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Ein Atemzug Kälte [Dreath'myrr]

Zynrae Ky'Alur

Als Zynrae sah, dass Ruchi strauchelte, kam die Welt für sie in diesem einen Moment zum Stillstand. Was zur Hölle passiert hier? Sie spürte nur einen unglaublichen Druck und diese elende Hitze. Wie betäubt starrte sie auf den wankenden Körper, der drohte in die Tiefe zu fallen, als könnte ihr Verstand nicht verarbeiten, was sie gerade sah.

In diesem Augenblick schien etwas in ihr zur Ruhe zu kommen und etwas anderes erwachte, bohrte seine scharfen Krallen tief in ihr Fleisch. Zynrae hieß den Schmerz willkommen, ließ ihn über sich hinweg spülen, hielt sich fast daran fest. Sollte er ihren Körper doch haben, solange ihr Verstand noch ihr eigener war. Dem Schmerz folgte eine unnatürliche Kälte, die sich langsam durch ihre Adern fraß, sich ausbreitete und alles erfüllte. Nach der Hitze der Umgebung ein schon fast angenehmes Gefühl.

Dann schien sich die Zeit weiter zu drehen.

Die Schatten von Elirs katzenhafter Gestalt schossen mit einer unnatürlichen Geschwindigkeit auf Ruchi zu. Die Dunkelheit in seinem Fell viel dichter gewebt als Augenblicke zuvor. Als er sie erreicht hatte, verloren die Schatten ihre Form, flossen unter ihren Körper und verdichteten sich dann erneut. Elirs Gestalt tauchte wieder auf, Ruchis Körper über ihm, dunkle Schwaden hatten sich um sie geschlossen, um sie sicher auf seinem Rücken zu halten.

Fast hätte Zynrae der Anblick abgelenkt. Dort, wo Ruchis Körper die Schatten berührte, schienen kleine Funken in der Dunkelheit aufzuleuchten, wie ein Tanz von Glühwürmchen in einer rabenschwarzen Nacht. Elirs Kopf drehte sich zu Zynrae um, suchte ihren Blick. Unsicherheit.

Entschlossen stemmte sich Zynrae in die Höhe. Ihr blieb nicht viel Zeit.

Sie griff nach der Kälte in ihrem Inneren, zerrte sie mit Gewalt an die Oberfläche und versuchte ihr eine Form zu geben.

"In An Flam Grav" ihre Stimme donnerte über das Flammenmeer, als würde sie keinerlei Wiedertand dulden. Es war ihr egal, wer sie hörte, wenn sie es nicht schnell auf die andere Seite schafften, waren sie sowieso tot.

Ihr rechter Arm schoss nach oben und eine Kuppel aus Kälte und Schatten formte sich über ihren Köpfen. Langsam breitete sie sich nach unten aus, verdrängte die warme Luft in ihrem Inneren.

Noch ein bisschen mehr.

Zynrae ließ noch mehr von ihrem Mana in die Kälte fließen, spürte, wie es an ihr zehrte, wie es ihr Stück für Stück die Kraft raubte. Es war immer noch viel zu warm unter ihren Füßen. Zischende Geräusche drangen an ihr Ohr, als die Kälte auf den heißen Stein der Brücke traf.

Noch nicht genug.

Wieder ein scharfes Ziehen in ihrem Inneren. Zynrae verzog schmerzhaft das Gesicht, das war zu schnell gegangen. Ihr Arm fuhr hinunter, richtete sich nun auf die schmale Brücke vor ihnen. Ein Teil der kühlen Schwaden wand sich um das Gestein, kroch über die Oberfläche, drang in es ein, verfestigte es, kühlte es herunter.

Sie wusste nicht, wie lange es halten würde.

Elirs violette Augen waren abwartend auf sie gerichtet.

"Lauf!" Der Befehl nur in ihren Gedanken schnellte wie ein Peitschenhieb auf ihn zu. Sofort flogen seine Beine über die Brücke.

Zynrae eilte ihnen hinterher, so schnell sie ihre Füße tragen konnten. Ein angestrengtes Ächzen entkam ihr, auch wenn ihre Lungen sich mit jedem Atemzug mit dieser wunderbaren Kühle füllten.

"Verfluchte Scheiße" mehr ein Knurren als richtige Worte.

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