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Holz, Pech und große Pläne [Weltquest - Prolog]

Apolline Vaelmont

Apolline Vaelmont stand am Rand der Werft, die Hände locker hinter dem Rücken verschränkt, während der Wind vom Meer den Geruch von Harz, frisch gesägtem Holz und heißem Pech über das Gelände trug.

Vor ihr erhob sich der erste Rumpf beinahe vollständig aus dem Gerüst der Bauhölzer. Die Zimmermänner hatten in den letzten Tagen erstaunliche Arbeit geleistet. Wo noch vor wenigen Wochen nur ein nacktes Kielholz gelegen hatte, schlossen nun sauber gesetzte Planken den Leib des Schiffes. Männer bewegten sich geschäftig über das Deck, während andere an den Seiten auf Gerüsten standen und schwere Hämmer gegen die Spanten führten.

Auf dem Oberdeck knieten bereits die Kalfater. Mit geübten Bewegungen stopften sie Hanffasern in die feinen Fugen zwischen den Planken, ehe sie heißes Pech darüber strichen, das in der Sonne dunkel glänzte. Jeder Schlag des Holzhammers hallte dumpf über das Wasser und ließ erkennen, dass der Rumpf langsam jene Dichtigkeit erhielt, die ein Schiff erst seetüchtig machte.

Apolline nickte zufrieden.

Nicht weit davon entfernt lag das zweite Schiff – oder besser gesagt: sein Anfang. Der Kiel war erst vor wenigen Tagen gelegt worden, doch schon erhoben sich die ersten Spanten wie das Gerippe eines gewaltigen Fisches in den Himmel. Zimmerleute kletterten darüber, richteten Balken aus, während Lehrlinge Holzstücke herantrugen.

„Schneller, als ich gehofft hatte“, murmelte Apolline leise zu sich selbst. Doch der Bau eines Schiffes bestand nicht nur aus Holz.

Ihr Blick wanderte über das Gelände, über die Stapel von Balken, über die Schmiede, in der Beschläge gefertigt wurden, und schließlich hinaus zum Meer. Bald würde der erste Mast aufgerichtet werden. Danach die Rahen, die Takelage – und damit begann ein ganz anderer Teil der Arbeit. Segeltuch. Viel Segeltuch. Und Seile. Kilometer davon.

Hanf, Flachs, Teer, Blöcke und Rollen – alles Dinge, die nun in großen Mengen beschafft werden mussten. Das erste Schiff würde sie bald brauchen, und das zweite würde nicht lange danach folgen.

Apolline strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte leicht. Der schwierigste Teil hatte begonnen.
Doch das bedeutete auch, dass das Ziel näher rückte.

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