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Zwischen Stille und Sturm

Zynrae Ky'Alur

Je weiter sie aus Elashinn hinausging, desto größer wurde Zynraes Vorfreude, die sich jetzt auch deutlich in ihrem Gesicht abzeichnete. Als Novizin hatte sie regelmäßig mit dem schattenhaften Panther kleine Ausflüge an die Oberfläche gemacht. Sie kannte sich gut genug aus, um unbemerkt und in Schatten gehüllt an den Wachen vorbeizuschlüpfen. Sie liebte es, sich mit ihrem Begleiter dem Rausch der Jagd hinzugeben. Die Dunkelheit nur erfüllt von ihrer Magie und seinen aufblitzenden Krallen und Zähnen. Sein leises, warnendes Grollen, bevor sie sich in den nächsten Kampf stürzten. Ein vertrauter Tanz, der beide in seinen Bann zog. Es gab keine Zurückhaltung nur rohe Gewalt und Macht. Ein wunderbares Gefühl. Und Zynrae spürte, wie es sich langsam wieder in ihr ausbreitete. Ja, das hier würde Spaß machen.

Dennoch spürte sie auch den Druck der Verantwortung, der dieses Mal auf ihr lastete. Sie würde ganz sicher nicht vor ihre Ilharess treten und ihr sagen, dass eine Yathrin gestorben war, sie aber noch am Leben war. Stärke und Überlegenheit hin oder her, ihr Leben war nun mal weniger wert. Im Notfall würde sie sie einfach in ein Portal fallen lassen. Lieber ertrug die Bestrafung, die dann zwangsläufig auf sie warten würden und Sorn würde es sicherlich genießen, als einen von ihnen in der Dunkelheit zurück zu lassen. Das hier war ein Wettbewerb, aber nicht unter Gleichgestellten, und Zynrae wusste, was das für sie bedeutete.

Ruchi ging direkt vor ihr. Zynrae ließ immer wieder den Blick über ihren Rücken gleiten. Ruchis Anspannung war fast mit den Händen zu greifen. Sie verlangsamte immer wieder ihre Schritte, sodass Zynrae näher zu ihr aufschloss. Dann lag dieser Hauch von ihr in der Luft. Zynrae schloss die Augen, um für einen Moment alles andere aus der Welt zu drängen.

Elir schien ihre Stimmung zu spüren und hielt sich wie immer an keine ihrer Anweisungen, sondern folgte nur seinen eigenen Launen. Was irgendwie auch beruhigend ist. Seine schattenhaften fließenden Bewegungen schienen nichts von der Schwere der Situation zu tragen. Er sprang nahezu beschwingt über jeden Felsen und ließ es sich nicht nehmen tänzelnd um Ruchi herum zu hüpfen, was Zynrae wiederum ein leises Lachen entlockte, das an den Wänden widerhallte. Sie wusste, dass sie sich erst wirklich Sorgen machen musste, wenn seine violetten Augen ihren Blick suchten. Bis dahin würde sie das hier genießen.

Sie erreichten eine weitere Abzweigung. Elir lief voraus und schnüffelte in beide Gänge hinein. Da durchschnitt sein leises Fauchen die Dunkelheit, tief und langgezogen.

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