatsächlich um einen Fey handelt und wir ihn finden, könnte er auch uns angreifen. Vor allem dich, Nathan, könnte er als Gefahr wahrnehmen.“

Während sie sprach, trat sie ein Stück näher an ihn heran und ließ ihre Hand über seinen Arm gleiten. Sie wollte ihren Schutzzauber noch einmal überprüfen. Noch immer wusste sie nicht genau, wie dieser mit seinen eigenen Fähigkeiten resonierte. Einen Herzschlag länger als nötig hielt sie den Kontakt.

Wahrscheinlichkeiten und Verbindungen. Ihr Geist folgte für einen Moment den Fäden dieser Überlegung. Die Gegenwart war immer nur eine Schwelle. Jede Entscheidung lenkte den Weg in eine neue Richtung und ließ andere verblassen. Wie Türen, die sich öffneten oder schlossen, lange bevor man wusste, was sich dahinter verbarg. Sie fragte sich, wohin ihre Verbindungen sie letztlich führen würden. Und ein kleiner Teil von ihr hoffte, dass gerade diese ungewöhnliche Jagdgesellschaft so unwahrscheinlich war, dass sie ihre Chancen erhöhte.

Schließlich unterbrach sie den Kontakt und tastete mit ihrem Geist auch Garous Schutzzauber ab. Anders als bei Nathan schien sich die Magie beinahe mühelos an ihn zu schmiegen. Zufrieden nickte sie und trat wieder einen Schritt zurück.

Entscheidend war ohnehin, dass sie überhaupt eine erste Spur fanden. Eine leichte Windböe strich über den Platz und spielte mit ihrem Umhang. Yllaria schloss für einen Moment die Augen und öffnete ihre Sinne. Doch alles, was sie wahrnahm, war ihr eigener Geruch, durchzogen vom Duft des Kirschbaums, in dem sie die Nacht verbracht hatte. Er lag noch immer auf ihrer Kleidung und überdeckte alles andere.

„Ich werde in jedem Fall gehen. Würdet ihr mit mir kommen?“ Erneut ließ sie die Frage zwischen ihnen stehen und blickte abwartend von einem zum anderen.

„Und falls nicht, hoffe ich zumindest, dass ihr mir verraten könnt, in welche Richtung ich laufen muss.“ Ein leises Schmunzeln huschte über ihre Lippen.

Beiträge in diesem Thread