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Der Abstieg in die Dunkelheit

Zynrae Ky'Alur

Zynrae glitt mit fast lautlosen Schritten über den dunklen Steinboden, als sie sich zielstrebig auf den Weg zum Treffpunkt machte. Sie trug ihre enge, schwarze Lederrüstung, die sich wie eine zweite Haut an ihren Körper schmiegte. Das matte Leder schluckte das Licht, sodass sie besser mit den Schatten verschmelzen konnte. Ein langer, dunkler Umhang umhüllte sie und verbarg sowohl ihre Ledertasche als auch ihre auffälligen weißen Haare. Nur der kleine Dolch an ihrer Hüfte fing gelegentlich einen schwachen Lichtstrahl ein. Kurz hatte sie überlegt, einen Stab mitzunehmen, diesen Gedanken dann aber wieder verworfen. Im Zweifel war es wichtiger, die Hände frei zu haben. Wesen, die so nah an sie herankamen, bedeuteten für sie ohnehin nur das eine: Ihren letzten Fehler hatte sie bereits begangen.

Ihr Gesichtsausdruck verriet ihre volle Konzentration. Die Stirn war in Falten gelegt, die Augen leicht verengt und wachsam. Es war eine der ersten unerbitterlichen Lektionen in ihrer Ausbildung gewesen: Wer sich nicht gut genug fokussieren konnte, war früher oder später tot. Ein Zustand, der weder Raum für Angst oder Wut ließ, sondern allein von Kontrolle geprägt war. Jeder ihrer dumpfen Schritte erzeugte ein kleines Echo in ihrem Inneren. Sie hatte heute Morgen mit dem Abstieg in ihre Magie begonnen und nutzte nun jeden Schritt, um noch tiefer einzutauchen. Ein starker Manastrom summte durch ihren Körper, und mit jedem Schritt wuchs der Druck in ihr weiter an. Es war ein schmaler Grat. Es musste stark genug sein, damit sie im richtigen Moment darauf zugreifen konnte. Doch zu viel würde ihr Schmerzen bereiten, sie schwächen und ihre Konzentration stören. Schon jetzt spürte sie, dass sie ihre Belastungsgrenze beinahe erreicht hatte.

Es war ein Geräusch, kaum mehr als ein leises Kratzen. Aber es war nur für sie bestimmt, und sie hatte bereits darauf gewartet. Daher reagierte sie sofort. Ihre Hand griff routiniert in ihren Schatten, und ein feiner Manastrom floss in die Dunkelheit hinein.

„Al'doer Elir“, flüsterte sie.

Der Schatten begann sich zu verdichten, dann glitt lautlos eine Gestalt daraus hervor: Ein Panther setzte geschmeidig einen Fuß nach dem anderen auf den kalten Steinboden, sein dunkles Fell aus dunklen Schwaden geformt. Seine violetten Augen fanden sofort ihre. Eine vertraute Verbindung. Zynrae ließ vorsichtig eine kleine Menge ihrer Magie zu ihm fließen. Erleichtert seufzte sie kurz auf, als der Druck in ihr abnahm. Ihre Blicke blieben fest verankert, als er seine Zähne entblößte und ein tiefes, lautes Fauchen die Stille erfüllte. Er war bereit. Ohne ein weiteres Zögern setzten sie sich in Bewegung.

Zynraes Schritte blieben ruhig und bestimmt.

Sie würde ganz sicher nicht als Erste umkehren.

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