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Ich werde Reisemagier! - E'lessar

Nonair

E'lessar

Es war Farendor, der mich schließlich wieder nach Yew rief. Nicht direkt mit Worten, sondern wie so oft mit einem dieser knappen Hinweise, die bei ihm mehr bedeuteten als ein ganzer Vortrag. Ich hatte gerade noch mit den Runenbüchern in meinem Laden gearbeitet, als seine Nachricht kam, kurz, trocken und so knapp formuliert, wie es nur Farendor fertigbrachte: Ich solle nach Yew kommen. Also ging ich - durch den Nimbus; es dauerte nur einen Wimpernschlag. Der Wald empfing mich wie immer mit diesem stillen, gedämpften Licht, das selbst am Tag etwas Feierliches hatte, und ich fand Farendor auf der Lichtung, auf der wir früher geübt hatten. Er stand dort mit verschränkten Armen und sah mich an, als hätte er nicht einen Moment lang daran gezweifelt, dass ich erscheinen würde. Erst als ich näher kam, erklärte er mir, was in Yew geschehen war. Ein untoter Machtträger in einer Krypta, ein altes Tagebuch, vier gebundene Phylakterien, eines davon bereits gebannt. Während er sprach, merkte ich, wie sich meine Gedanken von selbst in die richtigen Bahnen legten, so wie immer, wenn in der Welt etwas nach Orientierung verlangte. Farendor war kein Elf vieler Worte, aber diesmal blieb selbst er einen Augenblick länger stehen, als würde er die Lage abwägen. Elfen aus Yew hätten gegen das Wesen gekämpft, sagte er, mit Magie und Stahl, und doch habe das Tagebuch offenbart, dass die Bedrohung nicht beendet sei. Die anderen Artefakte seien noch da draußen, irgendwo verborgen, und wer helfen könne, solle helfen. Farendor sah mich dabei so an, als hätte er längst entschieden, dass ich einer von denen sein könnte, die etwas beitragen. Das war bei ihm vermutlich ein größeres Lob, als er es je aussprechen würde. Ich hörte zu und merkte, wie mich die Sache nicht losließ. Ein Reisemagier lernt Orte zu finden, nicht nur für sich selbst, sondern oft genug auch dann, wenn andere nicht wissen, wohin sie müssen. Und genau da lag plötzlich mein Teil an dieser Geschichte. Nicht mit Schwert und nicht mit großer Rede, sondern mit dem, was ich konnte: Wege erkennen, Verbindungen spüren, Orte im Nimbus greifen, die nicht einfach auf einer Karte standen. Farendor sprach nicht davon, dass ich mich einmischen müsse, und doch war mir nach ein paar Sätzen klar, dass er mich nicht nur aus Höflichkeit hergerufen hatte. Er wusste, dass ich das hören und verstehen würde. Als ich wieder nach Britain zurückkehrte, war mir die Sache noch immer im Kopf, und während ich durch meinen Laden ging, zwischen Regalen und den Büchern mit den Runenorten, wurde mir klar, dass ich E'lessar schreiben musste.

Also setzte ich mich noch am selben Abend an meinen Tisch und schrieb ihm einen Brief. Ich begann förmlich genug, damit er merkte, dass ich seinen Namen kannte und seinen Ernst respektierte, aber nicht so steif, dass es wie eine Amtsnachricht klang. Ich schrieb, dass ich von den Ereignissen in Yew gehört hatte und dass ich die Sache nicht einfach vorbeiziehen lassen wolle. Dass ich selbst Reisemagier sei, wenn auch noch nicht am Ende meiner Ausbildung, und dass ich gelernt habe, Orte zu finden, die anderen verborgen bleiben. Dass ich mit den Runenbüchern arbeite, mit Karten, Ortsbildern und dem Gefühl für den Nimbus, und dass ich deshalb glaube, hilfreich sein zu können, wenn es darum geht, die anderen Phylakterien aufzuspüren. Ich bot ihm meine Unterstützung an, nicht aus Ruhmsucht und nicht, weil ich mich wichtig machen wollte, sondern weil ich wusste, wie man Verbindungen sucht, wenn ein Ziel nicht offen vor einem liegt. Am Ende schrieb ich, dass er mich erreichen könne, sobald er meine Hilfe annehmen wolle, und dass ich bereit sei, nach Yew zu reisen oder an jedem anderen Ort zu beginnen, den die Suche verlangte. Als ich den Brief fertig hatte, las ich ihn noch einmal durch und merkte, dass ich trotz allem ziemlich direkt geworden war. Aber das schien mir richtig. E'lessar sollte nicht glauben, ich wolle nur Eindruck schinden. Ich faltete den Brief sorgfältig zusammen, versiegelte ihn und sah einen Moment lang auf die Rune neben meiner Hand, als könnte sie mir schon jetzt sagen, wohin der nächste Weg führen würde. Dann stand ich auf, nahm den Brief an mich und machte mich auf den Weg, ihn abzuschicken.

Der Brief an E'lessar findet sich hier: https://alte-schattenwelt.de/forum/message/672/re-das-erste-phylakterium-yewkrypta-nonair

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