Online: 19

Re: Unruhige Zeiten im Zauberwald

Yllaria

Yllaria setzte bedächtig einen Fuß vor den anderen. Ihre Gedanken waren an diesem Tag zu verworren, um sich im Haus zur Ruhe zu begeben. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages fielen auf den Waldboden, als sie tiefer hineinging. Ihre nackten Füße streiften sanft das bereits feuchte Moos. Sie zog ihren Umhang fester um die Schultern.

Ein leises Knacken erklang zu ihrer Linken. Yllaria blieb stehen und lauschte. Wenn ihre eigenen Gedanken ihren Kopf nicht so ausgefüllt hätten, wäre sie schon früher darauf aufmerksam geworden. Ein roter Kater brach aus einem Gebüsch hervor und lief auf sie zu. Sein Fell war aufgestellt und seine Augen funkelten sie aufgebracht an. Dennoch konnte Yllaria bei seinem Anblick ein Lächeln nicht unterdrücken. Abwehrend hob sie die Hände und trat einen Schritt zurück.
„Natürlich hast du Recht, ich hätte schon viel früher kommen müssen. Verzeih mir, Haku.“ Sie neigte leicht ihren Kopf und hoffte, dass dies ihn beruhigen würde. „Bitte begleite mich doch noch ein Stück.“ Sie machte eine einladende Handbewegung und setzte ihren Weg fort. Widerwillig folgte der Kater ihr.

Sie streckte ihre Sinne aus, um eine geeignete Stelle zu finden. Dann nickte sie zufrieden, ließ sich in einer fließenden Bewegung auf den Boden sinken und lehnte ihren Rücken an den breiten Stamm einer Yew-Weide. Kurz schloss sie die Augen und genoss das Gefühl. Sie spürte, wie das Leben durch sie floss. Ein stetiger Strom, beständig und lebenspendend. Wie selbstverständlich tastete ihre Magie nach der Weide. Langsam und bedächtig schien sie sich anpassen zu wollen. Eine leise Melodie drang an Yllarias Ohr. Sie griff sie auf und verwandelte sie in ein leises Summen. Ihre Magie folgte diesem Rhythmus und sickerte langsam durch die Rinde. Sie erzeugte einen Widerhall in der Weide selbst, wie sanfte Schwingungen, die Yllaria jetzt umfingen. Ein seeliges Lächeln breitete sich auf Yllarias Gesicht aus, und die Anspannung der letzten Tage schien mit dem Strom wegzufließen. Dann unterbrach sie die Verbindung und seufzte erleichtert aus.

Als sie die Augen öffnete, sah sie, wie der Kater an ihrem Umhang schnüffelte, der sich um sie herum ausgebreitet hatte. Er sah zu ihr hoch und nieste demonstrativ. „Ich weiß, dass er nach dem Wolf riecht. Fühl dich trotzdem eingeladen.“ Sie nahm die Hände von ihrem Schoß, damit er Platz nehmen konnte. Er fixierte sie weiterhin mit einem erbosten Glühen in den Augen, schien sich dann aber einen Ruck zu geben und sprang auf ihren Schoß. Sobald er es sich auf ihr bequem gemacht hatte – nicht ohne mehrfach mit seinem Fell über ihre Kleidung zu reiben, als wolle er klarmachen, wer hier auf wen Anspruch hatte –, rollte er sich zusammen und blickte ihr zufrieden in die Augen.

Belustigt hob Yllaria eine Augenbraue, dann griff sie in ihre Tasche und holte die Edelsteine heraus, die E'lessar ihr geschenkt hatte. Sie schloss die Augen, um sich an seine Bewegungen und das Gefühl zu erinnern. Langsam ließ sie die Steine in ihrer Hand kreisen und versuchte, die Muster zu imitieren. Anfangs war es noch sehr stockend und der Rhythmus unvollständig. Doch dann spürte sie ganz sachte wieder dieses Gefühl, das sie auch bei der Übung gehabt hatte, und sie griff danach. Eine leise Tonfolge entstand in ihrem Geist. Dieses Mal blieben ihre Lippen geschlossen, und sie versuchte, die Melodie nur in ihren Gedanken zu verankern.

Die Stunden vergingen, und irgendwann nickte Yllaria zufrieden. Sie öffnete die Augen und fand den Kater, der träge auf ihrem Brustkorb schlief, vor. Sie ließ die Steine wieder in ihre Tasche gleiten und fuhr sanft mit den Händen über sein Fell. Mit verhangenen Augen blickte er auf.

„Wir müssen noch eine Sache erledigen.“ Der Kater schien zu verstehen, streckte sich und sprang neben sie. Yllaria erhob sich vom Boden und machte sich in Richtung der Stadt auf. Als sie die ersten Häuser sah, blieb sie stehen, drehte den Kopf in alle Richtungen und atmete langsam ein und aus. Sie musste eine Stelle finden, die nur leicht von der Veränderung betroffen war, da es sonst zu lange dauern würde, bis eine Wirkung zu sehen wäre. Entschlossen lief sie auf ein Stück Wiese zu. Sie nickte. Die Stelle war eindeutig zu nass und roch modrig. Sie griff in ihre Tasche und zog das Blutmoos hervor. Dann kniete sie sich hin. In einem der Bücher in der Gilde hatte sie gelesen, dass Blutmoos die Eigenschaft besaß, schädliche Stoffe zu binden. Vielleicht würde es helfen. Allerdings würde das Blutmoos von alleine zu langsam wachsen, um nicht auch einzugehen. Langsam grub sie die Samen ein. Dann legte sie die Hand darüber. Sie ließ einen Faden ihrer Magie in ihrer Hand entstehen und in den Boden fließen. Sie spürte, wie er sich um die Samen wand und in sie eindrang. Sie musste vorsichtig sein, um sie nicht zu zerstören. Zunächst geschah nichts, dann merkte sie, wie die Samen aufbrachen und sich ein kleines Netzwerk aus Myzel unter ihrer Hand durch den Boden wand. Zufrieden erhob sie sich und trat einen Schritt zurück. In ein paar Tagen würde sie zurückkehren.

Sie ging tiefer in den Wald hinein. In der Krone eines alten Baumes wickelte sie sich in ihren Umhang und schloss die Augen. Die Wärme des Katers, der es sich wieder auf ihr bequem gemacht hatte, drang durch den Stoff und ließ Yllaria wohlig frösteln. Entspannt ließ sie sich in die Meditation sinken.

Beiträge in diesem Thread